Wahlprüfstein Bundestagswahl 2021

GASB e.V. - German Association for Synthetic Biology

Synthetic Biology

GASB e.V. - German Association for Synthetic Biology

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Die Vereinigten Staaten und China haben die Biotechnologie und im speziellen die Synthetischen Biologie als Schlüsseltechnologie der Zukunft identifiziert. Stimmt Ihre Partei mit dieser Analyse überein und wenn ja, was sind die konkreten Pläne ihrer Partei um auf diesem Gebiet aufzuholen? (https://www.forbes.com/sites/johncumbers/2019/08/26/trade-deal-or-no-china-is-investing-big-in-synthetic-biology/?sh=323dc6fb2e58)
Grundsätzlich begrüßt DIE LINKE neue technologische Entwicklungen. Insbesondere in den Frühphasen, wenn es um Grundlagenforschung und um erste Schritte Richtung Anwendung geht, sollte Technologieoffenheit geboten sein. In welchem Umfang öffentliche Förderung richtig ist, kann jeweils nur nach Potenzialabschätzung (z. B. Schlüsseltechnologie) entschieden werden. In den späteren Phasen marktnaher Entwicklung ist von den daran arbeitenden Unternehmen gegenüber der Politik nachzuweisen, dass ihre Produkte nicht nur unternehmerisch interessant, sondern auch gesellschaftlich nützlich sind oder zumindest zu werden versprechen. Soweit es um Arzneimittelforschung geht, wollen wir, dass die Ergebnisse der mit öffentlichen Mitteln geförderten Forschung im Rahmen des Equitable Licensing (der sozialverträglichen Patentverwertung) zu sozialen Konditionen an ärmere Länder und Generikaproduzenten abgegeben werden. Produktentwicklungspartnerschaften sind nachhaltig und in voller Breite des Krankheitsspektrums zu unterstutzen. Die Kompetenzen der WHO in diesem Bereich wollen wir ausweiten.

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Synthetische Biologie könnte zukünftig einen wichtigen Beitrag zu einer CO2 neutralen Kreislaufwirtschaft leisten. Befürworten Sie z.B. den Einsatz von gentechnischen Methoden zur Pflanzenzüchtung (z.B. CRISPR-Cas) um die Nahrungsmittelproduktion der Zukunft klimaneutraler zu gestalten?
Nein. Wir betrachten diesen Weg als eine Ablenkung von der notwendigen Änderung des Landwirtschaftssystems. Es gibt bislang keine Nachweise für klimapositive Effekte durch die sogenannten „Neuen Züchtungstechniken“, nur Versprechungen, die von einer kapitalstarken Finanz- und Technologielobby aufgrund des großen Potentials der Hoffnung genährt werden. Genveränderte Organismen in Ökosystemen bleiben unberechenbar und können immensen Schaden anrichten.

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Befürwortet Ihre Partei die Freisetzung von gentechnisch veränderten Organismen zu Forschungszwecken?
Nein, solange nicht eine an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit attestiert werden kann, die eine unvorhergesehene Verteilung oder Einflussnahme auf andere Ökosysteme ausschließt. Der Fokus sollte auf bodenschonender, vielfältiger und regional orientierter Ernährungsproduktion liegen.

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Künstliche Intelligenz, Quanten- und Batterietechnologien werden bereits im Rahmen des MINT Aktionsfahrplans des BMBFs gefördert. Inwieweit wollen Sie biotechnologische und synthetisch biologische Bildungsprojekte z.B. im Rahmen solcher Programme des BMBFs in Zukunft einbringen und fördern?
DIE LINKE will in der kommenden Legislaturperiode auch die Zukunft der Biotechnologien und synthetischen Biologie fördern. Für uns ist es von zentraler Bedeutung, dass Forschungsförderung am Gemeinwohl ausgerichtet ist. Biotechnologische Innovationen und synthetische Biologie bieten ein enormes Potenzial für unsere Gesellschaft, das durch zielgerichtete Förderung entfaltet werden sollte. Für DIE LINKE ist es zudem wichtig, dass bereits früh die bioethischen Fragestellungen in Förderprojekten mitbedacht werden. Wir wollen dazu die organisierte Zivilgesellschaft als Förderpartner mehr in Forschungsprojekte miteinbeziehen und Öffentlichkeit für Fragen mit gesellschaftlicher Relevanz herstellen, damit Entscheidungen nicht allein aufgrund wirtschaftlicher Nützlichkeitserwägungen getroffen werden. Für DIE LINKE gilt es allerdings nicht nur, die projektebezogene und damit oft anwendungsorientierte Forschung zu stärken, sondern auch die Grundlagenforschung auszubauen. Deswegen wollen wir den seit einigen Jahrzehnten begonnenen Trend der Ausweitung von Drittmittel- und Auftragsforschung zu Ungunsten der Grundfinanzierung von Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen umkehren. Wissenschaft sollte dank auskömmlicher Grundfinanzierung interessengeleitet stattfinden können und nicht auf Drittmittel angewiesen sein.

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Startups im Bereich der Synthetischen Biologie sind mit großem technologischem Risiko verbunden und benötigen lange Investitionen durch Risikokapital. Wie wollen Sie die Unternehmensgründung von Firmen mit hohem technologischem Risiko fördern?
DIE LINKE setzt auf öffentliche Förderung, wie das technologie- und branchenoffene ZIM-Förderprogramm und macht sich für eine Weiterentwicklung stark. Falsch ist aus unserer Sicht, dass die öffentliche FuE-Förderung zu sehr auf den Bedarf der exportorientierten Großunternehmen ausgerichtet ist. Wir fordern eine deutlich stärkere KMU-Orientierung. Außerdem sollten Programme öffentlicher Förderbanken wie der KfW sich stärker den marktnahen Innovationsstufen zuwenden. Wagniskapitalmodelle erachten wir als wenig zielführend. Hier besteht die Tendenz, dass Risiken über staatliche Investments vergemeinschaftet und Gewinne privatisiert werden, z.B. über die Gebührenstruktur und ungleiche Verteilung. Wenn überhaupt, dann kommen nur sehr bestimmte Innovationen für Wagniskapital in Frage. Hier sind Vorkehrungen für die breite Verteilung von Gewinnen zu schaffen, aber auch Anreize für längerfristige Beteiligungen, damit die Innovation erfolgreich umgesetzt werden kann.

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Inwieweit wollen Sie den Forschungsstandort Deutschland im Bereich Biotechnologie und Synthetischer Biologie für Spitzenforscher attraktiver gestalten?
DIE LINKE möchte den Forschungsstandort durch attraktive Arbeitsbedingungen und eine grundfinanzierte Forschung stärken. Für viele Forschende sind verlässliche und langfristige Beschäftigungsperspektiven wichtig. Wir wollen daher das Sonderbefristungsrecht der Wissenschaft aufheben und unterhalb der Professur durch besser finanzierte Hochschulen mehr Dauerstellen im Mittelbau schaffen. Das hält junge Talente in Deutschland und zieht ausländische Studierende und Promovierende an. Für DIE LINKE ist es daher wichtig, die Gebührenfreiheit und die Qualität unserer Hochschulen in der Breite zu erhalten und auszubauen. Um die anwendungsorientierte Forschung zu stärken, wollen wir Fachhochschulen und Hochschulen für angewandte Wissenschaften das Promotionsrecht verleihen und ihren Mittelbau deutlich vergrößern. Wir versprechen uns davon auch Impulse in die regionale KMU-Landschaft. Außerdem wollen wir die Zusammenarbeit von Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen weiter fördern und ausbauen.