Wahlprüfstein Bundestagswahl 2021

GreenBirth e.V.

GreenBirth

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1

Im Mutterpass gibt es keine Klarheit darüber, welche Angebote unter freiwillige Vorsorge fallen und welche Zusatzangebote des Gesundheitsmarktes sind. Sehen Sie ein Informationsgebot gegenüber den jährlich 800 000 Frauen, die ein Kind zur Welt bringen? Wie setzt ihre Partei diese Forderung um?
Schwangere müssen uneingeschränkt das Recht haben über ihren eigenen Körper und Maßnahmen betreffend ihre Schwangerschaft selbstständig, frei und gut informiert zu entscheiden. Sowohl Hebammen, als auch Ärzt*innen sowie dritte Beratungsstellen müssen in ihrer Information und Beratung diesem Grundsatz folgen. Kosten bezüglich der Vorsorge in der Schwangerschaft müssen leicht zu überblicken sein. Auch Informationen in anderen Sprachen als Deutsch müssen allgemein zugänglich sein.

2

Eine gleichberechtigte Vorsorge von Ärztlnnen und Hebammen ist im SGB geregelt. Tatsächlich werden aber auf dem Rücken von schwangeren Frauen Rivalitäten ausgetragen. In der MuschRL steht, dass Ärztlnnen delegieren müssen, was aber dem Berufsrecht der Hebammen widerspricht. Was planen Sie, damit aufhört, dass Eltern zwischen die Stühle geraten?
Hebammen können erste Ansprechpartnerinnen für Schwangere und die Schwangerenvorsorge sein – wie in den Niederlanden. Die Koordination zwischen Ärzt*innen und Hebammen sollte gleichberechtigt entsprechend der jeweiligen Arbeitsschwerpunkte und Kompetenzen, im Sinne der schwangeren Person erfolgen. Dieses Verständnis eines neuen Berufsbilds sollte sich auch in der Vergütung niederschlagen, um die Position der Hebammen in der Schwangerenversorgung zu stärken.

3

Die Eins-zu-eins-Betreuung jeder Gebärenden durch eine Hebamme ist dringende Notwendigkeit zur Umsetzung der neuen S3-Leitlinie und um Kaiserschnitte, Interventionen und traumatisierende Geburtserfahrungen zu vermindern. Welche Maßnahme ergreifen Sie, um diese Forderung im Kreißsaal umzusetzen?
Der Hebammenberuf muss insgesamt attraktiver werden um ausreichend Personal bereitstellen zu können. Hierzu muss der Beruf entsprechend seiner hohen gesellschaftlichen Relevanz besser entlohnt werden. Gleichzeitig fordert die LINKE die Abschaffung der Fallpauschalen (DRGs) zur Abbrechung von Gesundheitsleistungen. Die Betriebskosten, zu denen eine ausreichende Anzahl an Personal rund um die Uhr zwingend gehört, müssen von den Krankenkassen vollständig refinanziert werden.

4

Durch hohe Haftpflichtkosten für Hebammen in Deutschland ist das Angebot der Geburtshäuser und Hausgeburtshilfe minimiert. Gebärende und Hebammen werden mit diesem Problem allein gelassen. Was gedenkt Ihre Partei konkret zu unternehmen, damit die physiologische Geburt endlich der Normalfall wird?
Wir wollen einen öffentlichen Haftungsfonds, um Hebammen unabhängig von privaten Versicherungen zu machen. Hebammen können erste Ansprechpartnerinnen für Schwangere und die Schwangerenvorsorge sein – wie in den Niederlanden. Dieses Verständnis eines neuen Berufsbilds sollte sich auch in der Vergütung niederschlagen.

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Zusätzlich zu fehlenden Angeboten der außerklinischen Geburtshilfe schließen geburtshilfliche Abteilungen. Wichtigster Grund: ein verfehltes Abrechnungssystem (DRG). Gebärende sind Teil des Wirtschaftssystems der Krankenkassen, die medizinische Eingriffe belohnen. Welche Maßnahmen plant ihre Partei, um diesem Missstand zu begegnen?
Die momentane Finanzierung der Krankenhäuser über das System der sogenannten Fallpauschalen (DRGs) schafft falsche Anreize: Diagnosen, die sich lohnen, werden öfter gestellt. Krankenhäuser werden unter Wettbewerbsdruck gesetzt. Der individuelle gesundheitliche Bedarf steht nicht mehr Mittelpunkt. Dies zeigt sich drastisch in der Geburtshilfe, die, sofern sie ohne Interventionen abläuft, nicht lukrativ abrechenbar ist. Unsere Lösung dafür ist die Abschaffung der Fallpauschalen! Die Betriebskosten müssen von den Krankenkassen vollständig refinanziert werden.

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Familiennahe Unterstützung vor, während und nach der Geburt ist Haushaltshilfe in Schwangerschaft/Geburt, wie sie im SGB V zwar verankert aber weitgehend unbekannt ist. Positioniert sich Ihre Partei familienfreundlich, z.B. durch Eintreten für die Anerkennung des Berufs der Mütterpflege und bezahlte Freistellung von Vätern?
Sorge- und Pflegearbeit soll sowohl im privaten, als auch im professionellen Bereich aufgewertet und gerechter verteilt werden. Auch Beschäftigte an der „Schnittstelle“ zwischen beiden Bereichen, den haushaltsnahen Dienstleistungen, sollen dadurch besser anerkannt und bezahlt werden. Wir wollen einen zusätzlichen Elternschutz von zehn Tagen bezahlter Freistellung für den zweiten Elternteil nach der Geburt des Kindes. Zudem soll der Elterngeldanspruch auf 12 Monate pro Elternteil ausgeweitet werden. Dies schafft einen starken Anreiz für das zweite Elternteil, größtenteils Väter, längere Elternzeiten zu nehmen.