Wahlprüfstein Bundestagswahl 2021
Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen
BV Psychologinnen und Psychologen
Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen
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Was werden Sie für eine gute Unterstützung des Systems Schule durch Schulpsychologinnen tun? Wie werden insbesondere benachteiligte Kinder und Jugendliche in Ihre Maßnahmen oder Vorschläge einbezogen?
Schule sollte so organisiert sein, dass die sozialen Unterschiede nicht noch verstärkt, sondern möglichst ausgeglichen werden. Wir wollen daher eine Schule für alle: Eine Gemeinschaftsschule, die kein Kind zurücklässt und sozialer Ungleichheit entgegenwirkt. Die Gemeinschaftsschule fördert die Kinder individuell und umfassend. Gemeinschaftsschulen sind inklusive Schulen, in der alle Kinder und Jugendlichen willkommen sind und gemeinsam mit- und voneinander lernen. Inklusion ist eine Aufgabe, die sich nicht auf einzelne Gruppen bezieht – weder auf Schüler*innen mit Behinderungen, noch auf diejenigen nicht-deutscher Herkunft noch auf solche, die aus anderen Gründen von Teilhabe ausgeschlossen werden. Wir wollen, dass an Schulen Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter*innen, Erzieher*innen, Schulpsycholog*innen und medizinisches Fachpersonal in multiprofessionellen Teams zusammenwirken.
Themen:
Gesundheit und Pflege
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Welche Maßnahmen zur Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und der Verringerung von Ungleichheiten beispielweise bei Gesundheits- und Bildungschancen oder im Bereich Inklusion planen Sie?
Wir wollen Ungleichheit in allen geselllschaftlichen Bereichen zurückdrängen. Bildungseinrichtungen reproduzieren Ungleichheit vielfach. Unser Konzept einer ganztägigen Gemeinschaftschule (“Eine Schule für alle”) kann nachweislich soziale Ungleichheiten ausgleichen und alle Kinder fördern. Unser Investitionsprogramm sieht 58 Mrd Euro jährlich im Bildungsbereich vor: für 100 000 zusäthliche Lehrkräfte, kleinere Klassen, das 2-Lehrer*innen-Prinzip für inklusive Schule u.ä..
Corona hat es deutlich vor Augen geführt: Armut ist ein Gesundheitsrisiko. Die Infektionsrisiken waren größer in einkommensarmen Nachbarschaften. Gesellschaften mit geringen sozialen Ungleichheiten sind insgesamt gesünder - auch die oberen Schichten. Die Vorstellungen der LINKEN für mehr Gerechtigkeit in den genannten Bereichen reichen von einem großen Bundes-Präventionsfonds und gleichermaßen gutem Zugang zu Gesundheitsversorgung, Investitionen in Krankenhaus-Modernisierung, Überführen von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen in öffentliche und gemeinnützige Hand, über inklusive Schulen, digitale Endgeräte für alle Schüler*innen, bis hin zu umfassenden Rechten von Menschen mit Behinderungen in der Arbeitswelt, ein menschenrechtskonformes Bundesteilhabegesetz und Recht auf persönliche Assistenz in allen Lebensbereichen.
Themen:
Gesundheit und Pflege
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Digitalisierung und Klimawandel erfordern massive Veränderungen. Wo planen Sie in den Wandlungsprozessen größere Beiträge der Psychologie ein?
Die Gesellschaft wandelt sich heute in hoher Geschwindigkeit, auch der Klimawandel wird große Adaptionsanstrengungen erfordern. In all diesen Bereichen ist psychologische Expertise für Gesundheit und Teilhabe der Anwender*innen von digitaler Technologie von entscheidender Bedeutung. In allen Bereichen muss gefragt werden, wie das die psychische Gesundheit beeinflusst, wie sie gefördert werden und Schäden vermieden werden können. Die Anwendung digitaler Technologien gehört zunehmend zur gesellschaftlichen Teilhabe. Hier muss psychologisch mitgedacht und auch gesetzlich vorgeschrieben werden, dass auch Menschen mit Einschränkungen profitieren und dass ein inklusiver Zugang zu digitalen Technologien selbstverständlich wird. Alle Beschäftigten müssen zum Zwecke der Weiterbildung einen Rechtsanspruch erhalten, ihre Arbeitszeit zeitweise zu reduzieren oder zeitlich begrenzt ganz aussetzen zu können.
Themen:
Gesundheit und Pflege
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Inwieweit werden Sie Gesundheitsförderung, Prävention und psychische Belastungen in weiteren Gesetzesvorhaben aufgreifen? Welchen Stellenwert sehen Sie für die Berufe Psychologin/ Psychologe? Wie wollen Sie diesen gesetzlich verankern?
