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Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie e.V. (BPI)

BV Pharmazeutische Industrie

Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie e.V. (BPI)

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Welche Maßnahmen planen Sie, um die pharmazeutische Industrie mit ihren unterschiedlichen Unternehmensgrößen nachhaltig zu entlasten und den Standort Deutschland und Europa für Produktion und Entwicklung wieder attraktiver zu machen? Stichwort Strategische Autonomie der EU-Kommission.
Es ist unserer Ansicht nach grundsätzlich sinnvoll, die Produktion von Arzneistoffen und Fertigarzneimitteln in der EU zu stärken. Die Erwartung, dass damit die größten Probleme etwa in Bezug auf Lieferengpässe gelöst wären, teilen wir allerdings nicht. Die Produktion innerhalb der EU könnte zum Beispiel bei den Preisverhandlungen zwischen Hersteller und GKV im Rahmen der AMNOG-Verhandlungen berücksichtigt werden, wenn damit auch Nachweise eines robusteren Lieferketten- und Produktionsmanagements einher gehen. Die Wirtschaftsförderung selbst sehen wir nicht als Zweck der GKV an. Bei Generika ist Oligopolisierung durch Rabattverträge ein großes Problem. Bei Vertragsabschluss müssen sich die Patient*innen auf neue Präparate einstellen, bei Engpässen wieder dann noch einmal bei Behebung der Engpässe. DIE LINKE fordert unter anderem deswegen die Abschaffung der Rabattverträge und setzt dafür auf die Schärfung des Festbetragssystems.

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Welche Maßnahmen unterstützen Sie und halten Sie für geeignet und umsetzbar, um dringend benötigte Innovationen auf Basis bewährter Wirkstoffe für die Patienten zu erhalten, nachhaltig zu fördern und wie möchten Sie verhindern, dass künftig dem Gesundheitssystem diese Weiterentwicklungen fehlen?
Immer wieder kommt es vor, dass bekannte Wirkstoffe sich als wirksam gegen weitere Erkrankungen erweisen. Dies ist eines der Bereiche, in denen die kommerzielle Arzneimittelentwicklung mit anschließendem Patentschutz nicht gut funktionieren. DIE LINKE fordert seit Langem mehr öffentliches Engagement in der Arzneimittelforschung und dafür jährlich erhebliche Steuermittel.

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Trotz gestiegener Zahl neuer Therapien ist der Anteil der Arzneimittelkosten an den Ausgaben GKV seit Jahren stabil. Wie wollen Sie Innovationskraft bei neuen Therapien stärken u. wäre es nicht jetzt Zeit, Arzneimittel stärker über ihren gesell. Nutzen zu definieren, anstatt als reinen Kostenfaktor?
Grundsätzlich befürwortet DIE LINKE die Preisfindung über den patientenindividuellen Nutzen. zusätzlich sollten die realen Aufwendungen für Forschung und Entwicklung sowie für die Herstellung einbezogen werden. Eine Preisfindung über den „gesellschaftlichen Nutzens“ halten wir für nicht sachgerecht. Es wäre auch niemandem zu vermitteln, dass der Preis von Fahrradhelmen oder Sicherheitsgurten, Atemschutzmasken oder Babymilch sich über den „gesellschaftlichen Nutzen“ definiert. Unabhängig davon ist die Definition des gesellschaftlichen Nutzens nicht nur methodisch kaum möglich, sondern auch ethisch sehr bedenklich. Schließlich müssten gesundheitliche Effekte etwa mit Arbeitsausfällen aufgrund von Krankschreibungen etc. „verrechnet“ werden.

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Wie stehen Sie zu dem Aspekt, dass die Hersteller von pharmazeutischen Produkten nur mit der Sicherheit der freien Preisbildung im ersten Jahr Innovationen planbar und schnell anbieten können und so neue Medikamente für alle Patienten verfügbar sind?
Gerade im Bereich der forschenden Arzneimittelindustrie sehen wir momentan nicht Gefahr, dass fehlende Planbarkeit zu größeren finanziellen Problemen führen würde. DIE LINKE befürwortet die rückwirkende Geltung des ausgehandelten Erstattungsbetrags von Anfang an.

