Wahlprüfstein Bundestagswahl 2021
Deutsche Gesellschaft Juniorprofessur e.V. (DGJ)
Deutsche Gesellschaft Juniorprofessur
Deutsche Gesellschaft Juniorprofessur e.V. (DGJ)
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Ist der Finanzierungsschlüssel für Universitäten, Fachhochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen in Deutschland zeitgemäß? Inwiefern ist die Finanzierung von Lehre und Forschung – trotz pandemiebedingter Haushaltsdefizite – gesichert, sind Kürzungen aus Ihrer Sicht auszuschließen?
DIE LINKE steht für eine Umkehr des in den 90er Jahren begonnenen Trends, Wissenschaft und Forschung zunehmend durch Drittmittel zu finanzieren. Wir wollen eine auskömmliche Grundfinanzierung der Hochschulen sicherstellen, die Wissenschaftler:innen vom Antragswesen entlastet und eine interessengeleitete Forschung ermöglicht. Die bestehende Drittmittelzuteilung aus öffentlichen Geldern muss gerechter unter den Hochschultypen verteilt werden und gemeinwohlorientiert sein. Aktuell sind Hochschulen für angewandte Wissenschaft bei der Vergabe von DFG-Geldern erheblich unterrepräsentiert.
Pandemiebedingte Mehrausgaben können aus dem Titel „Globale Mehrausgabe für Kosten im Zusammenhang mit der Bewältigung der COVID-19-Pandemie“ des Bundeshaushalts finanziert werden. Die entstehenden Kosten sind aus einer einzuführenden Vermögenssteuer, Anhebung der Erbschaftssteuer und stärkeren Besteuerung hoher Einkommen zu tragen.
Themen:
Arbeit,
Bildung und Ausbildung
2
Wie bewerten Sie die Pluralität von Karrierewegen auf dem Weg zu einer Lebenszeitprofessur (Habilitation, Junior- und Tenure-Track-Professur oder Nachwuchsgruppenleitung)? Welchen Stellenwert sollte die Habilitation in Zukunft innerhalb des deutschen Hochschulsystems einnehmen?
DIE LINKE begrüßt die Entwicklung hin zu flexiblen Karrierewegen in der Wissenschaft, wenn sie dazu führt. dass die Wege zur höherer Bildung und höherer Qualifizierung sich öffnen. Wo es lediglich um Flexibilisierung geht, die auf Kosten der Beschäftigungssicherheit und Planbarkeit geht, sehen wir das kritisch. Aus unserer Sicht ist es wichtig, in den kommenden Jahren zu klären, welche Konzepte sich als tragfähig erweisen und zukünftig gefördert werden sollten. Neben den damit verbundenen Arbeits- und Qualifizierungsbedingungen sind für uns Aspekte der Planbarkeit und Gleichstellung wichtig. Die Habilitation wird in vielen Fachbereichen bereits heute nur noch in Ausnahmefällen genutzt und sollte aufgrund den mit ihr einhergehenden schlechten Arbeitsbedingungen zunehmend durch attraktivere Perspektiven ersetzt werden.
Themen:
Arbeit,
Bildung und Ausbildung
3
Soll es weiterhin befristete Juniorprofessuren (bzw. vergleichbare Positionen nach der Promotion) ohne Tenure-Track in Deutschland geben?
DIE LINKE möchte Tenure-Track-Professuren stärken. Wir stehen für eine verlässliche Karriereplanung und sichere Arbeitsverhältnisse in der Wissenschaft. Unserer Ansicht nach bietet das Konzept des Tenure-Tracks dazu bessere Voraussetzungen als vergleichbare Qualifikationsangebote. Die Zwischenlösung der Juniorprofessur ist dagegen weiterhin mit Unsicherheiten behaftet und für uns langfristig keine Option.
Themen:
Arbeit,
Bildung und Ausbildung
4
Halten Sie die Einführung von Tenure-Track-Professuren für ein wirksames Mittel, um nachhaltigere Personalstrategien an Universitäten zu etablieren? Falls ja, planen Sie eine Fortsetzung des Bund-Länder-Programms? Falls nein, welche Maßnahmen halten Sie für effektiver?
DIE LINKE befürwortet die Einführung von Tenure-Track-Professuren in der deutschen Hochschullandschaft. Tenure-Track-Professuren bieten eine sinnvolle Berufsperspektive für viele Wissenschaftler:innen. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass insbesondere Frauen vom Tenure-Track profitieren. Einer Fortführung und eventuellen Ausweitung des Tenure-Track-Programms stehen wir positiv gegenüber. Zu nachhaltigen Personalstrategien an Hochschulen gehören für uns allerdings auch weitere unbefristete Stellen und familienfreundliche, inklusive Stellenkonzepte im Mittelbau, die nicht zur Professur führen. Wissenschaft als Beruf sollte nicht nur mit Professur möglich sein.
Themen:
Arbeit,
Bildung und Ausbildung
5
Viele hochqualifizierte Wissenschaftler*innen können aufgrund des Fehlens von Professuren nicht berufen werden. Deutschland hinkt hier im internationalen Vergleich hinterher und die Pandemie scheint die Lage nicht zu verbessern. Welche Lösungsansätze schlagen Sie vor?
