Wahlprüfstein Bundestagswahl 2021
Berufsverband der Deutschen Kieferorthopäden e.v.
BV Kieferorthopäden
Berufsverband der Deutschen Kieferorthopäden e.v.
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Welche Vorteile und welche Nachteile sehen Sie für eine Gewährleistung der medizinischen Versorgung durch freiberuflich tätige Zahnärzte und Ärzte? Welche Bedeutung kommt dabei einer fach(zahn)ärztlichen Versorgung der Bevölkerung zu?
Medizinische Entscheidung von Ärzt*innen müssen frei von wirtschaftlichen Zwängen zum Nutzen der Patient*innen getroffen werden können. Zahnarztpraxen sind noch mehr als Arztpraxen im Fokus von Investoren, da sich hier u.a. noch mehr Möglichkeiten für eine stärkere Privatliquidation heben lassen und so der Wert des Unternehmens für den raschen Wiederverkauf gesteigert werden kann. Der Kampf gegen Private-Equity & Co. wird jedoch nicht einfach, weil die anderen Fraktionen im Bundestag hier sehr zögerlich sind. Selbst die von uns eingebrachte Minimalforderung, ein Register zu schaffen, das der Öffentlichkeit wenigstens einen Einblick in den Anteil der Praxen/MVZ im Besitz von Kapitalgesellschaften gewährt hätte, wurde von CDU/CSU, SPD, AfD und FDP bei Enthaltung der Grünen abgelehnt (vgl. Bundestags-Drucksache 19/29373). Wir arbeiten zu diesem Thema gerne auch in der nächsten Wahlperiode mit zahnärztlichen Organisationen gerne zusammen.
Themen:
Gesundheit und Pflege
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In der politischen Diskussion im Vorfeld der Wahl wird viel über die Einführung einer Bürgerversicherung gestritten. Wie stehen Sie dazu? Welche Vor- und welche Nachteile haben die Abschaffung bzw. Beibehaltung der dualen Krankenversicherung? Wie kann in dem von ihnen favorisierten System die Abbildung von medizinischen Innovationen gewährleistet werden?
Gerade Zahnärztinnen und Zahnärzten ist durchaus bewusst, welche Unterschiede in der Versorgung durch das duale System angereizt werden. Aus unserer Sicht gibt es keinerlei Grund, Menschen unterschiedlich zu versorgen. Durch unser Konzept einer Solidarischen Gesundheitsversicherung würde der Beitragssatz von derzeit 15,9 Prozent auf gut 12 Prozent des Bruttolohns sinken. Etwa 90 Prozent der Bevölkerung würde durch dieses Konzept finanziell entlastet, auch viele Selbstständige und Rentner*innen. Für Arbeitseinkommen unter 6.300 Euro sinken die Beiträge. Durch diese besseren Finanzierungsspielräume werden die Verteilungsmöglichkeiten erweitert und damit ergibt sich auch mehr Raum für medizinische Innovationen. Die Zahnmedizin und gerade auch die Kieferorthopädie sind derzeit der Bereich, in dem am meisten selbst gezahlt werden muss. Das wollen wir dringend ändern und tatsächlich alles Notwendige in guter Qualität ohne Zuzahlungen finanzieren.
Themen:
Gesundheit und Pflege
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Die Bürokratie in den Praxen der Zahnärzte und Ärzte nimmt seit Jahren zu. Alle Parteien wollen die Bürokratie im Gesundheitswesen abbauen. Können Sie drei konkrete Maßnahmen in der vertragszahnärztlichen, insbesondere kieferorthopädischen. Versorgung benennen, mit denen Sie nach der Wahl Bürokratie abbauen würden?
Selbstverständlich sind wir bereit, Bürokratie abzubauen, wo sie keinen Nutzen hat. Dokumentation zu Haftungs- und Qualitätszwecken sehen wir jedoch als unverzichtbar an. Wenn unser Konzept der Solidarischen Gesundheits- und Pflegeversicherung umgesetzt wird, dann wäre allerdings in der Tat viel weniger Bürokratie in der Privatliquidation, der Aufklärung darüber, der Rechnungsstellung und dem Einzugsmanagement notwendig.
Themen:
Gesundheit und Pflege
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Einmal ganz allgemein gefragt: Warum sollten unsere Mitglieder Ihre Partei wählen?
Weil DIE LINKE für eine Gesundheitsversorgung eintritt, die hohe Qualität und Menschlichkeit miteinander verbindet. Die bisherigen Bundesregierungen haben durch den Wettbewerb die Gesundheitsversorgung immer weiter ökonomisiert. Der finanzielle Druck bringt alle Beteiligten dazu, ihren eigenen Vorteil immer öfter vor die Interessen der Patientinnen und Patienten zu stellen. Das und die Gewöhnung der Patient*innen an Zuzahlungen bei Kieferorthopädie ist auch der Grund, warum es online-Aligner-Therapien gibt. Ebenso ist nur durch die steigende Kommerzialisierung im Gesundheitssystem der Markteintritt von Private-Equity-Unternehmen und anderen Investoren, die mit Gesundheit nichts am Hut haben, zu erklären, die die Einzelpraxen immer stärker unter Druck setzen. Wir wollen den Wettbewerb zwischen und innerhalb der Krankenkassen und den Leistungserbringenden zurückdrängen. Das ist auch der beste Schutz der Freiberuflichkeit.
Themen:
Gesundheit und Pflege