Wahlprüfstein Bundestagswahl 2021
Fachverband Sucht e.V.
Fachverband Sucht
Fachverband Sucht e.V.
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Welche Gesundheitsziele in Bezug auf den Umgang mit Alkohol, Medikamenten, Drogen und Nikotin sehen Sie für die nächsten 4 Jahre?
DIE LINKE steht für eine evidenzbasierte und einheitliche Drogenpolitik. Alle Regelungen sind an ihren realen Auswirkungen auf die Gesundheit und die Gesellschaft wissenschaftlich zu evaluieren und ohne ideologische Scheuklappen anzupassen. Die wichtigsten Ziele sind für uns die Verringerung von gesundheitlichen Schäden, die Bekämpfung der organisierten Kriminalität und die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit einer Suchterkrankung. Zugleich sehen wir die immensen Folgeschäden der Verbotspolitik bei illegalen Drogen für die Einzelnen wie für die Gesellschaft. Gesundheitsschäden durch Streckmittel, Verunreinigungen und andere Beimengungen, die Folgen der Illegalität für Suchtkranke, der lukrative und skrupellose Schwarzmarkt, der fehlende Jugendschutz und nicht zuletzt die Erkenntnis, dass die Verbote dabei weder Angebot noch Nachfrage wirksam reduzieren – all das macht uns das Scheitern des Verbotsansatzes deutlich.
Themen:
Verbraucherschutz,
Gesundheit und Pflege
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Was sind aus Ihrer Sicht besonders vorrangige Ziele?
Wir kämpfen für die Eindämmung des problematischen Tabak- und Alkoholkonsums unter anderem mit Verkaufsbeschränkungen und Werbeverboten, aber auch für verbesserte Behandlungs- und Selbsthilfeangebote. Bei den illegalen Drogen wollen wir schadensreduzierende Maßnahmen fördern (z.B. Drugchecking, Infektionsschutz und safer-use, Beratungsangebote) und mindestens für Cannabis legale, nichtkommerzielle Bezugsmöglichkeiten schaffen. Wir setzen uns für die Förderung von individuell passenden Behandlungsangeboten für Menschen mit Suchterkrankungen ein. Abstinenz kann, muss aber nicht vorrangiges Ziel dieser Therapie sein. Ein großer Schwerpunkt sollte auf dem Ausbau von Präventionsangeboten liegen. Hier sehen wir Potentiale vor allem in lebensweltbezogenen, verhältnispräventiven Initiativen. Letztlich braucht es aber eine Gesamtpolitik, die die soziale Ungleichheit verringert und Menschen aus benachteiligten Gruppen Entfaltungs- und Gestaltungsmöglichkeiten einräumt.
Themen:
Verbraucherschutz,
Gesundheit und Pflege
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Welchen Stellenwert hat für Sie im Gesamtbehandlungskontext die medizinische Rehabilitation in den nächsten Jahren?
Die medizinische Rehabilitation wird mit zunehmender Multimorbidität, mehr psychischen und nicht zuletzt durch coronabedingte Folgeerkrankungen – an Bedeutung gewinnen. Daran muss sich die Finanzierung ausrichten. Eine Rationierung von Leistungen ist zu verhindern. Wir wollen ein gemeinsames Qualitätssicherungsverfahren der Deutschen Rentenversicherung und der Gesetzlichen Krankenversicherung. Personal- und Sachkosten müssen sicher refinanziert werden, um mit tariflicher Entlohnung qualifiziertes Fachpersonal zu gewinnen. Die Auswahl des Behandlungssettings (ambulant, stationär oder mobil) soll sich am individuellen Bedarf, der Lebenswelt und dem höchstmöglichen Behandlungserfolg ausrichten. Dafür sind insbesondere die Frührehabilitation zu stärken, zeitliche Verlängerungen zu erleichtern und ein sektorenübergreifendes Fallmanagement umzusetzen. Digitale Anwendungen gehören in den Katalog der medizinischen Reha-Leistungen. Für uns gilt der Grundsatz: „Reha vor und bei Pflege“.
Themen:
Verbraucherschutz,
Gesundheit und Pflege