Wahlprüfstein Bundestagswahl 2021
Berufsverband für Physikalische und Rehabilitative Medizin e.V.
BV Physikalische und Rehabilitative Medizin
Berufsverband für Physikalische und Rehabilitative Medizin e.V.
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Welche Priorität messen Sie der Rehabilitation vor dem Hintergrund der Zunahme chronischer Erkrankungen und der angestrebten Verlängerung der Lebensarbeitszeiten in der gesundheitlichen Versorgung bei?
Mit dem Bundesteilhabegesetz wurde das menschenrechtliche Verständnis von Rehabilitation gestärkt. Die Corona-Pandemie hat zudem die Rehabilitationsforderungen ausgeweitet und differenziert. Mehr Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen, mehr multimorbide ältere Menschen und neue Krankheitsbilder schaffen einen höheren und qualitativ steigenden Rehabilitationsbedarf, auch für physikalische Medizin. Rehabilitationsbedarfe und -leistungen und deren Finanzierung sind konsequent am Maßstab der Teilhabesicherung auszurichten. Eine Rationierung von Leistungen wollen wir verhindern. Wir treten ein für ein gemeinsames Qualitätssicherungsverfahren der Deutschen Rentenversicherung und der Gesetzlichen Krankenversicherung. Personal- und Sachkosten müssen sicher refinanziert werden, um mit tariflicher Entlohnung qualifiziertes Fachpersonal zu gewinnen. Die Verlängerung der Lebensarbeitszeiten lehnt DIE LINKE ab, die Regelaltersgrenze muss wieder auf 65 Jahre gesenkt werden. Für schwerbelastete Berufe muss die Rente ab 60 möglich sein.
Themen:
Gesundheit und Pflege
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Was werden Sie tun, um die rehabilitative Lücke zwischen Krankenhausbehandlung und rehabilitativer Weiterbehandlung zu schließen? Was werden Sie tun, um flächendeckende Umsetzung der im SGB V verankerten Frührehabilitation zu erreichen?
Der Bedarf an Frührehabilitation wird nicht nur durch schwere Covid-Erkrankungen weiter steigen. Die dafür erforderlichen Versorgungsangebote und die Personalausstattung wollen wir bundesweit befördern. Wie bei Krankenhäusern lehnen wir die Finanzierung stationärer Reha-Leistungen nach SGB V über diagnoseabhängige Pauschalen ab. Wir setzen uns für wissenschaftlich fundierte Personalbemessung auch in Reha-Bereichen ein. Und wir wollen tarifliche Bezahlung auch für alle Reha-Beschäftigten.
Insbesondere in Kliniken sollen mehr frührehabilitative Angebote mit spezialisierten Fachkräften auch in der Pflege geschaffen und kostendeckend vergütet werden. Der erforderliche Personalbedarf für physikalische und rehabilitative Maßnahmen muss in die wissenschaftliche Personalbemessung in Krankenhäusern, die DIE LINKE fordert, verbindlich einfließen. Wir unterstützen den Ansatz, flächendeckend fachübergreifende Abteilungen für Frührehabilitation zu schaffen.
Themen:
Gesundheit und Pflege
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Was werden Sie tun, um die wohnortnahe rehabilitative Langzeitversorgung durch Fachärztinnen und Fachärzte für Physikalische und Rehabilitative Medizin zu stärken und flächendeckend umzusetzen? Wie beurteilen Sie die Einrichtung spezieller Rehabilitationskompetenzzentren?
DIE LINKE wird Maßnahmen für mehr Teilhabeorientierung in der gesamten Gesundheitsversorgung fördern. Dazu gehört neben barrierefreien Versorgungsangeboten die Fähigkeit von Medizinern und Pflegekräften sowie Gutachter*innen, rehabilitative Bedarfe zu erkennen und die Versorgung einzuleiten. Dazu gehört auch eine unbürokratische und teilhabesichernde Heil- und Hilfsmittelversorgung. Zugehende, mobile Rehabilitationsangebote, vor allem für Menschen mit Pflegebedarf und mit Behinderungen, sollen in allen Bundesländern gefördert und bestehende Projekte evaluiert werden. DIE LINKE setzt sich dafür ein, dass Kliniken mehr Aufgaben in der ambulanten Versorgung übernehmen. Wir befürworten die Einrichtung von Fatigue-Ambulanzen, nicht nur an Unikliniken. Die Investitionen dafür sollten vom Bund als direkte Folge der Pandemie übernommen werden. Dafür sind Kooperation und Austausch zwischen den Ärzt*innen aller Sektoren stärker zu unterstützen (siehe Antwort auf Frage 5).
Themen:
Gesundheit und Pflege
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Was werden Sie tun, um eine kontinuierliche Zunahme von Pflegebedarf zu verhindern bzw. abzuschwächen, z.B. durch ambulante aufsuchende mobile Rehabilitation?
DIE LINKE steht konsequent zu dem Ansatz Prävention und Rehabilitation vor Pflege. Zugehende, mobile Rehabilitationsangebote, vor allem für Menschen mit Pflegebedarf und mit Behinderungen in der Häuslichkeit sollen in allen Bundesländern gefördert und bestehende Projekte evaluiert werden. DIE LINKE fordert einen Fonds, in den Bund, Länder, Kommunen und Krankenkassen einzahlen und aus dem vor Ort in den Kommunen (möglichst mit Beratung in regionalen Gesundheitskonferenzen) entschieden wird, wie gesundheitsförderliche, inklusive Lebensbedingungen und entsprechende Versorgungsangebote erreicht werden können. Pflegende Angehörige müssen, wenn gewollt, ebenfalls in der Häuslichkeit versorgt werden können. Dafür wollen wir Kurzzeit- und Tagespflegeangebote ausbauen und verbindliche Qualitätsstandards für Präventions- und Rehabilitationsangebote in stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen. DIE LINKE setzt sich darüber hinaus für die konsequente Stärkung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes in den Betrieben ein.
