Wahlprüfstein Bundestagswahl 2021

Mobil in Deutschland e.V.

Mobil in Deutschland

Mobil in Deutschland e.V.

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Nie gab es so viele Autos in Deutschland wie heute. Wie wichtig ist Ihnen die automobile Mobilität?
Nicht die automobile Mobilität steht für uns im Vordergrund, für uns ist es elementar, allen Menschen Mobilität zu ermöglichen. „Das Auto“ gewährleistet das nicht für alle, einige Menschen dürfen oder können nicht fahren, andere es sich kein eigenes Auto leisten und sind deswegen wenig mobil. Denn vor allem abseits der Städte sind die Menschen noch sehr stark aufs Auto angewiesen. Aus diesem Grund wollen wir eine Grundversorgung mit öffentlichen Verkehrsangeboten etablieren, damit auch die Menschen auf dem Land ohne eigenes Auto mobil sein können. Das ist aus sozialen Gründen nötig, aber auch, damit der Klimaschutz im Verkehr endlich Fortschritte macht.

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Der Sprit ist so teuer wie nie. Sind Sie für eine weitere Erhöhung der CO2-Steuer?
Wir wollen die Kosten für den Klimaschutz nicht auf Menschen abwälzen, die ohnehin wenig haben, und nicht alles über den Preis steuern. Die CO₂-Bepreisung zielt auf Verhaltensänderung, aber es gibt viele Menschen, die überhaupt keine Möglichkeit dazu haben. Eine Pflegekraft, die im ländlichen Raum lebt, weil sie sich in der Stadt die hohen Mieten nicht leisten kann, wird weiter morgens ins Auto steigen und zur Arbeit fahren, solange es keinen Bus und keine Bahn gibt, ob der Benzinpreis nun um 10, 16, 20 oder 30 Cent steigt. Die, die am wenigsten verdienen, haben zudem den geringsten CO₂-Fußabdruck. Es gibt deutlich zielgenauere und sozial ausgewogenere Maßnahmen für mehr Klimaschutz im Verkehr, z.B. ein Tempolimit auf Autobahnen und Anreize für kleinere und sparsamere Fahrzeuge, insbesondere durch eine grundlegende Reform der Dienstwagenbesteuerung - fast 50 Prozent der Dienstwagen stehen den reichsten 20 Prozent der Bevölkerung zur Verfügung.

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Wie stehen Sie zu einem generellen Tempolimit auf deutschen Autobahnen?
Wir setzen uns seit Jahren für ein Tempolimit von 120 Stundenkilometern auf Autobahnen als Höchstgeschwindigkeit ein. Ein Tempolimit rettet Menschenleben und schützt das Klima – und ist eine der kostengünstigsten Maßnahmen überhaupt. Es ist völlig unverständlich, warum Deutschland hier weiterhin weltweit die absolute Ausnahme ist. Die Wirksamkeit eines solchen Tempolimits halten wir für völlig unstrittig, dies zeigt u.a. die Einführung von Tempo 130 auf der BAB A 24 zwischen dem Autobahndreieck Havelland und dem Autobahndreieck Wittstock/Dosse. Dies führte zu einer deutlichen Reduzierung der Zahl der Unfälle, der Getöteten und der Verletzten – es wurde annähernd eine Halbierung der Verletztenzahl erreicht. Zudem ermöglicht ein Tempolimit auf Autobahnen ein stress- und angstfreieres Fahren.

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Was halten Sie von synthetischen Kraftstoffen, um Verbrenner CO2-neutral fahren zu können?
Nichts. Für uns steht es außer Frage, dass Pkw in Zukunft batterieelektrisch betrieben werden. Wir setzen uns für ein Verbot der Zulassung neuer Pkw mit Verbrennerantrieb ab 2030 ein. Die Brennstoffzelle mit dem Faktor 2 bis 4 und noch mehr synthetische Kraftstoffe mit Faktor 5 sind viel zu ineffizient im Vergleich zum Elektroantrieb. Es gibt nicht genügend erneuerbar erzeugten Strom – und es wird ihn auch nicht geben – um auch nur annähernd ausreichend synthetische Kraftstoffe für den Straß0enverkehr herstellen zu können. Zudem werden diese auch deutlich teurer als herkömmliche Kraftstoffe sein. Sie sollten deswegen nur dort eingesetzt werden, wo es keine Alternativen gibt, wie insbesondere im Luftverkehr.

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Wie sieht für Ihre Partei die Mobilität der Zukunft aus?
Wir wollen Mobilität für alle gewährleisten, unabhängig vom Einkommen und dem Besitz eines Autos. Das öffentliche Mobilitätsangebot wollen wir bis 2030 verdoppeln. Regionalstrecken der Bahn und der ÖPNV müssen flächendeckend und barrierefrei ausgebaut und angeboten werden. Wir wollen für den ländlichen Raum eine Mobilitätsgarantie mit einer Anbindung zur nächsten Stadt mindestens im Stundentakt von 6 bis 22 Uhr. Dabei sollen flexible Angebote wie Bürgerbusse oder öffentliche Anruf-Sammeltaxis zum Zuge kommen, ergänzt durch Mobilitätsstationen mit geteilten Verkehrsmitteln. Radfahren und Zufußgehen wollen wir attraktiver und sicherer machen, die Innenstädte weitgehend von Autos befreien, um Platz für die Menschen zu schaffen.