Wahlprüfstein Bundestagswahl 2021

Zentralverband der deutschen Geflügelwirtschaft e.V.

ZV Geflügelwirtschaft

Zentralverband der deutschen Geflügelwirtschaft e.V.

1

Bevorzugt Ihre Partei statt immer weiterer nationaler Alleingänge bei der Schaffung rechtsverbindlicher Vorgaben für die Haltung von Geflügel eine schnellstmögliche europaweite Harmonisierung der Standards und damit die Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit heimischer Produktion?
DIE LINKE bevorzugt europaweite Tierwohlstandards, weil Fortschritte bei Tierhaltungsmindeststandards in allen Mitgliedsstaaten erreicht werden sollen. Gleichwohl sollte Deutschland bis dahin auf nationaler Ebene voran gehen, um angemessene Standards zu schaffen. So können auch positive Beispiele geschaffen werden. Dafür muss aber sichergestellt werden, dass Konzerne in der Lieferkette Verantwortung übernehmen und importierte Produkte auch Tierwohlmindeststandards hierzulande erfüllen.

2

Die Diskussion über regionale Lebensmittelerzeugung nimmt auch im Hinblick auf Tierwohl zu. Wie steht Ihre Partei zu einer verpflichtenden Herkunfts- und Tierwohlkennzeichnung? Unterstützt Ihre Partei die Forderung nach einer eindeutigen Kennzeichnung von Tieren aus Stopfleberproduktion?
DIE LINKE fordert schon lange eine verpflichtende staatliche Herkunfts- und Tierwohlkennzeichnung, nur so haben Verbraucherinnen und Verbraucher die realistische Chance diese Kriterien am Produkt zu bewerten. Um Irreführung zu vermeiden, sollten dann alle anderen diesbezüglichen Lebensmittelkennzeichnungen untersagt werden. Die Stopfleberproduktion muss aus unserer Sicht verboten werden, wie es in Deutschland bereits der Fall ist. Dieses Verbot muss auch in den EU-Gesetzen und in internationalen Handelsabkommen verankert werden. Ein zusätzliches Label lehnen aufgrund der bereits großen Anzahl an Produktkennzeichnungen ab, da dies bei Verbraucherinnen und Verbraucher nicht zu einer besseren Information führt. Die Gänseproduktion in ein staatlich verpflichtendes, idealerweise europaweit greifendes, Tierwohllabel zu integrieren und das Gänsestopfen als nicht tierwohlgerechte Maßnahme entsprechend weiter zu bewerten, scheint aus unserer Sicht am sinnvollsten.

3

Welchen Stellenwert haben die EU-Vermarktungsnormen für Eier und Geflügel für Ihre Partei, die nun zur grundlegenden Novellierung anstehen? Hat Ihre Partei bereits konkrete inhaltliche Vorstellungen, beispielsweise bei den Kriterien zur Freilandhaltung in der Eiererzeugung?
DIE LINKE fordert schon lange eine Ausweitung der Haltungskennzeichnung auf Produkten, die verarbeitete Eier enthalten, um Käfighaltung weiter zu reduzieren. Die Freilandhaltung muss besser gefördert und geschützt, die Direktvermarkung und mobile Hühnerställe gestärkt werden. Im Grundsatz sehen wir die Eier-Kennzeichnung als gelungenes Beispiel. Die Freilandhaltungen in Agroforstsystemen sind besonders tiergerecht und sollten gefördert werden. Darüber hinaus sollte geregelt werden, dass bei staatlich angeordneten Aufstallungsmaßnahmen infolge Vogelgrippe eine Vermarktung als Eier aus der Freilandhaltung möglich bleibt, solange diese Anordnung besteht.

4

Zur Steigerung der Nachhaltigkeit: Wird von Ihrer Partei die Schaffung der rechtlichen Rahmenbedingungen für die Zulassung von tierischem verarbeitetem Protein wie Insektenprotein als Futtermittel für Geflügel unterstützt?
Da auch die Zulassung bestimmter Insektenproteine für den Lebensmittelbereich seitens der EU geöffnet wurde, sieht DIE LINKE hierbei im Grundsatz kein Problem. Dass die dafür genutzten Insekten aus einer dafür vorgesehenen und entsprechend überwachten Produktion kommen muss, sollte selbstverständlich sein.

