Wahlprüfstein Bundestagswahl 2021

Bund Deutscher Architektinnen und Architekten BDA

BDA

Bund Deutscher Architektinnen und Architekten BDA

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Welche Ansätze halten Sie für geeignet, um die ressourcen- und verbrauchsorientierte Bauwirtschaft zu einer Branche zu transformieren, in der einer Wiederverwendung von Baumaterialien eine klare Priorität zukommt?
Eine ressourcen- und klimaschonende Bauwirtschaft ist nur dann zu verwirklichen, wenn der ökologische Fußabdruck von Bauwerken von der Rohstoffgewinnung bis hin zur Wiederverwendung und Wiederverwertung betrachtet wird. Ein unabhängiges Zertifizierungssystem für Baustoffe, das den gesamten Lebenszyklus berücksichtigt, ist überfällig. Wir wollen darüber hinaus gesetzliche Regelungen für die Berücksichtigung und für eine Obergrenze des Verbrauchs an grauen Energien. Eine klare Herstellerverantwortung und Rücknahmepflichten für Baustoffe, Transparenzpflichten beim Ressourceneinsatz und eine Ressourcenverbrauchsabgabe sind Instrumente, um Recyclingbaustoffe und regionale Wirtschaftskreisläufe zu fördern. Auch die Digitalisierung der Bauplanung, bei der die verwendeten Baustoffe und -teile erfasst werden, bietet großes Potenzial, den Bausektor durch digitale Planung und Bewirtschaftung von einer CO2- und Ressourcenschleuder zu einer Triebkraft der CO2-armen Kreislaufwirtschaft zu wandeln.

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Mit welchen Strategien werden Sie einer konsequenten Bestandsentwicklung den Vorrang gegenüber dem Neubau einräumen?
DIE LINKE setzt sich seit Jahren für eine flächensparende und ressourcenschonende Stadtentwicklung ein, die konsequent auf Innenentwicklung sowie auf Bestand vor Neubau setzt. Denn der Bestand ist der ungehobene Schatz einer sozial und umweltgerechten Wohnungs- und Stadtentwicklungspolitik. Wohnen im Bestand ist günstiger, besonders bei sachgerechter Instandhaltung und gemeinwohlorientierter Bewirtschaftung. Schon jetzt fließen zwei Drittel der jährlichen Bauleistung in die im Vergleich zum Neubau umwelt- und ressourcenschonendere Bestandsentwicklung. Die größtenteils noch kaum oder gar nicht sanierten Wohngebäude aus der Nachkriegszeit bietet erhebliches Potenzial für den Klimaschutz und für eine behutsame, warmmietenneutrale Verbesserung der Wohnqualität. Solche Modellprojekte für klimagerechte Nachbarschaften wollen wir mit 5 Milliarden Euro im Jahr fördern. Abrisse und Ersatzneubauten wollen wir so weit wie möglich vermeiden.

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Wie wollen Sie Spielräume für experimentelles Bauen schaffen, um Innovationen für eine ressourcenschonende Architektur zu befördern?
Wir wollen die sozial-ökologische Bauwende mit einem Mix aus Förderung und klaren ordnungspolitischen Vorgaben sowie einer starken Rolle der öffentlichen Hand voranbringen. Gerade wenn es um innovative und experimentelle Bauweisen geht, setzen wir auf die kommunalen und landeseigenen Wohnungsunternehmen, auf Genossenschaften und andere gemeinnützige, nicht-profitorientierte Träger aus der Zivilgesellschaft. Denn der Profitdruck im Umfeld von steigenden Grundstückspreisen und Baukosten sowie einer zunehmenden Finanzmarktorientierung der Immobilienwirtschaft führt gerade nicht zu den Innovationen, die für eine sozial-ökologische Bauwende nötig sind. Wir wollen im Rahmen eines öffentlichen Wohnungsbauprogramms nach Wiener Vorbild im Umfang von 10 Milliarden Euro im Jahr nicht nur den bezahlbaren Wohnungsbau massiv fördern, sondern auch Innovationen z.B. im Bereich Klimaneutralität, Recycling und gemeinschaftliches Wohnen.

