Wahlprüfstein Bundestagswahl 2021
Bundesforum katholische Seniorenarbeit, BfKS
BfKS
Bundesforum katholische Seniorenarbeit, BfKS
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Welche Maßnahmen planen Sie, um Gesundheitsförderung, Prävention und Rehabilitation speziell für Ältere zu stärken und wie sollen dabei vulnerable Zielgruppen erreicht werden?
Gesundheitsförderung, Prävention und Rehabilitation speziell für Ältere müssen fester Bestandteil einer regionalen und kommunalen Bedarfs- und Versorgungsplanung werden. Dafür sind Qualitätsstandards zu entwickeln. Hausärzte, Pflegestützpunkte und Betreuungsdienste sollen in speziellen Home-Care-Netzwerken eine zentrale Rolle übernehmen. Vor allem jedoch sind die Kommunen stärker zu unterstützen, gesundheitsfördernde Lebensbedingungen zu schaffen. Wir wollen mehr Forschung und öffentliche Debatte darüber, wie die räumliche, zeitliche und finanzielle Trennung von Gesundheitsförderung, Prävention, kurativer Versorgung, Rehabilitation und Pflege im Gesundheitssystem aufgrund der gesetzlichen Vorgaben und vorhandenen Strukturen abgebaut werden kann.
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Will Ihre Partei die ambulante und zugehende, mobile Rehabilitation stärken und wenn ja, wie?
DIE LINKE will grundsätzlich den Zugang zur geriatrischen Rehabilitation im Vorfeld von Pflegebedürftigkeit und über die Pflegebegutachtung verbessern. Ambulante geriatrische Reha-Angebote sollen vor allem in ländlichen Regionen schneller ausgebaut werden. Tagespflegeeinrichtungen oder regionale Gesundheitszentren können wohnortnah spezielle Angebote bereitstellen und zugleich Stützpunkte für mobile Reha-Teams werden. Die Wiedererlangung der Rehabilitationsfähigkeit muss Qualitätsstandard für die Kurzzeitpflege werden. Die primärärztliche Verordnung von Rehabilitationsleistungen über sogenannte Übungsbehandlungen hinaus soll einen höheren Stellenwert erhalten. Die mobile Rehabilitation muss als Einzeltherapie für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen oder multiresistenten Keimen Standard sein und entsprechend vergütet werden.
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Im letzten Koalitionsvertrag wurde die bundesweite Einführung des präventiven Hausbesuches angekündigt, um frühzeitig Pflegebedürftigkeit zu vermeiden. Wird Ihre Partei den präventiven Hausbesuch als Angebot für Seniorinnen und Senioren bundesweit einführen und wenn ja, wie wird er ausgestaltet?
Ja, wir unterstützen präventive Hausbesuche für ältere und alte Menschen als freiwillig nutzbares Angebot. Wir wollen nicht nur Pflegebedürftigkeit verzögern, sondern Einsamkeit im Alter verringern sowie bestehende und sich verändernde Bedarfe früh erfassen. Ältere Menschen sollen in ihrer Selbständigkeit gestärkt, sensibilisiert, informiert und befähigt werden, sich mit eigenen Risiken auseinanderzusetzen. DIE LINKE wird sich für wissenschaftlich begründete, bundeseinheitliche Standards dieser Besuche einsetzen. Wir wollen sie themenübergreifend mit Beratungsleistungen aus einer Hand verbinden, feste Ansprechpersonen, ausgestattet mit Kompetenzen, Unterstützung auch praktisch einzuleiten. Pflegestützpunkte und Sozialverbände könnten eine vermittelnde Plattform darstellen. Als kommunales Angebot sollen diese Besuche gebührenfrei sein.
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Welche Maßnahmen plant Ihre Partei zum Ausbau wohnortnaher gesundheitlicher, pflegerischer und palliativer Versorgungsstrukturen für ältere Menschen, insbesondere auch in strukturschwachen ländlichen Gebieten und in benachteiligten Stadtteilen?
