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Bundesarbeitsgemeinschaft Künstlerische Therapien (BAG KT)
BAG Künstlerische Therapien
Bundesarbeitsgemeinschaft Künstlerische Therapien (BAG KT)
1
Zur Behandlung depressiver Störungen bei Kindern und Jugendlichen übersteigt der Bedarf die Kapazitäten aller Versorgungsbereiche. Wie kann Ihre Partei die Aufnahme der Künstlerischen Therapien in die ambulante Versorgung unterstützen?
Wir sehen große Chancen in den Künstlerischen Therapien. Sie haben einen salutogenetischen Ansatz und finden meist in multiprofessionellen Behandlungsteams statt. DIE LINKE will generell, dass alle Patient*innen sämtliche Leistungen, die notwendig sind, kostenfrei erhalten. Die Notwendigkeit einer Leistung bemisst sich an der Evidenz. Für Künstlerische Therapien gibt es einige Evidenz, vor allem für Musiktherapie und vor allem im stationären Setting und insbesondere bei Schizophrenie, Depression und teils auch dementiellen Erkrankungen. Wir sprechen uns daher sehr dafür aus, dass im Rahmen von großen aussagekräftigen Studien die Evidenz gerade im ambulanten Bereich verbessert und alle Leistungen, die nachweislich einen Nutzen haben, in die Regelversorgung aufgenommen werden. Für entsprechende Forschungsmittel würden wir uns einsetzen und haben auch in den letzten Jahren in den Haushaltsberatungen des Bundestags regelmäßig 2 Mrd. Euro für Methodenforschung gefordert.
Themen:
Kultur und Medien,
Gesundheit und Pflege
2
Wie beurteilen Sie die Notwendigkeit sektorenübergreifender Versorgung mit Künstlerischen Therapien bei schweren chronischen oder lebensbegleitenden Erkrankungen wie z.B. in der Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms oder in der Pädiatrischen Onkologie und Hämatologie?
Auch zumindest für krebsbegleitende Musiktherapie gibt es eine positiv verlaufene Studie zur Stressreduktion. Diese sollte also zum Einsatz kommen. Wie in der Antwort auf Frage 1 bereits beschrieben, setzen wir uns gerne für Forschungsgelder ein, um weitere wirksame Anwendungsbereiche herauszufinden bzw. zu bestätigen.
Themen:
Kultur und Medien,
Gesundheit und Pflege
3
Welche Möglichkeiten zur Vernetzung der akutmedizinischen und rehabilitativen Versorgung für Patient*innen mit Künstlerischen Therapien in der ambulanten Versorgung empfehlen Sie, wenn dadurch vermehrtes Auftreten von Krankenhausfällen reduziert werden kann?
DIE LINKE maßt sich nicht an, zu beurteilen, welche Versorgungsformen sinnvoll sind und welche nicht. Das ist nicht Aufgabe der Politik. Antworten auf diese Fragen kann letztlich nur die Wissenschaft finden. Wir stehen aber Versuchen, diese Fragen zu klären, positiv gegenüber. Die vorliegenden Erfahrungen in der Musiktherapie für Ältere sowie Menschen mit Pflegebedarf und mit Behinderung, insbesondere bei dementiellen Einschränkungen, zeigen durchaus positive Resultate und könnten gefördert werden.
Themen:
Kultur und Medien,
Gesundheit und Pflege
4
Wie unterstützten Sie den im „Fact sheet“ der WHO 2019 zur Evidenz der Künste belegten wichtigen Beitrag Künstlerischer Therapien zur Prävention und Behandlung akuter und chronischer Erkrankungen sowie zur Förderung psychischer und physischer Gesundheit?