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Wie sähe für Sie ein Forschungsvorhaben aus, mit dem die aus der aktuellen Ordnungs-, Förder- und Steuerpolitik resultierenden klimapolitischen Vorgaben für den Bausektor evaluiert und Vorschläge für eine konsistente, sektorenübergreifende und lebenszyklusorientierte Klimapolitik entwickelt werden?
Zur konkreten Ausgestaltung eines solchen Forschungsvorhabens hat sich die LINKE noch keine abschließende Meinung gebildet.

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In welcher Form können Sie unsere Forderung unterstützen, dass die Verantwortung für die Gestaltung der gebauten Umwelt mithin nur Personen übertragen werden kann, die ihre berufsbefähigende Qualifikation zur Ausübung des Berufs des Architekten und Stadtplaners nachgewiesen haben?
Siehe Antwort auf Frage 6.

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In welchen Politikfeldern sehen Sie Hürden für diesen Berufsvorbehalt und wie können diese Ihrer Meinung nach überwunden werden?
Das Bauen und die Stadtentwicklung prägen die Städte und Orte auf Jahrzehnte und darüber hinaus. Deshalb, aber auch aus Gründen der Sicherheit und des Umweltschutzes, sehen wir es als selbstverständlich an, dass nur entsprechend qualifizierte Fachkräfte für Planungsleistungen herangezogen werden. Zur Art der Umsetzung einer solchen Regelung haben wir uns noch keine abschließende Meinung gebildet.

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Wie setzen Sie sich dafür ein, dass die heterogene Struktur der Büros planender Berufe erhalten bleibt und nicht zugunsten weniger großer Unternehmen kippt und der Berufsnachwuchs bei öffentlichen Vergaben bessere Chancen bekommt?
DIE LINKE sieht dringenden Handlungsbedarf in der Steuer- und Abgabenpolitik, die in den letzten Dekaden stets zugunsten der größeren Unternehmen ausgefallen ist. Wir wollen hohe Einkommen und Gewinne stärker belasten, damit für untere und mittlere Einkommen die Steuer- und Abgabenlast gesenkt werden kann. Wir unterstützen außerdem die Forderung nach einer zeitgemäßen, EU-konformen und verbindlichen Honorarordnung. Die Höhe der Honorare muss regelmäßig angepasst werden, um eine finanziell gesicherte Existenz zu garantieren. Außerdem dürfen öffentliche Aufträge nicht nur an die günstigsten Anbieter:innen vergeben werden. Neben baukulturellen und Klimaschutz-Belangen sowie der Förderung von Innovation und regionalen Wirtschaftskreisläufen gehört auch ein bürokratiearmer Zugang zu den Vergaben zu den Kriterien, die kleineren und spezialisierten Planungsbüros entgegenkommen. Das BIM wollen wir so stärken, dass es auch kleinen Planungsbüros den Sprung in die Digitalisierung ermöglicht.

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Wie bewerten Sie die von Kammern und Verbänden der Wertschöpfungskette Bau vorgetragene Idee, ein Bundesministerium zu schaffen, in dem die Ressorts Bauen, Umwelt, Stadtentwicklung und Mobilität zusammengefasst sind und so der Bund richtungsweisende Kompetenz zu Aspekten des Klimaschutzes bündelt?
DIE LINKE betrachtet die Wohnungs- und Stadtentwicklungspolitik als Teil sozialer Infrastruktur und damit als öffentliche Aufgabe, die ressortübergreifend sowie gemeinsam mit Ländern und Kommunen wahrgenommen werden muss. Die Aufteilung von Teilzuständigkeiten auf der Bundesebene sollte kohärent sein und gelingende Abstimmungsprozesse ermöglichen. Umgekehrt ist ein bestimmter Ressortzuschnitt jedoch keine Garantie für eine kohärente und vor allem sozial-ökologisch ausgerichtete Politik.