Wahlprüfstein Bundestagswahl 2021

Schutzgemeinschaft Deutscher Wald

SG Deutscher Wald

Schutzgemeinschaft Deutscher Wald

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Wir alle profitieren von den Ökosystemleistungen des Waldes. Viele werden unentgeltlich erbracht. Setzt sich ihre Partei für eine Honorierung der Ökosystemleistungen des Waldes ein und wie stellen Sie sich die Umsetzung vor?
DIE LINKE begrüßt die Debatte zur Honorierung von Ökosystemdienstleistungen (ÖSL) im Wald. Dabei müssen alle ÖSL des Waldes von Filter-, Speicher-, Lebensraum- bis Erholungsfunktion berücksichtigt werden. Eine Reduzierung des Waldes auf einen CO2-Speicher sieht DIE LINKE kritisch, zumal bisher kein stimmiges Konzept vorliegt, wie mit Krisensituationen umgegangen wird, wenn der Wald seine Senkenfunktion verliert oder gar zur Quelle wird. Dabei geht es um Hilfe zur Selbsthilfe, nicht um ein Rundum-sorglos-Paket für Waldbesitzende. Waldbesitzer bleiben nach Artikel 14 Grundgesetz in der Verantwortung, nach dem Eigentum verpflichtet und zum Allgemeinwohl verwendet werden soll. Aber sie brauchen zur Erfüllung der Gemeinwohlleistung Unterstützung, insbesondere im Klein- und Kleinstprivatwald. Eine Honorierung über den Energie- und Klimafond ist vorstellbar und eine Option, deren Ausgestaltung diskutiert werden muss.

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Unsere heimischen Wälder an zukünftiges Klima angepasst sein. Wie beabsichtigen Sie die Forstbetriebe und Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer zu motivieren, ihre Wälder trotz im Moment niedriger Erlöse klimastabil umzubauen. Welche Maßnahmen wollen Sie umsetzen?
Die Forstbetriebe müssen wieder deutlich besser finanziell gesichert sein. Dazu müssen auch faire Holzpreise beitragen. Zumal auch gut ausgebildetes und anständig bezahltes Forstpersonal auf der Fläche dringend gebraucht wird, um die Herausforderungen im Wald zu meistern. Der Personalabbau in den Forstbetrieben muss nicht nur gestoppt, sondern umgekehrt werden. Gut ausgebildete Forstleute brauchen aber attraktive Jobangebote. Insbesondere Klein- und Kleinstwaldbesitzende brauchen Unterstützung. Dazu gehören neben der Honorierung von Ökosystemdienstleistungen auch öffentliche Beratungsangebote mit dem Ziel des naturgemäßen Waldumbaus, Stärkung überbetrieblicher Zusammenschlüsse (z.B. Forstbetriebsgemeinschaften), verbessertes Risiko- und Krisenmanagement (u.a. steuerfreie Risikoausgleichsrücklage) und eine jagdliche Unterstützung. Vor allem leichter Zugang zur Förderung trägt erheblich zur Motivation von Waldbesitzenden bei, ohne sie dabei aus der Pflicht ihrer Verantwortung zu nehmen.

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Die Baumartenwahl gilt als das entscheidende Instrument, eine Klimaanpassung unserer Wälder zu erreichen. Wie möchte Ihre Partei hier die Schwerpunkte setzen, welche Rolle sollen dabei nicht heimische Baumarten spielen und welche Wiederbewaldungsmaßnahmen und Initiativen wird ihre Partei umsetzen?
Artenreichtum und genetische Vielfalt sind wichtige Voraussetzung für die Lebensraumfunktion des Waldes und seine Anpassungsfähigkeit an sich ändernde Bedingungen (z.B. Klimawandel). Gleichzeitig ist sie Grundlage für die Züchtung angepasster (trockenstresstolerant, hitzestresstolerant, (spät)frosttoleranter, schaderregertolerant), leistungsfähiger (hinreichende Wuchsleistung) und qualitativ hochwertiger (vielfältige Nutzungsmöglichkeiten) Bäume. Dazu wird deutlich mehr Forschung, insbesondere zu den ökophysiologischen Eigenschaften gebraucht. Im Zuge des naturgemäßen Umbaus zum Zukunftswald sowie zur Wiederbewaldung von Schadflächen sind klimatolerante heimische und europäische Baumarten wichtig. Nichtinvasive fremdländische Baumarten und Gehölze sollten nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden, insbesondere wenn es früher nahe heimische Verwandte gab. Nutzungseinschränkungen von Flächen können als Refugien und wissenschaftliche Lernorte für Gesellschaft und Politik wichtig sein.

