Wahlprüfstein Bundestagswahl 2021

Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter e. V. (BDP)

BV Pflanzenzüchter

Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter e. V. (BDP)

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Welche Bedeutung misst Ihre Partei der Pflanzenzüchtung für die Zukunft von Landwirtschaft und Gesellschaft in Deutschland konkret zu?
DIE LINKE schätzt das haupt- und ehrenamtliche Engagement in der Pflanzenzüchtung und erkennt seinen hohen Wert für das Gemeinwohl an. Nach jahrzehntelanger Ausrichtung der Züchtung auf den maximal möglichen Höchstertrag erfordert der Klimawandel einen stärkeren Fokus auf standortangepasste und stressresistente Pflanzensorten sowie auf qualitative Eigenschaften wie hochwertige Inhaltsstoffe für die Nutzung als Lebens- oder Futtermittel bzw. zur energetischen Verwertung. Kleine Züchtereien brauchen Rechtssicherheit und wo nötig Förderung, um nicht allein Großkonzernen die Hoheit über Pflanzenzuchtziele zu überlassen. Wir sprechen uns ausdrücklich für den Erhalt alter Sorten aus.

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Wie und warum positioniert sich Ihre Partei in Bezug auf die Bewertung neuer Züchtungsmethoden?
Die „neuen Züchtungstechniken“ versprechen einen präziseren Eingriff in die DNA als die bisherigen Methoden, bergen jedoch ähnliche Risiken. Was diese Manipulationen auf Genomebene, in Stoffwechselinteraktionen und in der Umwelt auslösen, ist unbekannt und das ökologische oder gesundheitliche Risiko radikal neuer Eigenschaften oder einer Auskreuzung in wildlebende Pflanzen nicht verantwortbar. DIE LINKE unterstützt die klare Einstufung unter die bestehende Gentechnikregulierung und fordert mehr Engagement bei der Erforschung von Nachweisverfahren und Alternativen. Das Vorsorgeprinzip muss europäisch gestärkt werden.

3

Wie will Ihre Partei sicherstellen, dass die den Züchtern zur Refinanzierung zustehenden Mittel auch über die Nachbaugebühren vollumfänglich zufließen?
Der Sortenschutz sichert den Züchter:innen durch Lizenzgebühren angemessene Mittel für die weitere Züchtungsarbeit. Der Nachbau, der Bäuerinnen und Bauern seit jeher als Recht zusteht, ist aufwändig, geht meist mit geringeren Erträgen einher und verzichtet auf den möglichen weiteren züchterischen Fortschritt. Grundsätzlich möchte DIE LINKE einen Fonds zur solidarischen Sicherung der Züchtungsarbeit. Darüber hinaus muss zunehmende Monopolisierungstendenzen ernster begegnet werden.

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Welche Konzepte gibt es in Ihrer Partei zur langfristigen Forschungsförderung im Bereich Pflanzenzüchtung durch die öffentliche Hand?
Die Pflanzenzüchtung sollte sich vorwiegend an Gemeinwohlinteressen orientieren und dies auch mit einem Ausbau der öffentlichen Forschung sichern. DIE LINKE kritisiert die zunehmende Machtkonzentration auf dem Saatgutmarkt, weil sich Entscheidungen für oder gegen bestimmte Züchtungsziele in den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen von Megakonzernen vor allem an Profit- und Aktionärsinteressen orientieren. Deshalb schlägt DIE LINKE die Gründung einer Akademie der Landwirtschaftswissenschaften vor, in der auch die Pflanzenzüchtungsforschung vertreten sein sollte.

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Werden die Empfehlungen der Zukunftskommission Landwirtschaft der Bundesregierung Eingang in die Arbeit Ihrer Partei finden und wenn ja, mit welchen Schwerpunkten?
Die Empfehlungen der Zukunftskommission Landwirtschaft greifen viele Kritikpunkte der LINKEN auf, bleiben aber hinter unseren Forderungen im ökologischen wie im sozialen Bereich zurück. Wir setzen uns weiterhin ein für eine Agrarpolitik, die gutes Leben für Arbeitende, Konsumierende, Natur, Klima und Tiere ermöglicht. Der Schwerpunkt liegt aus unserer Sicht dabei auf dem Aufbrechen der Marktmachtverhältnisse mit dem Ziel der Internalisierung von Kosten, die bislang das Gemeinwohl trägt, sowie die Schwächung des Primats von ökonomischem Wachstum auf Kosten sozialer und ökologischer Verhältnisse. Entsprechende Kontroll- und Förderregularien müssen verbessert und geschaffen werden. An der Finanzierung des nötigen Umbaus und der laufenden Kosten für eine nachhaltige Landwirtschaft mit Ziel der Sicherung der Ernährungssouveränität müssen die bisher profitierenden Konzerne angemessen beteiligt werden und entsprechend Verantwortung übernehmen. Das muss gesetzlich abgesichert werden. Dazu gehört auch die Sicherung einer am Gemeinwohl orientierten Pflanzenzüchtung.