Dieses Factsheet ist sicherlich ein wichtiger Beitrag auf dem Weg, die Potentiale der Künstlerischen Therapien zu belegen. Besonders erkenntnisreich ist für uns dabei auch die Betonung des salutogenetischen und präventiven Ansatzes. Damit können Künstlerische Therapien einen Beitrag leisten, sozial bedingte gesundheitliche Ungleichheit zu verringern. Dazu wäre es natürlich wichtig, dass insbesondere diejenigen, die die Therapien brauchen, sie auch bekommen, dass sie also von der Krankenversicherung bei gewissen evidenten Indikationen übernommen werden und keine Privatleistungen für diejenigen sind, die es sich leisten können.
Themen:
Kultur und Medien,
Gesundheit und Pflege
5
Arbeitet Ihre Partei an Antworten auf die im EUROPA-Report der WHO 2019 gestellten Fragen zur evidenten Rolle der Künstlerischen Therapien und deren Implementierung in eine ressourcen- und kulturorientierte Gesundheitsversorgung gesetzlicher Krankenversicherungen von Menschen aller Lebensalter?
Die Versorgung muss die ambulant und stationär besser verknüpfen. Wenn sich im stationären Setting Künstlerische Therapieformen bewährt haben, muss die Möglichkeit bestehen, sie auch nach dem Krankenhausaufenthalt zu nutzen. Dafür muss z.B. ein Krankenhaus ambulante Leistungen anbieten können. Wichtig für die Etablierung der Künstlerischen Therapien ist auch die Anerkennung im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA). Aber grundsätzlich andere Herangehensweisen haben es schwer, vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) positiv bewertet zu werden. Da spielen auch Partikularinteressen der beteiligten Bänke im G-BA eine Rolle. Hier wollen wir der Patientenvertretung mehr Mitentscheidungsrechte einräumen und so die Versorgungsqualität stärken.
Themen:
Kultur und Medien,
Gesundheit und Pflege
6
Welche Fördermöglichkeiten zur Evaluation der Wirtschaftlichkeit Künstlerischer Therapien in der ambulanten Versorgung würden Sie einsetzen?
Wie bereits weiter oben geschrieben würden wir hier die Finanzierung von Studien unterstützen. Diese Studien sollten zwar die Wirksamkeit als Untersuchungsgegenstand im Fokus haben, weil das aus unserer Sicht das wesentliche Argument ist. Da bei gewissen Erkrankungen aber Verschlimmerungen mit Aussicht auf eine teure Therapie zu befürchten ist, könnte auch die Untersuchung der Wirtschaftlichkeit spannende Erkenntnisse liefern.
Themen:
Kultur und Medien,
Gesundheit und Pflege
7
Welche Möglichkeiten zur gesetzlichen Regulierung der Tätigkeiten Künstlerischer Therapeut*innen als neuer Gesundheitsberuf halten Sie für durchführbar?
So bunt wie derzeit die kunsttherapeutische Ausbildungslandschaft ist, ist von Ausbildung bis Master vieles vorstellbar. Wie bei allen Gesundheitsberufen zählt für uns der beste Erfolg für die Patient*innen. Wichtig scheint uns, dass medizinisches Wissen und Elemente von Public Health neben den Kernbereichen gelehrt werden.
Themen:
Kultur und Medien,
Gesundheit und Pflege
8
Wollen Sie die Teilhabe an Kunst und Kultur und als Schlüssel zu Selbstbewusstsein, Persönlichkeitsentwicklung und Integration fördern, sodass diese, wie z.B.in Großbritannien, für Patienten, die von Einsamkeit bedroht sind, ärztlich verordnet werden kann?
Großbritannien ist seit der Anerkennung der Musiktherapie durch die NICE 2009 sicherlich weiter als Deutschland. Wir halten dies für einen guten Vorschlag, wobei aber noch zu klären wäre, ob wirklich die ärztliche Verordnung auf Kassenkosten oder eine entsprechende Kulturförderung, die mannigfaltige kostenfreie Angebote ermöglicht oder aber beides der sinnvollere Weg ist, die Teilhabeangebote denen zu geben, die sie brauchen.
Themen:
Kultur und Medien,
Gesundheit und Pflege