In der Gesundheitsförderung muss die psychische Gesundheit einen größeren Stellenwert einnehmen. DIE LINKE sieht Gesundheit gemäß der WHO-Definition nicht als Fehlen von Krankheit, sondern als körperliches, geistiges und soziales Wohlergehen an. Psychische Faktoren spielen laut Public Health-Wissenschaft eine große Rolle in der Salutogenese. Viele Präventionsmaßnahmen erreichen primär bessergestellte und ohnehin gesundheitsbewusste Menschen, während benachteiligte Gruppe, die eigentlichen Adressaten, nicht profitieren. Viele Gruppen in der Gesellschaft fühlen sich generell von gesellschaftlicher Partizipation ausgeschlossen. Es sind nicht zuletzt psychologische Fragenstellungen, wie diese Gruppen zu erreichen sind und beteiligt werden können. Aktuell stellt sich zum Beispiel die Frage, wie bestimmte Bevölkerungsgruppe von Corona-Impfangeboten erreicht und überzeugt werden können. Hier sollte mehr psychologische Expertise in der Gesundheitskommunikation berücksichtigt werden.
Themen:
Gesundheit und Pflege
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Die Belastungen im Arbeitsleben, insbesondere in der Pflege und der Gesundheitsversorgung sind hoch. Welche Maßnahmen zum gesunden Arbeiten und gesunden Altern planen Sie?
Der Druck in der Arbeitswelt hat enorm zugenommen, Arbeitsausfälle wegen psychischen Erkrankungen haben enorme Ausmaße angenommen. DIE LINKE fordert seit langem eine Anti-Stress-Verordnung, mit der der Arbeitsschutz in Bezug auf psychische Gesundheit neu gedacht, entsprechende Gefährdungsbeurteilungen vorgeschrieben und wirksame Arbeitsschutzmaßnahmen ergriffen werden.
In den Gesundheits- und Pflegeberufen kämpft DIE LINKE seit langem für eine verbindliche Personalbemessung und jeweils 100 000 Pflegekräfte mehr, auch in der Altenpflege, um die Arbeitsbelastungen zu verringern und die Versorgungsqualität zu sichern.
Wir streiten für Arbeit, die zum Leben passt: für deutliche Arbeitszeitverkürzung in Richtung eines neuen Normalarbeitsverhältnisses mit 30 Stunden pro Woche; für ein Recht auf vorübergehende Arbeitszeitverkürzung und familiengerechte Arbeitszeiten. Die gesetzliche Höchstarbeitszeit wollen wir auf 40 Stunden pro Woche senken. Betriebs- und Personalräte brauchen ein zwingendes Mitbestimmungsrecht bei der Personalbemessung, um regelmäßige Überstunden und Leistungsverdichtung zu verhindern.
Themen:
Gesundheit und Pflege
6
Welche Änderungen planen Sie um die weiter bestehenden prekären Situationen in der Psychotherapieausbildung aufzulösen?
DIE LINKE hat die mit dem neue Psychotherapeutenausbildungsgesetz gefundenen Neuregelungen als nicht ausreichend kritisiert. Es ist zwar positiv, dass endlich eine Mindestvergütung festgeschrieben wurde, aber 1000 Euro sind für approbierte Psychotherapeut*innen weiterhin eine Zumutung (Ärzt*innen erhalten nach Tarifvertrag etwa 4,6 Tsd. bis 6 Tsd. Euro brutto pro Monat). Das verstärkt sich, da die Dauer der Weiterbildung nun auf voraussichtlich 5 Jahre festgelegt wurde. Ein großer Teil der Vorteile durch die Ausbildungsreform ist damit wieder zunichte gemacht.
Wir fordern, approbierte Psychotherapeut*innen auch in der Weiterbildung als solche zu bezahlen und sich dabei an bestehende Tarifvereinbarungen für vergleichbar qualifizierte Akademiker*innen in der Gesundheitsversorgung (z.B. Ärzt*innen in Weiterbildung) zu orientieren.
Themen:
Gesundheit und Pflege
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Welche Maßnahmen streben Sie an, um eine gute und sektoren-übergreifende psychotherapeutische Versorgung ohne lange Wartezeiten zu erreichen? Wie würden vorbeugend sensible Daten im Rahmen der Digitalisierung des Gesundheitswesens geschützt werden?
Insbesondere in der psychotherapeutischen Versorgung gewährleistet die heutige Bedarfsplanung keine gute und flächendeckende Versorgung. Sie muss dringend überarbeitet und die Zahl der Kassensitze erhöht werden. Zugleich müssen die einzelnen Versorgungsbereiche für Menschen mit psychischen Probleme von ambulanten und stationären Angeboten des Gesundheitssystems aber auch Kriseninterventions- und sozialpsychiatrische Dienste, Jugendhilfe, Drogen- und Suchthilfe, psychosoziale Beratung und anderen Bereichen miteinander verzahnt und aufeinander abgestimmt werden. Tagesklinische Angebote sollten ausgebaut und teilstationäre Konzepte gestärkt werden.
Der Datenschutz ist im Gesundheitsbereich ebenso wichtig wie die informationelle Selbstbestimmung der Patient*innen in Bezug auf ihre Gesundheitsdaten. Wir kritisieren scharf die überhastete Einführung digitaler Dienste und fordern den konsequenten Schutz der Daten gegen Drittinteressen von Krankenkassen bis Wirtschaft.
Themen:
Gesundheit und Pflege