Wahlprüfstein Bundestagswahl 2021
Verband der Gedenkstätten in Deutschland e.V. i.G.
Verband der Gedenkstätten
Verband der Gedenkstätten in Deutschland e.V. i.G.
1
Wir bitten um Stellungnahme zu unserer Erwartung an die Bundespolitik, die „Gedenkstättenkonzeption des Bundes“ als maßgebliches Förderinstrument der Bundespolitik weiterzuentwickeln. Eine brauchbare Evaluation steht immer noch aus. 13 Jahre nach der Verabschiedung der letzten Fassung im Jahre 2008 ist es Zeit für eine gründliche Bilanz, um die Erfolge des Förderin-struments anzuerkennen, aber auch Defizite und Entwicklungshindernisse zu benennen. Es gilt, auf dieser Basis die Gedenkstättenkonzeption weiterzuentwickeln, sodass sie der dezentralen Gedenkstättenlandschaft Rechnung trägt.
Die LINKE fordert eine umfassende wissenschaftliche und praktische Evaluation der bisherigen Gedenkstättenkonzeption. In dieser 19 WP wurde deutlich, dass die Gedenkstättenkonzeption sowohl finanzielle als auch inhaltliche Leerstellen aufweist, die sich auf die Erinnerungsarbeit auswirkt. Dies betrifft nicht nur die Bemühung um eine Erweiterung des Gedenkstättenkonzeptes und Anerkennung bislang nicht anerkannter Verfolgtengruppen im NS, wie als Asoziale und Berufsverbrecher im NS Verfolgten, auch Themenkomplexe wie die Rehabilitation der Opfer der sog. Polenstrafrechtsverordnung. Bei der Errichtung einer „Dokumentationsstätte zur Geschichte der deutschen Besatzungsherrschaft“ besteht die Gefahr, dass die bislang anerkannte und in den Empfehlungen der Enquete-Kommissionen des Deutschen Bundestages in den 1990er Jahren als wertvoll anerkannte dezentrale Erinnerungskultur im Ergebnis geschwächt wird und die zunehmende Tendenz zur Zentralisierung der Erinnerung an den NS in Berlin verstärkt wird.
Themen:
Bildung und Ausbildung,
Kinder und Jugend
2
Wir bitten um Stellungnahme zu unserer Forderung, das Förderprogramms „Jugend erinnert“ zur Unterstützung innovativer Projekte einer nachhaltigen Kultur des Erinnerns, die auch der Arbeit kleinerer Gedenkstätten und Initiativen zugutekommt fortzuschreiben.
DIE LINKE bemüht sich neben den großen bundesgeförderten Gedenkstätten um eine strukturelle Unterstützung kleinerer Gedenkstätten und Initiativen. Diese müssen u.a. stärker in Förderprogrammen wie „Jugend erinnert“ berücksichtigt und auskömmlich ausgestattet werden. Dabei lässt sich feststellen, dass es zunehmend die Tendenz gibt, dass die bislang anerkannte und in den Empfehlungen der entsprechenden Enquete-Kommissionen des Deutschen Bundestages in den 1990er Jahren als wertvoll anerkannte dezentrale Erinnerungskultur im Ergebnis durch groß angelegte erinnerungspolitische Projekte, die außerhalb der Gedenkstättenkonzeption angelegt werden (z.B. die geplante „Dokumentationsstätte zur Geschichte der deutschen Besatzungsherrschaft“) geschwächt wird (vgl. Brigitte Freihold, BT-Drs. 19/26778, https://dserver.bundestag.de/btd/19/267/1926778.pdf).
Themen:
Bildung und Ausbildung,
Kinder und Jugend
3
Wir bitten um Stellungnahme zu unserer Erwartung an die Bundespolitik, die bundesweiten Kooperations- und Vernetzungsstrukturen durch den Aufbau und die Förderung einer VGDF-Geschäftsstelle sowie durch die Sicherung und Weiterentwicklung des Gedenkstättenreferats in der Stiftung Topographie des Terrors zur Koordination und Beratung der Gedenkstätten in Deutschland, auch durch Ausbau digitaler Formate und Fortbildungsangebote, zu stärken.
DIE LINKE bemüht sich die Geschäftsstelle des Verband der Gedenkstätten in Deutschland e.V. / FORUM (VGDF) sowie die Sicherung und Weiterentwicklung des Gedenkstättenreferats in der Stiftung Topographie des Terrors zur Koordination und Beratung der Gedenkstätten in Deutschland zu stärken. Schon 2018 fehlte die so dringend notwendige Aufstockung der Mittel für die NS-Gedenkstätten und die Gedenkstättenkonzeption und in den Folgejahren waren keine wesentlichen Verbesserungen zu erkennen. Das ist fatal angesichts des aktuellen politischen Klimas in der Bundesrepublik. Auch der Ausbau digitaler Formate und Fortbildungsangebote ist zu stärken und auskömmlich auszustatten. Die Gedenkstättenpädagogik muss im digitalen Zeitalter neue didaktische Konzepte entwickeln, die auch an unsere divers-kulturelle Gesellschaft angepasst sind.
Themen:
Bildung und Ausbildung,
Kinder und Jugend