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Unterstützen Sie Forderungen z.B. den Zugang sowie die Vergütungssicherheit von innovativen Arzneimitteln im stationären Bereich dadurch zu erhöhen, dass Antragsverfahren für neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden (NUB) beschleunigt werden?
DIE LINKE befürwortet eine Beschleunigung und bessere Effektivität der NUB-Verfahren. Es ist zu prüfen, ob ein Automatismus ähnliche wie bei Arzneimitteln für die Abläufe im Gemeinsamen Bundesausschuss sinnvoll ist, um lange Verfahren und Verzögerungstaktiken zu verhindern. im Übrigen sehen fordern wir auch für den stationären Bereich feste Preise bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln.

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Viele Preisdämpfungsinstrumente wie Rabattverträge haben zu einer starken Marktverdichtung geführt. Wie kann jetzt bei diesen gefährlichen Trends auf nationaler Ebene entgegengesteuert werden, da ein Zuwarten auf Entscheidungen der EU Ebene bereits jüngst wenig Erfolg gezeigt hat?
Wie oben beschrieben sehen wir Rabattverträge kritisch. Die häufigen erzwungenen Präparatewechsel gefährden die Adhärenz der Versicherten und provozieren damit fehlerhafte Anwendungen und entsprechende Folgeschäden. Zudem sind sie intransparent und verursachen einen großen bürokratischen Aufwand in Apotheken, Praxen, Kassen und Unternehmen. Wir wollen daher Rabattverträge abschaffen und sie durch kollektivvertragliche Alternativen ersetzen. Dabei sollte die Versorgungssicherheit durch eine ausreichende Zahl von Herstellern und das Interesse der Solidargemeinschaft an fairen Arzneimittelpreisen austariert werden. So wollen wir etwa das Festbetragssystem so ausbauen, dass sie insgesamt sinken, ohne zu einem ruinösen Verdrängungskampf zu führen. Grundsätzlich erachten wir die Preis- und Ausgabenentwicklung bei den Generika momentan nicht als arzneimittelpolitisches Hauptproblem und fokussieren uns bei den Maßnahmen eher auf die Förderung der Therapiesicherheit.

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Welche Vorschläge haben Sie, um die bürokratische und innovationshemmende Mehrfachregulierung zu vereinfachen?
Wir können nur vermuten, dass mit der „innovationshemmenden Mehrfachregulierung“ das Nebeneinander von (EU-) Zulassung und (GKV-) Nutzenbewertung gemeint ist. Tatsächlich sehen auch wir hier unnötige Doppelstrukturen und bewerten das Messen mit zweierlei Maß als unnötiges Problem an. DIE LINKE setzt sich dafür ein, dass es frühzeitig einen Dialog zu den Studienanforderungen von G-BA/IQWiG und Hersteller in der Nutzenbewertung gibt, damit diese zuverlässig bei Phase 3-Studien der Zulassung berücksichtigt werden können. Grundsätzlich erachten wir das Nutzenkonzept mit den Parametern Morbidität, Mortalität und Lebensqualität als den besseren und moderneren Ansatz als das Wirksamkeitskonzept der Zulassung. Entsprechend wären die Zulassungskriterien anzupassen, was die Planbarkeit für Hersteller und die kritisierte Mehrfachregulierung deutlich reduzieren würde.

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OTCs sind wichtiger Bestandteil der Versorgung. Welche Maßnahmen planen Sie – etwa bzgl. einer Verbesserung der Arzneimittelversorgung für Kinder/Jugendliche –, indem Sie z.B. die Erstattungsgrenze für OTC von 12 auf 18 Jahre anheben und/oder Schwangere u. multimorbide Patienten einbeziehen?
DIE LINKE hat den Erstattungsausschluss von OTC-Arzneimitteln immer kritisiert und mehrfach im Bundestag beantragt, ihn wieder abzuschaffen. Es macht keinen Sinn, dass gerade die gut erprobten und risikoarmen Präparate von der Versorgung ausgeschlossen werden. Da sich bei den nichtrezeptpflichtigen Arzneimitteln viele Präparate tummeln, deren Wirksamkeit nicht wissenschaftlich anerkannt ist, fordern wir eine Positivliste mit medizinisch sinnvollen OTC-Präparaten und entsprechender Indikation, die dann ohne Antrag oder Einzelfallprüfung erstattungsfähig sind.