Themen:
Gesundheit und Pflege
5
Was werden Sie tun, um den steigenden Bedarf an fachübergreifender Rehabilitation für Menschen mit hochkomplexen und multidimensionalen Krankheitsbildern und Funktionseinschränkungen (Multimorbidität) in der Akut- und Langzeitversorgung zukünftig besser zu decken?
Der erhöhte Versorgungsaufwand multimorbider, insbesondere demenziell beeinträchtigter Menschen muss intensiver erforscht und genauer abgebildet werden. Vor allem in dünn besiedelten Gebieten wollen wir mobile Versorgungsteams bis hin zur allgemeinpalliativen Versorgung gezielt fördern. Dafür fordern wir eine entsprechende kommunale Strukturförderung auch aus Bundesmitteln. Wir sehen die Kommunen auch als Träger von ambulanten Behandlungszentren, etwa Polikliniken. Mittelfristig wollen wir regionale Gesundheitszentren aufbauen, in denen sowohl ambulante als auch notfallmedizinische und akutstationäre Leistungen erbracht werden. Kommunen müssen dafür finanziell und im Knowhow unterstützt werden, insbesondere für Investitionen. Zudem wollen wir, dass Kommunen mit über die Bedarfsplanung entscheiden, die nach unseren Vorstellungen gemeinsam den stationären und den ambulanten Sektor umfasst und auch nichtärztliche Berufsgruppen sowie rehabilitationsmedizinische Angebote einbezieht.
Themen:
Gesundheit und Pflege
6
Welche Bedeutung messen Sie der Rehabilitation bei der Behandlung von Menschen mit COVID-19 in der akuten und insbesondere auch in der Langzeitversorgung („Long COVID“) bei und wie wollen Sie sicherstellen, dass eine rehab. Behandlung in hoher Qualität und ausreichendem Umfang zur Verfügung steht?
Die Corona-Pandemie hat die Rehabilitationsforderungen ausgeweitet und differenziert. Wir wollen spezielle Modellprojekte für die Rehabilitation von Long-Covid-Patient*innen finanziell fördern und zeitnah evaluieren. DIE LINKE will einen staatlichen Forschungsfonds einrichten, aus dem bedarfsorientiert Arzneimittel- und andere Gesundheitsforschung betrieben wird. Das sollte mit entsprechenden anderen Fonds international abgestimmt werden. Wir wollen Long-COVID in den Fort- und Weiterbildungen der Ärztekammern verankern und aktuelle Erkenntnisse schnell vermitteln. Erste Berichte lassen auf eine längere Rehabilitationsdauer schließen. Dafür sind die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen zu schaffen. Auch der Frührehabilitationsbedarf ist wissenschaftlich zu ermitteln und der interdisziplinäre Austausch über die gesamte Reha-Kette zu fördern. Der Mehraufwand für Long-Covid-Rehabilitation soll vollumfänglich refinanziert werden.
Themen:
Gesundheit und Pflege
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Wie wollen Sie sicherstellen, dass die im NKLM, dem 1. kompetenzbasierten Gegenstandskatalog Medizin und dem Referentenentwurf für die Neufassung der Ärztlichen Approbationsordnung (ÄApprO) vorgesehene Stärkung der Rehabilitationsmedizin in der ärztlichen Ausbildung verankert wird?
Relevante Fragestellungen für die sozialmedizinische Fallbeurteilung auf der Grundlage des biopsychosozialen Modells, insbesondere Teilhabeanforderungen für Rehabilitationsleistungen sollten bundeseinheitlich in der ärztlichen Ausbildung verankert werden. Damit kann gesichert werden, dass alle Studierenden der Humanmedizin im Studium ein Verständnis von Behinderung, Rehabilitation und Teilhabe erwerben und einen entsprechenden individuellen Rehabilitationsbedarf erkennen und vermitteln können. Die Rehabilitationsmedizin soll davon ausgehend auch in der Musterweiterbildungsverordnung verankert werden.
Themen:
Gesundheit und Pflege
8
Was werden Sie tun, um sicherzustellen, dass die Rehabilitationsmedizin an den Universitäten und medizinischen Hochschulen als eigenständiges klinisches Fach verankert werden (bzw. wo vorhanden, verankert bleibt)?
Ausgehend von einer bundesweiten Erfassung vorhandener Ausbildungsangebote sollten zunächst alle bestehenden Lehrstühle für Physikalische und Rehabilitative Medizin gesichert und in Regionen ohne einen solchen Lehrstuhl neu geschaffen werden. Professuren wollen wir flächendeckend mit dem Ziel fördern, dass regionale interdisziplinäre Netzwerke, langfristig arbeiten können. Darin sind Heilmittelerbringer und Pflegekräfte und auch Sozialwissenschaften einzubeziehen. Forschung zu zielgruppenspezifischen Rehabilitationsbedarfen sollen durch öffentliche Mittel besonders gefördert werden.
Themen:
Gesundheit und Pflege