5

Setzt sich Ihre Partei dafür ein, dass der nationale Alleingang zum Ausstieg aus dem Kükentöten schnellstmöglich europäisch harmonisiert wird, sodass die wirtschaftliche Existenz von insbesondere kleinen Brütereien auch nach 2021 gesichert bleibt? Wie vermeiden Sie eine Abwanderung ins EU-Ausland?
DIE LINKE setzt sich strategisch für Zweinutzungshühner in der gesamten EU ein. Das ist die tiergerechteste Lösung. Der Druck durch Dumpingpreise muss EU-weit geführt werden. Um eine Abwanderung von Brütereinen und Haltungsbetreiben zu vermeiden, kann langfristig eine gute Lösung nur darin bestehen, ähnliche gesetzlich verankerte Regelungen für den Umgang mit Eintagsküken, Hühnerembryonen sowie der Aufzucht und Schlachtung der Hähne für die gesamte EU anzustreben. Des Weiteren muss es für den Verbraucher transparent sein, ob Legehennen oder Eier aus dem Ausland bezogen wurden und damit deutsches Tierschutzrecht bezüglich des Umgangs mit männlichen Küken umgangen wurde. Für eine bewusste Kaufentscheidung sind daher klare Kennzeichnungen unerlässlich, mit deren Hilfe Verbraucherinnen und Verbraucher erkennen können, ob die Eier von Hennen aus Zweinutzungslinien stammen, Bruderhähne aufgezogen wurden oder eine Geschlechtsbestimmung im Ei mit Tötung der männlichen Embryonen stattgefunden hat.

6

Importe von Lebensmittel aus Ländern mit geringen Tierschutz-, Umweltschutz-, Klimaschutz- und Sozialstandards untergraben die Leistungen der deutschen Tierhalter. Welchen Handlungsbedarf leitet Ihre Partei hieraus ab, um die Existenz der heimischen Eier- und Geflügelfleischerzeugung zu sichern?
Mithilfe einer verpflichtenden staatlichen Herkunftskennzeichnung wäre die Grundlage für faire und transparente Konsumentenentscheidungen gelegt. Solange wir als reiche Nation von vielen Exporten profitieren zulasten der Produktion vor Ort, ist eine Beschränkung anderer Nationen mit Augenmaß zu wählen. Langfristig ist jedoch eine Lösung analog zum Lieferkettengesetz anzustreben, sodass auch Konzerne in der Lieferkette hierzulande die Einhaltung sozial-ökologischer Standards garantieren sollten. Darüber hinaus ist stets auf eine EU-weite Regelung von Tierhaltungsstandards hinzuwirken. Deutschland muss sich jedoch als Vorreiter präsentieren, um dies europäisch voranzutreiben.

7

Die deutsche Geflügelwirtschaft sieht die Notwendigkeit der Reduktion des Einsatzes von kritischen Antibiotika in der Tierhaltung. Ist Ihre Partei bereit, die Zulassung alternativer Prophylaxe- und Therapiemöglichkeiten in der Geflügelhaltung zu erwirken?
DIE LINKE fordert schon lange, Reserveantibiotika aus den Ställen grundsätzlich zu verbannen. Jeder wissenschaftliche fundierte Weg, der die Reduktion von Antibiotika in der Geflügelhaltung unterstützt, ist auch Sicht von DIE LINKE richtig und wichtig. Dazu gehört für uns auch die Optimierung der Haltungsbedingungen und eine integrierte tierärztliche Bestandsbetreuung, sodass Erkrankungen vermieden werden und insbesondere Bestandsbehandlungen mit Antibiotika vermieden werden.

8

Einige hochwertige Geflügelprodukte finden auf dem europäischen Markt aufgrund der Verbrauchervorlieben keinen Abnehmer, wie z.B. Hühnerfüße. Setzt sich Ihre Partei im Sinne einer nachhaltigen Verwertung von Lebensmitteln für die Öffnung des chinesischen Marktes für deutsche Geflügelprodukte ein? Steht Ihre Partei dafür ein, dass der europäische Markt geschützt wird und die hiesigen Qualitäts-, Tierwohl-, Umwelt- und Sozialstandards nicht durch internationale Handelsab-kommen, wie beispielsweise Mercosur, unterlaufen werden?
DIE LINKE setzt sich im Rahmen der EU-Handelspolitik bei den Verhandlungen und beim Abschluss internationaler Abkommen wie CETA, Mercosur, TTIP, AfCFTA für die Verankerung und Beachtung hoher Qualitäts-, Tierwohl-, Umwelt- und Sozialstandards ein. Wir wollen die globale Ungleichheit überwinden und die EU-Handelspolitik sozial und ökologisch nachhaltig gestalten. Diese Vorgaben gelten auch für bilaterale deutsche Handelsmaßnahmen zum Beispiel mit China und anderen Staaten. Handelspolitik muss auf Augenhöhe erfolgen und darf nicht zu Schäden beim Tierwohl, der Umwelt, dem Klima, von Arbeits- und Menschenrechten in anderen Ländern oder in Deutschland führen. Zum Kampf gegen Lebensmittelverschwendung gehört aber unbedingt Aufklärung und Information, damit auch in unserem Land wieder alle Teile der Tiere genutzt werden.