DIE LINKE will den akademischen Mittelbau stärken und die Zahl der unbefristeten Stellen unterhalb der Professur erhöhen. Um die Planbarkeit wissenschaftlicher Karrieren zu verbessern, wollen wir das Sonderbefristungsrecht im Wissenschaftszeitvertragsgesetz abschaffen und durch eine höhere Grundfinanzierung der Hochschulen die Basis für neue Stellen schaffen. Zudem sollen Leitungsaufgaben auch in Teilzeit erledigt werden können, was insbesondere Frauen, die Care-Arbeit übernehmen, zusätzliche Berufsperspektiven ermöglicht. Dass insbesondere Daueraufgaben zum Umfang von befristeten Qualifizierungsstellen gehören, zeigt aus unserer Sicht die Absurdität der aktuellen Beschäftigungspraxis an deutschen Hochschulen. DIE LINKE spricht sich daher klar für den Grundsatz „Dauerstellen für Daueraufgaben“ aus.
Themen:
Arbeit,
Bildung und Ausbildung
6
Wie zeitgemäß ist das Wissenschaftszeitvertragsgesetz, das ja derzeit im Rahmen von #IchbinHanna scharf kritisiert wird? Welche Punkte sollten ggf. Ihrer Meinung nach novelliert werden?
DIE LINKE steht für sichere und gut bezahlte Promotionsstellen. Daher wollen wir die Befristungsketten im wissenschaftlichen Mittelbau abschaffen. Arbeitsverträge in der Promotionsphase müssen den üblichen Zeiträumen der Qualifizierungsphase entsprechen. Dazu wollen wir garantierte Mindestlaufzeiten für Arbeitsverträge während und nach der Promotion in einer Novelle des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes festschreiben. Zusätzlich sollten Qualifikationsstellen zu 100% vergütet werden.
Zusätzlich wollen wir die Abhängigkeit Promovierender von einzelnen Lehrstühlen reduzieren und schlagen daher im Sinne eines Department-Modells eine Anstellung im jeweiligen Fachbereich vor. Mit den von uns geforderten Aufwüchsen in der Grundfinanzierung sollen mehr Stellen im wissenschaftlichen Mittelbau entstehen, sodass weniger Promovierende auf Stipendien oder außerwissenschaftliche Lohnarbeit angewiesen sind.
Um den akademischen Mittelbau mit Promotion zu stärken, wollen wir die Zahl der unbefristeten Stellen unterhalb der Professur erhöhen. Daueraufgaben sollen von Dauerstellen erledigt werden. Das soll die Planbarkeit wissenschaftlicher Karrieren verbessern.
Themen:
Arbeit,
Bildung und Ausbildung
7
Wie lassen sich aus Ihrer Sicht familienfreundliche Rahmenbedingungen für die Wissenschaft schaffen?
DIE LINKE will die Vereinbarkeit von Familie und wissenschaftlicher Karriere verbessern. Bausteine zur Erreichung dieser Zielsetzung sind die allgemeine Verbesserung der Arbeitsbedingungen und die Abschaffung des Sonderbefristungsrecht im Wissenschaftszeitvertragsgesetzes, das aus unserer Sicht große Probleme für Menschen mit Care-Arbeitsverpflichtungen darstellt. Auch für die Familienplanung stellen unsichere Arbeitsverhältnisse eine ungeheure Belastung dar.
Um bei Menschen mit Care-Arbeitsverpflichtung eine Überlastung und Sicherungslücken zu verhindern, sollen flexiblere Studien- und Arbeitsbedingungen und auch Führung in Voll- und Teilzeit etabliert werden und Wissenschaftseinrichtungen gemeinsam mit ihren Mitarbeiter:innen die Karrierenplanung vorantreiben. Wissenschaftseinrichtungen sind dazu angehalten, Menschen mit Care-Aufgaben den Zugang zu Aus- und Weiterbildungen zu erleichtern sowie bei zeitlich begrenzten Arbeits- und Förderverhältnissen Verlängerungsmöglichkeiten auszunutzen. Zusätzlich sollten bedarfsgerechte, qualitativ hochwertige Betreuungseinrichtungen, die allen Kindern aller Hochschulmitglieder offenstehen, ausgebaut werden.
Themen:
Arbeit,
Bildung und Ausbildung
8
Welche Maßnahmen schlagen Sie darüber hinaus vor, um die Attraktivität des Wissenschaftsstandorts Deutschland weiter zu steigern?
DIE LINKE möchte den Forschungsstandort durch attraktive Arbeitsbedingungen und eine grundfinanzierte Forschung stärken. Für viele Forschende sind verlässliche und langfristige Beschäftigungsperspektiven wichtig. Wir wollen daher das Sonderbefristungsrecht der Wissenschaft reformieren und unterhalb der Professur durch besser finanzierte Hochschulen mehr Dauerstellen im Mittelbau schaffen. Das hält junge Talente in Deutschland und zieht ausländische Studierende und Promovierende an. Für DIE LINKE ist es daher wichtig, die Gebührenfreiheit und die Qualität unserer Hochschulen in der Breite zu erhalten und auszubauen. Leuchtturm-Projekte wie die Exzellenzstrategie lehnen wir daher ab.
Um die anwendungsorientierte Forschung zu stärken, wollen wir Fachhochschulen und Hochschulen für angewandte Wissenschaften das Promotionsrecht verleihen und ihren Mittelbau deutlich vergrößern. Wir versprechen uns davon auch Impulse in die regionale KMU-Landschaft. Außerdem wollen wir die Zusammenarbeit von Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen weiter fördern und ausbauen.
Themen:
Arbeit,
Bildung und Ausbildung