Wahlprüfstein Bundestagswahl 2021
Bundesverband landwirtschaftlicher Fachbildung e.V. (vlf)
BV landwirtschaftlicher Fachbildung
Bundesverband landwirtschaftlicher Fachbildung e.V. (vlf)
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Die Anforderungen des Umwelt- und Ressourcenschutzes an die heimische Lebensmittelerzeugung nehmen stetig zu. Welche Technologien und Instrumente sind dafür notwendig? Und wie werden Sie die heimische und auch die Öko-Landwirtschaft unterstützen? Wie wollen Sie landwirtschaftliche Flächen für die Produktion erhalten?
DIE LINKE fordert eine strategische Ausrichtung auf Ernährungssouveränität und auf regionale Wirtschaftskreisläufe, die die ländlichen Räume stärken sowie Klima und Umwelt schützen. Kurze, kooperative Verarbeitungs- und Lieferketten stehen sowohl in der konventionellen als auch der ökologischen Landwirtschaft für Konzernunabhängigkeit, regionale Wertschöpfung und faire Erzeugungspreise. Agrarsubventionen sind an gemeinwohlorientierte Leistungen zu binden, also an soziale, ökologische, klima- und tierschützende Effekte. Landwirtschaftliche Flächen sind als Grundlage der Ernährungssouveränität vor Versiegelung zu schützen. Kompensationsmaßnahmen für zwingend notwendige Bauvorhaben sind möglichst integriert in landwirtschaftliche Nutzung umzusetzen. Agroforstsysteme oder klimaschonende Kulturen wie Nutzhanf sind zu fördern. Agrar 4.0 kann unterstützend sein, Agrogentechnik nicht, auch nicht die so genannten neuen Züchtungstechniken. Gemeinwohlorientierte Forschung muss angemessen unterstützt werden.
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Vitalität und Zukunftsfähigkeit vieler ländlicher Räume leiden durch Abwanderung junger Menschen und Überalterung der verbleibenden Bevölkerung. Wie werden Sie eine wirklich flächendeckende hochleistungsfähige, digitale Infrastruktur bzw. überhaupt Infrastrukturen in ländlichen Räumen sicherstellen und standortnahe Arbeitsplätze sichern?
Ziel der LINKEN Politik für die ländlichen Räume ist die Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse. Diese müssen bedarfsgerecht, inklusiv und modern ausgestaltet sein. Da die Menschen vor Ort ihre Bedarfe am besten kennen, stehen wir für eine Stärkung der kommunalen Handlungsfähigkeit durch einen Ausbau des Regionalbudgets. Auch der Breitbandausbau muss in kommunaler Eigenregie erfolgen, finanziell durch den Bund gestützt. Die Kommune muss digitalisiert, aber vor Cyberangriffen geschützt werden durch den Aufbau entsprechend sicherer Systeme. Zur Sicherung von Arbeitsplätzen müssen regionale Potentiale (wieder-)belebt werden. Dies wollen wir erreichen durch die Regionalisierung von Wirtschaftskreisläufen, an ländliche Belange angepasste Hochschul- und Ausbildungsstrukturen, die Schaffung neuer und innovativer Wohn- und Arbeitsformen und eine Verbesserung/Reaktivierung des ÖPNV. Infrastrukturen wie Kitas, Schulen und Gesundheitsdienste müssen ausgebaut werden.
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Die deutsche Landwirtschaft will das ausgesprochen hohe Erwartungsniveau seitens Markt, Politik und Gesellschaft hinsichtlich noch mehr Nachhaltigkeitsleistungen einlösen. Dazu braucht es jedoch einen gesellschaftlichen Konsens, dass eine starke heimische Landwirtschaft, Ernährungssicherung und Nachhaltigkeit zusammengehören. Unterstützen Sie den Vorschlag, das Grundgesetz in Art. 20a - Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und der Tiere - um die Ziele Ernährungssicherung und Klimaschutz zu ergänzen?
Ja. Allerdings ist solch eine Grundgesetzänderung oft langwierig – selbst Kinderrechte sind noch immer nicht aufgenommen. Es gibt zudem keinen Automatismus für eine konsequente Umsetzung, wie das Staatsziel Tierschutz zeigt. Es braucht also auch eine generelle politische Ausrichtung auf eine regionale Produktion und Wertschöpfung, die nachhaltig ist, den Ausbau des Selbstversorgungsgrads, sozialversicherungspflichtige Arbeits- und Ausbildungsplätze in der Landwirtschaft und die Kostendeckung der Produktion. Nicht international agierende Megakonzerne, sondern einheimische Wirtschaftskreisläufe müssen gestärkt werden.
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Nicht nur die Coronakrise hat verdeutlicht, dass ein Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Ländlichen Raum unverzichtbar ist. Wird es künftig bei Regierungsverantwortung Ihrer Partei ein solches eigenständiges Bundesministerium geben?
Die Vielzahl der Herausforderungen hinsichtlich Sicherung der Ernährungssouveränität und unserer Lebensgrundlagen, aber auch die Lösung der sozialen Krise in der Landwirtschaft, müssen gelöst werden. Das ist eine Frage des politischen Willens und weniger der Arbeitsstruktur. Bei guter Zusammenarbeit mit dem Umweltressort, gemeinsamen Lösungswillen und -kompetenz vorausgesetzt, spricht vieles auch für ein eigenständiges Ministerium für Agrar-, Forst-, Fischerei- und Ländliche Räume. Ein gemeinsames Ministerium mit Umwelt z. B. kann aber auch eine konstruktive Zusammenarbeit an den gemeinsamen Problemen unterstützen.