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Forum der Doktorandenvertretungen Baden-Württemberg

Doktorandenvertretungen BW

Forum der Doktorandenvertretungen Baden-Württemberg

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Es gibt verschiedene Formen, wie Promovierende ihren Lebensunterhalt finanzieren. Aktuell leben mehr als 10% der Promovierenden unterhalb der Armutsgrenze. Welche Defizite und Chancen sehen Sie in spezifischen Finanzierungs- und Beschäftigungsmodellen für Promovierende in Deutschland?
DIE LINKE steht für sichere und gut bezahlte Promotionsstellen. Dazu gehört für uns, dass Qualifikationsstellen zu 100% vergütet und Daueraufgaben durch Dauerstellen erledigt werden. Die ungleiche Bezahlung über Fachrichtungen hinweg und das Sonderbefristungsrecht im wissenschaftlichen Bereich müssen ein Ende haben. Die Honorare für Lehraufträge wollen wir erhöhen, sie müssen auch die Vor- und Nachbereitung abdecken. Zusätzlich wollen wir die Abhängigkeit Promovierender von einzelnen Lehrstühlen reduzieren und schlagen daher im Sinne eines Department-Modells eine Anstellung im jeweiligen Fachbereich vor. Mit den von uns geforderten Aufwüchsen in der Grundfinanzierung sollen mehr Stellen im wissenschaftlichen Mittelbau entstehen, sodass weniger Promovierende auf Stipendien oder außerwissenschaftliche Lohnarbeit angewiesen sind.

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Wie wollen Sie die Finanzierungs- und Beschäftigungsmodelle für Promovierende verbessern?
DIE LINKE fordert auskömmlich grundfinanzierte Hochschulen, den Trend, dass sich Hochschulen immer mehr aus Drittmitteln finanzieren müssen, wollen wir umkehren. Nur so sind sichere und langfristige Beschäftigungsverhältnisse finanzier- und gestaltbar. In Beschäftigungsverhältnissen, die dem Erreichen eines Qualifizierungsziels dienen, soll die zur Qualifizierung verfügbare Arbeitszeit zwei Drittel der vereinbarten Arbeitszeit, mindestens jedoch 20 Stunden pro Woche, nicht unterschreiten. Beschäftigte, die an einer wissenschaftlichen Qualifikation oder in einem Projekt arbeiten, das überwiegend aus Mitteln Dritter finanziert wird, soll zur Betreuung eines oder mehrerer eigener Kinder unter 18 Jahren eine Verlängerung ihrer befristeten Arbeitsverträge um die Dauer von zwei Jahren je Kind angeboten werden, um eine Benachteiligung insbesondere von Frauen zu verhindern.

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Wie stehen Sie zur ungleichen Bezahlung von Promovierenden in Abhängigkeit vom Promotionsfach, wie sie in den Hinweisen zur Vergütung von Promovierenden der DFG niedergelegt werden?
DIE LINKE lehnt die ungleiche Bezahlung von Promovierenden in Abhängigkeit ihres Promotionsfach ab. Wir sehen die damit einhergehende Abwertung der Geisteswissenschaften kritisch und wollen von der Fokussierung auf wirtschaftliche Verwertung von Wissenschaft Abstand nehmen. Unser Credo ist: Gleiches Geld für gleiche Arbeit.

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Zur Lage von Promovierenden mit Stipendium: Werden Sie sich dafür einsetzen, dass es eine mit Nicht-Stipendiat*innen gleiche Bezahlung und soziale Absicherung, insbesondere in der Kranken-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung gibt? Wie wollen Sie dies bewerkstelligen?
DIE LINKE sieht Förderungen über Stipendien aufgrund der fehlenden Sozialbeiträge kritisch. Der Normalfall sollte eine Promotion mit gleichzeitiger Beschäftigung an einer Hochschule sein. Dazu wollen wir mit einer besseren Grundfinanzierung der Hochschulen beitragen. Für bestehende Stipendien sollen Förderträger in Kooperation mit Hochschulen oder Forschungseinrichtungen die Stipendien an die Verhältnisse der Promovierenden mit Arbeitsvertrag, zum Beispiel mit sogenannten ‚top-up‘- Verträgen, anpassen oder die Stipendien in Verträge umwandeln.

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Entsprechend verschiedener Erhebungen benötigen Promovierende i. d. R. etwa vier Jahre bis zum Abschluss der Promotion, während Verträge und Stipendien allerdings nur drei Jahre lang ausgestellt werden. Wie können angemessene Laufzeiten für Stipendien bzw. Arbeitsverträge ermöglicht werden?
DIE LINKE will die Befristungsketten im wissenschaftlichen Mittelbau abschaffen. Aktuell haben Promovierende bis zum Abschluss im Durchschnitt 3,4 Verträge, weil die durchschnittliche Vertragslänge nur 22 Monate beträgt. Arbeitsverträge in der Promotionsphase müssen den üblichen Zeiträumen der Qualifizierungsphase entsprechen. Dazu wollen wir garantierte Mindestlaufzeiten für Arbeitsverträge während der Promotion in einer Novelle des Wissenschaftszeitvertragsgesetz festschreiben. Um die längeren Verträge zu finanzieren, wollen wir die Grundfinanzierung der Hochschulen verbessern. Wissenschaft sollte nicht von Drittmittelgebern abhängig sein, sondern interessengeleitet forschen können. Nur eine auskömmliche Grundfinanzierung kann langfristige Beschäftigungsverhältnisse garantieren und so die Situation der Promovierenden verbessern.