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Die internationale Waldzerstörung hat in den letzten Jahren wieder massiv zugenommen. Entwaldungsfreie Lieferketten gelten hier als Schlüsselinstrument, um die Abholzung von Wäldern zu reduzieren. Wie beabsichtigen Sie entwaldungsfreie Lieferketten sicher zu stellen?
DIE LINKE fordert ein wirksames Lieferkettengesetz und den Stopp des EU-Mercosur-Abkommens. Die bisherigen freiwilligen Selbstverpflichtungen der Unternehmen und das Sorgfaltspflichtengesetz der Bundesregierung reichen nicht aus. Nicht nur die Bundesrepublik Deutschland, sondern auch die EU braucht ein starkes Lieferkettengesetz, das Unternehmen und Investoren dazu verpflichtet, dafür zu sorgen, dass ihre Geschäftsmodelle nicht zur Zerstörung und Beschädigung von wichtigen Ökosystemen und Wäldern beitragen. Vor allem für EU-Importe wird tropischer Lebensraum zerstört. Die EU nimmt hierbei den zweiten Platz ein, während die Bundesrepublik Deutschland innerhalb der EU auf Platz eins für die Entwaldung durch Importe verantwortlich ist. Immer mehr weltweiter Handel mit Fleisch und Viehfutter heißt: mehr Landnahme, mehr Ausbeutung, weniger Urwald, weniger Klimaschutz. Die Festlegung der Vertragspartner auf das Pariser Klimaabkommen bleiben derweil unverbindlich und nicht sanktionsbewehrt.

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Trotz großer Anstrengungen werden täglich 56 Hektar (darunter auch Wald) in Deutschland versiegelt. Dies läuft konträr zur großen Bedeutung des Waldes für den Klimaschutz und die Biodiversität. Wie beabsichtigen Sie den Schutz der Waldfläche sicherzustellen und den Flächenverbrauch zu reduzieren?
Die Neuversieglung von Land- und Forstwirtschaftsflächen muss konsequent reduziert werden. Entsiegelung und innerörtliche Entwicklung müssen Vorrang haben. Straßenneubau muss an zwingenden Bedarf gebunden werden. In den Regionalplänen müssen Entsiegelungspotenziale festgehalten werden.

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In Anbetracht der großen Kahlflächen im Wald wird in waldreichen Regionen die Forderungen erhoben, die Umwandlung von Wald in landwirtschaftliche Flächen und den Bau von Windkraftanlagen im Wald leichter zu genehmigen. Wie steht ihre Partei dazu?
Der Schutz von Wäldern und ihren Ökosystemleistungen, die dringend notwendige Energiewende (u.a. durch den Bau von Windkraftanlagen), sowie der Versorgungsauftrag von Landwirtschaft dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Die Umwandlung von Wald in Acker lehnt DIE LINKE grundsätzlich ab. Stattdessen müssen die vorhanden landwirtschaftlichen Flächen nachhaltig zur Sicherung der Versorgungssouveränität mit Lebensmittel (prioritär) und soweit sinnvoll erneuerbaren Rohstoffen (inkl. Energie) ausgerichtet werden. Regionale, kooperative Wirtschaftskreisläufe statt anonymen Weltmarkts mit Dumpingbedingungen. Den vereinzelten Bau von Windkraftanlagen in naturfernen Wäldern lehnt DIE LINKE nicht grundsätzlich ab, setzt aber eine strenge Umweltverträglichkeitsprüfungen voraus, um Waldflächen und seine Lebensraum- und Ökosystemleistungen zu schützen.

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Welche Strategien, Maßnahmen und Finanzmittel plant Ihre Partei, um waldbezogene Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in alle Bereiche der Bildung von der Kita über die Sekundarstufen bis hin zur Ausbildung und Hochschulbildung, regelmäßig und verlässlich, zu etablieren?
Die LINKE setzt sich dafür ein, dass waldbezogene Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in die Bildungs- und Lehrpläne der Bundesländer aufgenommen wird. Angesichts des föderalen Bildungssystems trägt die Bundesregierung mit die Verantwortung dafür, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, um das Bewusstsein der politischen Verantwortlichen in den jeweiligen Bundesländern für die Bedeutung des Ökosystems Wald zu schaffen. Die Bundesregierung wird aufgefordert einen detaillierten Plan vorzulegen, wie waldbezogene BNE in alle Bereiche der Bildung von der Kita bis in die Sekundarstufen aber auch in der Ausbildung und Hochschulbildung zu berücksichtigen ist.

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Der Nationale Aktionsplan BNE sieht vor, non-formale und informelle Lern- und Bildungsangebote als Teil von BNE-Bildungslandschaften auszubauen. Wie wollen Sie qualifizierte Pädagoginnen der außerschulischen, waldbezogenen BNE fördern, damit sie den BNE-Bildungsauftrags leisten können?
Durch den Aktionsplan soll eine Grundlage geschaffen werden, die Umsetzung des UNESCO-Weltaktionsprogramms Bildung für nachhaltige Entwicklung in Deutschland zum einen praktikabel zu machen und zum anderen auch über das Jahr 2019 hinaus sicher zu stellen. Der konkrete Fortschritt der Etablierung der Maßnahmen und Handlungsempfehlungen des Aktionsplans wird jedoch lediglich anhand sogenannter Selbstverpflichtungserklärungen gemessen. Die LINKE setzt sich dafür ein, dass waldbezogene Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in die Bildungs- und Lehrpläne aufgenommen wird. Diese stellen das entscheidende Element dar, um den neuen Ansatz strukturell in den einzelnen Fächern sowie fächerübergreifend zu verankern. Die Bundesregierung muss mit den Bundesländern eine länderübergreifende einheitliche Überarbeitung unterstützen, um dies in dem föderal ausgerichteten Bildungssystem umzusetzen.