Wahlprüfstein Bundestagswahl 2021
AGFW | Der Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und KWK e. V.
AGFW
AGFW | Der Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und KWK e. V.
1
Grüne Fernwärme ist ein Schlüsselelement der Wärmewende. Eine aktuelle Studie des AGFW belegt, dass der Anteil erneuerbarer und klimaneutraler Wärmequellen bis 2030 auf bis zu 45% ansteigen kann. Mit welchen Maßnahmen möchte Ihre Partei diesen Ausbau erreichen?
Die Steigerung des Anteils erneuerbarer Wärme muss über zwei Wege vorangebracht werden. Zum einen, über die deutliche Reduzierung des Wärmebedarfs, zum anderen durch das Anwachsen regenerativer (Rest-)Wärmeversorgung. Beide Wege bedingen sich, da der Einsatz der besonders effizienten Wärmepumpen an energieeffiziente Gebäude gekoppelt ist. In diesem Zusammenhang fordern für eine weiter Aufstockung der (warmmietenneutralen) Sanierungsförderung sowie ein massives Förderprogramm sowie eine Qualifizierungsoffensive, um die Wärmepumpe, entsprechende Großwärmespeicher sowie Nahwärmenetze voranzubringen. Den Einsatz von Wasserstoff im Gebäudesektor lehnen wir wegen dessen Ineffizienz im Grundsatz ab.
2
Ausbau und Verdichtung der Wärmenetze sind insbesondere in den Städten wichtige Bausteine für die Erreichung verschärfter Klimaziele. Ihr Marktanteil beträgt heute 14%, in Zukunft kann er bei 30% liegen. Was ist hierfür Ihrer Meinung nach zu tun?
Wärmenetze sind aus unserer Sicht so auf- und umzubauen, dass sie den breiten Einsatz von Wärmepumpen und entsprechenden Speichern unterstützen. Entsprechend sollten sie bei Bedarf gefördert werden, siehe Frage 1. Wir hoch ihr Anteil künftig sein soll, können wir nicht einschätzen.
3
Die Wärmelieferverordnung in ihrer jetzigen Form erschwert sowohl den Einsatz erneuerbarer Energien im Gebäudesektor als auch die Verdichtung klimafreundlicher Wärmenetze. Wird sich Ihre Partei für eine Anpassung der Wärmelieferverordnung einsetzen? Wenn ja, für welche?
Dass der Anschluss an ein Wärmenetz nach geltendem Recht für Mieterinnen und Mieter keine höheren Wärmekosten verursachen darf als in den drei vorhergehenden Jahren, schützte aus gutem Grund Mieterinnen und Mietern, insbesondere auch in einem eher intransparenten Verbraucherschutz-unfreundlichen Fernwärmemarkt. Wir verstehen aber, dass bei einer solchen Rechnung moderne klimafreundliche Heizsysteme ggf. gegen alte fossile Brennkessel konkurrieren müssen. Entsprechende Reformen sollten weiterhin die Mieterinnen und Mieter schützen, aber einen gerechten Kostenvergleich, der auf zukünftige Kosten CO2-neutraler Wärmeversorgung ausgerichtet ist, ermöglichen. Entsprechende Fördermittel sollten Differenzkosten auffangen.
4
Die Kraft-Wärme-Kopplung ist ein wichtiger Bestandteil der Fernwärmesysteme und Garant einer sicheren und klimafreundlichen Strom- und Wärmeerzeugung. Wie möchte Ihre Partei das KWKG weiterentwickeln und modernisieren, damit die KWK bis 2030 und darüber hinaus dieser Rolle gerecht werden kann?
Die KWK wird aus unserer Sicht ausreichend gefördert. Mittelfristig ist sie durch erneuerbare Heizsysteme, insbesondere durch die Wärmepumpe, zu ersetzen.
5
Die Erschließung von Abwärmepotenzialen ist in vielen Städten eine sinnvolle und notwendige Option, um den Einsatz erneuerbarer Energien zu ergänzen. Welcher Maßnahmen bedarf es, um eine stärkere Nutzung von Abwärme zu erreichen?
An erster Stelle sehen wir hier die Erstellung kommunaler Wärmepläne. Die Kommune bzw. ihre Energieversorger sollte koordinierend wirken, um Abwärmequellen und Wärmelasten zusammenzubringen.
6
Wärmeplanung in den Kommunen kann die Dekarbonisierung des Wärmemarktes beschleunigen und gesellschaftliche Akzeptanz schaffen. Unterstützt Ihre Partei die flächendeckende Etablierung einer kommunalen bzw. regionalen Wärmeplanung nach bundeseinheitlichen Standards in Deutschland? Wenn ja, wie?
Ja, wir sehen in kommunalen bzw. regionalen Wärmeplanungen wichtige Instrumente, um Abwärmepotentiale und Wärmenetze sinnvoll zu nutzen. Unseres Erachtens könnte eine bundesgesetzliche Pflicht für die Erstellung solcher Pläne eingeführt werden. In Skandinavischen Ländern gibt es hierfür gute Beispiele.
7
Das BEG trägt dem Systemcharakter der Fernwärme nicht ausreichend Rechnung. Plant ihre Partei Änderungen am BEG vorzunehmen, um einen diskriminierungsfreien Wettbewerb von Einzelheizungs- und Systemlösungen zu ermöglichen? Wenn ja, welche?
Wir sehen nicht, dass in der Summe die Fernwärme in den einzelnen Förderrichtlinien und technischen Mindestanforderungen diskriminiert wird. Das mag bei einzelnen Parametern so sein, dafür wird sie bei der Berechnung der Primärenergiefaktoren in einer Art und Weise privilegiert, die wir in Frage stellen. So stellt das BEG Fernwärme auf eine Stufe mit erneuerbaren Energien, was beim Einsatz fossiler Brennstoffe zumindest diskussionswürdig ist. Wir fordern eine grundsätzliche Neujustierung aller BEG-Parameter in Richtung höchstmögliche Effizienz bei Gebäudehülle, beim Einsatz regenerativer Energien sowie bei weiteren Vorgaben zur Treibhausgasminderung.
8
KWK- in Kombination mit Power-to-Heat-Anlagen sowie Großwärmepumpen in Wärmenetzen können einen wichtigen Beitrag zur Sektorkopplung leisten. Wie möchte Ihre Partei die Nutzung erneuerbaren Stroms im Wärmesektor voranbringen?
Wir stehen dem Power-to Heat-Boom jenseits von Wärmepumpen skeptisch. Ökostrom ist zu wertvoll, um ihn zu mit Heizspiralen verheizen. Gegenwärtig stehen ohnehin nicht genügend Ökostromüberschüsse dauerhaft zur Verfügung, um im größeren Maße PtH-Anlagen nachhaltig betreiben zu können. Bei fortschreitenden Netzausbau wird zunehmend auch jener Ökostrom, der heute zeitweise engpassbedingt abgeregelt wird, seinen Weg zu Verbrauchern finden. Wie bereits oben erläutert, halten wir die Wärmepumpe für die zukunftsträchtigste Form der regenerativen Wärmeerzeugung. Sie muss mit Wärmespeichern und ggf. auch durch regenerativ befeuerte Spitzenlast-Heizkessel ergänzt werden.