Wahlprüfstein Bundestagswahl 2021

Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBIO e. V.)

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Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBIO e. V.)

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Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass sich isolierte Meinungen angeblicher ExpertInnen rasch in den sozialen Medien verbreiten und zunehmend den öffentlichen Diskurs beeinflussen. Wie wollen Sie die Möglichkeiten der Politik nutzen, den faktenbasierten Dialog zu sichern und auszubauen?
Für DIE LINKE hat die Pandemie erneut deutlich gemacht, wie wichtig Wissenschaftskommunikation und wissensbasierte Politik sind. Die große Verbreitung von esoterischen Vorstellungen und Verschwörungsmythen zeigt, wie wichtig verlässliche Forschung und Kommunikation sind, um Vertrauen in Wissenschaft, ihre Methoden und Institutionen zu erhalten. Dies wird angesichts der kommenden Herausforderungen für unsere Gesellschaft wie der Klimakrise weit über die aktuelle Gesundheitskrise hinaus von Bedeutung bleiben. Wir wollen daher die Wissenschaftskommunikation an den Hochschulen – auch als Teil der Ausbildung - stärken und in einer Agentur bündeln, statt jedem öffentlich gefördertem Projekt den Auftrag zu geben, Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Auch Wissenschaftsjournalismus hat hier eine wichtige Rolle, die gestärkt werden muss. Die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, daher dürfen Eingriffe auch in Social Media nur rechtsstaatlich fundiert und mit großer Vorsicht geschehen. DIE LINKE baut daher auf Aufklärung und fordert verstärkte Medienbildung für alle Altersgruppen, fordert gleichzeitig aber auch mehr Transparenz der Social-Media-Plattformen und bessere Meldewege, damit sich Nutzer*innen gegen Desinformation zur Wehr setzen können.

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Den Vereinten Nationen liegt eine Resolution vor, das Jahr 2022 zum Internationalen Jahr der Grundlagenforschung und Nachhaltigen Entwicklung (iYBSSD) zu proklamieren. Wie bewertet Ihre Partei die Bedeutung der Grundlagenforschung und den notwendigen Umfang zu ihrer Förderung?
Für DIE LINKE ist Grundlagenforschung ebenso wichtig wie anwendungsorientierte Forschung. Leider hat sich in den letzten Jahrzehnten ein starker Fokus auf die wirtschaftlich unmittelbar verwertbare Anwendungsforschung etabliert. Vor dem Hintergrund klammer öffentlicher Haushalte stehen daher Ausgaben, insbesondere für die nicht anwendungsorientierte Grundlagenforschung unter besonderem Rechtfertigungsdruck. Deswegen wollen wir den seit einigen Jahrzehnten begonnenen Trend der Ausweitung von Drittmittel- und Auftragsforschung zu Ungunsten der Grundfinanzierung von Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen umkehren. Wissenschaft sollte dank auskömmlicher Grundfinanzierung interessengeleitet stattfinden können und nicht auf Drittmittel angewiesen sein.

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Welche Initiativen wollen Sie – trotz föderaler Zuständigkeiten - auf Bundesebene ergreifen, um Schulabgängerinnen und -abgänger in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern besser auf Ausbildung und Studium vorzubereiten?
Wir wollen auf Bundesebene das Kooperationsverbot in Gänze aufheben und stattdessen eine Gemeinschaftsaufgabe Bildung im Grundgesetz verankern, damit der Bund Schulbildung dauerhaft mitfinanzieren kann. Denn für eine gute MINT-Bildung braucht es eine gute sächliche Ausstattung und gut ausgebildete Lehrkräfte. Aus unserer Sicht müsste zudem der MINT-Aktionsplan dahingehend überarbeitet werden, dass qualitativ hochwertige MINT-Bildung auch an Schüler:innen mit Benachteiligungserfahrung oder Behinderungen gerichtet wird (z.B. durch zielgruppensensible Konzepte sowie zielgruppensensible Forschung über effektive MINT-Bildung). Darüber hinaus sollte der Bund gemeinsam mit den Ländern den Ausbau der Studienplätze für Lehramtsstudiengänge im MINT-Bereich vorantreiben, sodass zukünftig für den mathematisch-naturwissenschaftlichen-technischen Unterricht keine Lehrkräfte fehlen.

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Wie wollen Sie im Sinne des lebenslangen Lernens die mathematisch-naturwissenschaftliche Grundbildung jenseits der Schule auch auf Bundesebene stärken - etwa durch die Förderung nicht-formaler Bildungsangebote?
Das Recht auf Bildung umfasst für DIE LINKE auch eine gute Grundbildung, die allen zugänglich sein muss. Dazu gehören auch Angebote der mathematisch-naturwissenschaftlichen Grund- und Weiterbildung. Dafür sind bessere finanzielle und rechtliche Rahmenbedingungen erforderlich. Bildung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die öffentlich ausfinanziert werden muss. Diese Grund- und Weiterbildungsangebote – auch im Bereich der nicht-formalen Angebote - dürfen aber nicht auf ihre kurzfristige ökonomische Verwertbarkeit reduziert werden, sondern müssen neben der beruflichen Qualifikation auch als Beitrag zur kulturellen und gesellschaftlichen Emanzipation verstanden werden. Damit alle Menschen unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund im Laufe ihrer Biografie Grund- und Weiterbildungsangebote wahrnehmen können, muss das BAföG außerdem zu einer Erwachsenenbildungsförderung ohne Altersgrenze ausgebaut werden.

