Wahlprüfstein Bundestagswahl 2021
AGDW - Die Waldeigentümer
Waldeigentümer
AGDW - Die Waldeigentümer
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Mit welchen Mitteln und Instrumenten wird Ihre Partei die Waldeigentümer angesichts zunehmender Wetterextreme infolge des Klimawandels unterstützen?
Vorrangiges Ziel muss der deutlich schnellere, naturgemäße Waldumbau hin zu klimatoleranten Mischwäldern mit einer vielfältigen Altersstruktur sein. Dazu gehört neben gut ausgebildeten und bezahlten Forstleuten eine verstärkte Forschung, u.a. mit Fokus auf die genetische Vielfalt bei Bäumen und im Waldökosystem und deren Anpassungsfähigkeit an sich ändernde Umweltbedingungen, z.B. dem Klimawandel. Die Beratungsleistung für Waldbesitzende, auch öffentliche, zum naturgemäßen Waldumbau muss deutlich gestärkt werden. Langfristig wird ein intelligentes Modell zur Honorierung von Ökosystemleistungen im Wald gebraucht. Aufgrund der früh absehbaren Krisensituation im Wald hat die DIE LINKE im Bundestag schon im Mai 2019 ein Soforthilfeprogramm beantragt (Bundestagsdrucksache 19/10287), leider gab es dafür keine Mehrheit. Später kamen dann doch umfangreiche Hilfen, aber leider ging unnötig Zeit verloren.
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Viele Ökosystemleistungen, von denen die gesamte Gesellschaft profitiert (z.B. Klimaschutz, Erholung, Biodiversität), werden von den Waldeigentümern unentgeltlich erbracht. Ist Ihre Partei für eine Honorierung der Ökosystemleistungen des Waldes und wie steht sie speziell zur Honorierung der Klimaschutzleistung des Waldes?
Die Debatte zur Honorierung von Ökosystemdienstleistungen im Wald begrüßt DIE LINKE. Dabei müssen alle Ökosystemleistungen eine gewichtige Rolle spielen. Eine Reduzierung des Waldes auf seine CO2-Senkenfunktion ist zu kurz gedacht. Gleichzeitig darf dieses Honorierungssystem keine finanzielle Abhängigkeit der Waldbesitzenden schaffen oder letztlich vor allem Verarbeiter und Vermarkter profitieren lassen. Auch für Waldbesitz muss zudem weiterhin Artikel 14 Grundgesetz gelten, das Eigentum verpflichtet und zum Allgemeinwohl verwendet wird. Es muss aber dort unterstützt werden, wo Überforderung droht, gerade im Klein- und Kleinstprivatwald. Zudem soll nicht nur für Waldbesitzende, sondern auch für Forstleute die Teilhabe an der öffentlichen Unterstützung gesichert sein.
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Welche Anreize werden Sie setzen, um die Waldbesitzer zu motivieren, ihre Wälder angesichts der Krise auch in Zukunft zu bewirtschaften und zu pflegen? Welche Unterstützung werden Sie speziell dem Klein- und Kleinstprivatwald zukommen lassen, um dessen Strukturen – Forstbetriebsgemeinschaften, Waldgenossenschaften, Waldbauvereine – zu stärken?
Ziel muss es sein, die strukturellen Nachteile, insbesondere von Klein- und Kleinstwaldbesitzer:innen, durch unabhängige, auch öffentliche Beratung überbetriebliche Zusammenarbeit, z.B. Forstbetriebsgemeinschaften zu unterstützen und zu fördern. Hindernisse durch beihilferechtliche Regelungen müssen abgebaut werden. Das trägt auch zur Sicherung einer breiten Streuung von Waldeigentum bei. Ein verbessertes Risiko- und Krisenmanagement trägt auch zur Entlastung der Klein- und Kleinstwaldbesitzer bei. Dazu gehört u.a. eine steuerfreie Risikoausgleichsrücklage für Forstbetriebe und Waldbesitzende.
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Wird sich Ihre Partei für die Anpflanzung nichtheimischer, aber klimastabiler Baumarten wie Douglasien oder Roteichen einsetzen?
Prioritär soll für den notwendigen Waldumbau auf heimische und Nebenbaumarten gesetzt werden zur Stärkung des bereits geschwächten Waldökosystems. Die Anpflanzung von nichtheimischen Baumarten oder fremdländischen Gehölzen sollte aber nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden, muss aber auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse basieren auch vor dem Hintergrund der Gefahr des Eintrags von invasiven Gehölzarten.
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Wie steht Ihre Partei zu weiteren Nutzungsverboten, mit denen der Wald aus der Bewirtschaftung herausgenommen werden soll? Wie bewerten Sie europäische Initiativen und Vorgaben, die auf großflächige Unterschutzstellungen, d.h. de facto Nutzungsverbote abzielen?
DIE LINKE hat das Ziel der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt (NBS), dass fünf Prozent der Waldfläche bis 2020 sich natürlich entwickeln können, immer unterstützt. Wichtig dabei ist auch, langfristig Lernräume für die natürliche Waldentwicklung zu schaffen. Allerdings sollten dabei auch nicht genutzte Klein- und Kleinstprivatwaldflächen berücksichtigt werden. Die europäischen Initiativen haben das übergeordnete Ziel der Erholung der biologischen Vielfalt und des Schutzes und Wiederherstellung der Natur. Soziale Auswirkungen sowie wirtschaftliche- und ökologische Verlagerungseffekte müssen in der nationalen Ausgestaltung solcher Ziele berücksichtigt werden. DIE LINKE wird sich aktiv in die zukünftige Debatte zur EU-Biodiversitätsstrategie mit einbringen.
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Wird sich Ihre Partei für die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln im Wald als Ultima Ratio zur Schädlingsbekämpfung einsetzen?
Die kurzfristige und lokale Anwendung von Pflanzenschutzmitteln im Wald zur Schädlingsbekämpfung muss in der Übergangsphase des naturgemäßen Waldumbaus im Einzelfall möglich bleiben.
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Unterstützt Ihre Partei das Zertifizierungssystem PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes)?
Das PEFC-Siegel hat zu wichtigen Verbesserungen beim nachhaltigen Anbau und beim Handel von Holz beigetragen. Gleichzeitig müssen Kritikpunkte unter anderem bezüglich der Kontrollen und dem Prozess der Siegelvergabe aufgegriffen und umgesetzt werden.
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Was wird Ihre Partei unternehmen, um den Einsatz von heimischem Holz zu stärken? Wird sich Ihre Partei zum Beispiel für eine Holzbauquote in öffentlichen Gebäuden stark machen?
DIE LINKE setzt sich grundsätzlich für eine Holzbau-Offensive ein. Gleichzeitig muss Holz als ein wertvoller nachwachsender Rohstoff betrachtet und sorgsam genutzt werden, da er lange Wachstumszyklen hat. Eine Holzbauquote in öffentlichen Gebäuden muss in der kommenden Legislatur intensiv beraten werden. Wichtig ist eine Nutzungsstrategie für Holz in der Kaskade von stofflicher zu energetischer Nutzung sowie der Bevorzugung regionaler Lieferketten. Damit mehr Holz zunächst als Baumaterial genutzt werden kann, müssen unnötige rechtliche Hürden beseitigt werden. Gleichzeitig muss die Nutzung so erfolgen, dass eine nachfolgende stoffliche oder energetische Nutzung möglich bleibt. Auch eine verbesserte Altholznutzung muss ambitionierter angepackt werden. Dadurch wird eine langfristige Bindung von CO2 in Holzprodukten gesichert und leistet somit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz über die Nutzung als erneuerbare Energie hinaus.