DIE LINKE setzt sich für eine sektorenübergreifende gesundheitliche Versorgung und Bedarfsplanung ein, die in eine generationenübergreifende Sozialraumplanung eingebettet ist. Entsprechende Lösungen sollen bevorzugt aus dem Innovationsfonds gefördert und positive Ergebnisse schneller in die Regelversorgung überführt werden. Ambulante Versorgungsangebote in Krankenhäusern wollen wir ausbauen. Die hausärztliche Versorgung in kommunalen Gesundheitszentren, Polikliniken und Gemeinschaftspraxen wollen wir in ländlichen Gebieten gezielt materiell fördern. Das gilt auch für wohnortnahe Pflegeangebote, insbesondere für die Tages- und Verhinderungspflege sowie aufsuchende Beratungsangebote. In dünn besiedelten Gebieten wollen wir mobile Versorgungsteams bis hin zur allgemeinpalliativen Versorgung gezielt fördern. Dafür fordern wir eine entsprechende kommunale Strukturförderung auch aus Bundesmitteln.
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Welche Maßnahmen Ihrer Partei zielen darauf, der steigenden Zahl von Menschen mit demenziellen Erkrankungen bei der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung gerecht zu werden, auch im Krankenhaus?
DIE LINKE setzt sich für eine vom Bedarf her bestimmte wissenschaftliche Personalbemessung sowohl in den Krankenhäusern als auch in stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen ein. Dafür ist der erhöhte Versorgungsaufwand multimorbider, insbesondere demenziell beeinträchtigter Menschen intensiver zu erforschen und genauer abzubilden. Pflegende Angehörige und Vertrauenspersonen sollen als Assistenzkräfte anerkannt und einbezogen werden. Im Medizinstudium und der Pflegeausbildung wollen wir die heilkundlichen und ethischen Aspekte der Gesundheitsversorgung demenziell erkrankter Menschen ausbauen. Entsprechende Fort- und Weiterbildungsangebote wollen wir bundesweit ausbauen und für Gesundheitsberufe gebührenfrei anbieten.
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Werden Sie sich für eine Delegation und Substitution bestimmter ärztlicher Leistungen an Pflegefachkräfte und die Einführung von Community Health Nurses einsetzen?
Ja, DIE LINKE setzt sich seit langem für die heilkundliche Übertragung ärztlicher Tätigkeiten ein. In der ambulanten und stationären Versorgung sollen verstärkt solche Möglichkeiten ermittelt und umgesetzt werden, zum Beispiel in der Wundversorgung. Wir wollen, dass die vorliegenden Erfahrungen aus Modellprojekten schneller verbindlich in die Regelversorgung überführt werden. Die Ausbildungsinhalte in der Pflegeausbildung sind kontinuierlich anzupassen und erforderliche zusätzliche Qualifizierungen wollen wir fördern. Die erforderlichen Kapazitäten sollen zukünftig in die Bedarfsplanung einbezogen werden. Wir werden uns für rechtliche Voraussetzungen für eine flächendeckende Einbeziehung von CHN in die gesundheitliche Primärversorgung einsetzen. Kommunale Gesundheitszentren mit multiprofessionell zusammengesetzten Teams wollen wir mit öffentlichen Mitteln unterstützen.
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Welche konkreten Maßnahmen plant Ihre Partei, um Kommunen in der Gestaltung gesundheitsförderlicher Verhältnisse zu unterstützen?
Wir fordern einen Fonds, in den Bund, Länder, Kommunen und Krankenkassen einzahlen und aus dem vor Ort in den Kommunen (möglichst mit Beratung in regionalen Gesundheitskonferenzen) entschieden wird, wie gesundheitsförderliche und inklusive Lebensbedingungen von Kita bis Park, von ÖPNV bis zum Einkaufszentrum erreicht werden können.
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Wie will Ihre Partei sicherstellen, dass Kommunen zukünftig verstärkt bei dem Aufbau zukunftssicherer Versorgungs- und Pflegestrukturen im Rahmen des SGB V und SGB XI mitbestimmen können?
Wir sehen die Kommunen auch als Träger von ambulanten Behandlungseinrichtungen, etwa Polikliniken. Mittelfristig wollen wir regionale Gesundheitszentren aufbauen, in denen sowohl ambulante, als auch notfallmedizinische und akutstationäre Leistungen erbracht werden. Kommunen müssen dafür finanziell und im Knowhow unterstützt werden, um insbesondere die Investitionen stemmen zu können. Zudem wollen wir, dass Kommunen mit über die Bedarfsplanung entscheiden, die nach unseren Vorstellungen gemeinsam den stationären und den ambulanten Sektor umfasst und auch nichtärztliche Berufsgruppen einbezieht.