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Der Karriereweg des wissenschaftlichen Nachwuchses ist wegen der häufig prekären Arbeitsverhältnisse unattraktiv. Welche Pläne hat Ihre Partei, trotz föderaler Zuständigkeiten, durch Maßnahmen des Bundes die Situation zu verbessern und den wissenschaftlichen Karriereweg attraktiver zu gestalten?
DIE LINKE will den akademischen Mittelbau stärken und die Zahl der unbefristeten Stellen unterhalb der Professur erhöhen. Um die Planbarkeit wissenschaftlicher Karrieren zu verbessern, wollen wir das Sonderbefristungsrecht im Wissenschaftszeitvertragsgesetz abschaffen und durch eine höhere Grundfinanzierung der Hochschulen die Basis für neue Stellen schaffen. Damit der Bund die Grundfinanzierung der Hochschulen sicherstellen kann, wollen wir im Grundgesetz eine Gemeinschaftsaufgabe Bildung zwischen Bund und Ländern formulieren. Zudem sollen Leitungsaufgaben auch in Teilzeit erledigt werden können, was insbesondere Frauen, die Care-Arbeit übernehmen, zusätzliche Berufsperspektiven ermöglicht.

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Biodiversität und genetische Vielfalt werden weniger als Welterbe denn als nationale Verfügungsmasse betrachtet. Wie stehen Sie zu dieser Problematik? Wie wollen Sie sicherstellen, dass die Freiheit der Forschung und das berechtigte Anliegen des „Benefit Sharing“ ausgewogen berücksichtigt werden?
Um die Artenvielfalt national und international besser zu schützen und zu erhalten, braucht es ein Umdenken in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Zudem müssen nationale sowie internationale Abkommen und Strategien zum Schutz der Biodiversität konsequent umgesetzt und stärker gefördert werden. Dazu will DIE LINKE die Fördersummen für Programme zum Erhalt der Artenvielfalt deutlich steigern und gleichzeitig biodiversitätsschädliche Subventionen massiv abbauen. Bei bio- und umweltethischen Fragen müssen widerstreitende Grundwerte sorgfältig gegeneinander abgewogen werden: Einerseits ist die Forschungsfreiheit grundgesetzlich garantiert und gesellschaftlich von großem Nutzen. Als Gesellschaft brauchen wir Wissen, um die Zusammenhänge und Prozesse des Klimawandels und anderer Umweltveränderungen zu verstehen. Andererseits bergen manche neuen Forschungsfelder und -ergebnisse Risiken für Artenvielfalt und Umwelt. DIE LINKE steht für die Freiheit der Forschung in gesellschaftlicher Verantwortung und für die allgemeine Verfügbarkeit ihrer Grundlagenergebnisse. Wir lehnen grundsätzlich Ansätze in der Forschung und besonders ihrer Anwendung ab, die ihren Gegenstand als Verfügungsmasse behandeln. Im Anthropozän müssen wir mit unserer Welt und Umwelt anders umgehen. Um der gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden, wollen wir die organisierte Zivilgesellschaft als Förderpartner mehr in Forschungsprojekte miteinbeziehen und Öffentlichkeit für Fragen mit gesellschaftlicher Relevanz herstellen.

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Was plant ihre Partei, um die Anwendung moderner biotechnologischer Methoden inklusive des Genome Editing zu erleichtern und zu fördern? Wie soll vor diesem Hintergrund das Gentechnikgesetz angepasst werden?
DIE LINKE befürwortet die somatischen Gentherapien, und wir wollen mit einer konsequenten, öffentlich diskutierten Risikoanalyse diese Ansätze gemeinwohlorientierter Forschung unterstützen. Dazu braucht es aus unserer Sicht eine wertebasierte Verständigung von Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft. Eingriffen in die menschliche Keimbahn stehen wir skeptisch gegenüber, weil einerseits das Wissen um die Funktion und das Zusammenspiel von Genen noch zu gering ist, um eine fundierte Risikoeinschätzung und -adaption vorzunehmen, und die Manipulation menschlichen Genmaterials andererseits fundamentale ethische Fragen aufwirft. Wir wollen diese Wissenslücken schließen. Eingriffe in das Genom sind nach dem Vorsorgeprinzip zu regulieren, um unabsehbare gesundheitliche und ökologische Gefahren zu vermeiden. Gentechnik in der Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion lehnen wir aus denselben Gründen ab.