Wahlprüfstein Bundestagswahl 2021
Lebenshilfe Berlin gGmbH
Lebenshilfe Berlin
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1
- Wie sieht dein Plan bezüglich der Zukunft von Behindertenwerkstätten aus?
- Welche Pläne und Visionen hast du in diesem Bereich?
- Wie könnte der Arbeitsmarkt inklusiver gestaltet werden? (hinsichtlich Schulungen für Personal, Schutzräume, Förderungen…)
- Woran liegt es, dass in Deutschland noch keine Wege wie in Großbritannien eingeschlagen wurden?
- Mehr Projekte wie Job Brücke der Diakonie? Warum läuft so etwas wichtiges auf Ehrenamtsbasis laufen?
- ThinkTank mit einer WfbM, Hochschule, Expert*innen, … ?
- Orte für Begegnungen (vgl. Brotfabrik, Kooperation Stiftung/Aktion Mensch/Die Linke)
Wir wollen einen inklusiven Arbeitsmarkt, langfristige und bedarfsdeckende Förderungen für Menschen mit Behinderungen schaffen. DIE LINKE will die Ausgleichsabgabe deutlich anheben. Initiativen zum Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit müssen auch Menschen mit Behinderungen einschließen. Inklusionsunternehmen mit sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung sind deutlich stärker zu fördern und auszuweiten. Werkstätten wollen wir Schritt für Schritt überflüssig machen – mithilfe von sofort durchsetzbaren Ausstiegsstrategien, Zeitplänen und durch Anreize für die Beschäftigung bei öffentlichen und privaten Arbeitgebern im allgemeinen Arbeitsmarkt. Dabei ist sicherzustellen, dass Menschen mit Behinderungen keine Minderung ihres sozialen Schutzes bzw. der Alterssicherung erfahren, die an die Werkstätten geknüpft sind. Als einen Zwischenschritt für Werkstattbeschäftigte betrachten wir die sofortige Einführung des Tarif- bzw. des gesetzlichen Mindestlohnes. Das Budget für Arbeit ist zu stärken.
2
- Ideen und Pläne für ein inklusiveres Schul- bzw. Bildungssystem?
- Wie würdet Ihr an diese Thematik herangehen?
Der Rechtsanspruch auf inklusive Bildung und das Recht auf das gemeinsame Lernen in einer Regelschule gehört in jedes Schulgesetz. DIE LINKE will barrierefreie Schulen für alle Kinder schaffen, die sich nicht nur auf die baulichen Bedingungen konzentrieren. Sie müssen über adäquate Ausstattung und Qualifizierung bei Personal, Assistenzleistungen, Lehr- und Lernmitteln sowie sonstigen Hilfsmitteln für jedes Kind verfügen. Wir wollen ein Zwei-Lehrer*innen-System umsetzen, als eine der Rahmenbedingungen, mit der wir Förderschulen überflüssig machen. Inklusion darf nicht davon abhängig gemacht werden, wie viel sie kostet! Bund, Länder und Kommunen müssen ein Investitionsprogramm »Inklusive Bildung« auflegen, um Bildungseinrichtungen umfassend barrierefrei umzubauen und auszustatten. DIE LINKE will eine inklusive Schule, in der alle Kinder und Jugendlichen willkommen sind und gemeinsam mit- und voneinander lernen. Schulsozialarbeit muss ein fester Bestandteil von schulischer Arbeit werden.
3
- Welche Maßnahmen zum Schutze von Menschen mit Behinderung in Wohnstätten von Seiten der Politik gibt es? Hat das Thema die Politik überhaupt tangiert?
- Was wird versucht um alternative und inklusivere Wohnformen zu fördern?
- Welche verpflichtenden präventiven Maßnahmen von Seiten der Politik gibt es um solche Vorfälle zu vermeiden? (Kontrollen, verpflichtende Schulungen für Mitarbeiter*innen, Anhörung von Bewohner*innnen-Räte, ggf. aber auch Behinderten-Quote in Wohnstätten + verpflichtendes Mitbestimmungsrecht bei Personalentscheidungen zukünftiger Betreuer*innen?)
- Der Fachkräftemangel im Sozialen Bereich ist nicht zu verschweigen. Häufig wird zudem unter anderem Überforderung als Ursache für mögliche Gewalt angeführt. Wie würdest du dieses Problem im Allgemeinen angehen?
Gewalt in Einrichtungen ist völlig inakzeptabel. Unabhängige Kontrollen unter Beteiligung der ExpertInnen in eigener Sache sind notwendig. Auch will DIE LINKE die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung in der Eingliederungshilfe verbessern. Tarif- und Entgeltsteigerungen sowie bedarfsgerechte Personalausstattung müssen vollumfänglich vom Kostenträger refinanziert werden. Aus- und Fortbildung muss in allen Gesundheits- und Sorgeberufen gebührenfrei werden. Wir fordern bundeseinheitliche Regelungen für die Anerkennung von Heilerziehungspflegern*innen als Fachkräfte in der Behindertenhilfe.
Um dem gesamten Fachpersonal mehr Sicherheit im bedarfsgerechten und diskriminierungsfreien Umgang mit Menschen mit Behinderungen zu vermitteln, setzen wir uns für die Implementierung spezieller Module in Aus-, Fort- und Weiterbildung ein. Diese sind von fachkundigen Peerkräften durchzuführen. Auch bedarf es einer Investitionsoffensive, um mehr inklusive Wohnangebote zu entwickeln und zu schaffen.
4
- Wie stehen Sie zu dieser Thematik?
- Was sind Lösungsansätze? Ist der Politik dieses Thema überhaupt bewusst?
Die neue Elektromobilität darf nicht zu neuen Gefährdungen führen. Menschen mit Behinderungen und ältere Menschen geraten schnell wegen der lautlosen Elektrofahrzeuge und E-Scooter (E-Tretroller) in gefährliche und schmerzhafte Situationen. Daher besteht Handlungsbedarf. DIE LINKE fordert Vorgaben für Automobilhersteller den sofortigen serienmäßigen Einbau eines Warngeräusches („Acoustic Vehicle Alerting System“ – AVAS) in alle Elektrofahrzeuge vorzunehmen. Alle Hybrid- und Elektrofahrzeuge müssen bereits jetzt serienmäßig mit einem AVAS-System ohne Pausenschalter ausgestattet werden. Das Nachrüsten aller Hybrid- und Elektrofahrzeuge, die ohne ein AVAS zugelassen wurden, ist technisch zu ermöglichen.
Auch muss das Verbot von E-Scootern auf Gehwegen durchgesetzt werden. Dafür sind Kontrollen und Sanktionen notwendig. Das unrechtmäßige Abstellen auf Gehwegen muss verhindert werden. Ebenfalls ist bei der Zulassung verbindlich eine Glocke/Klingel mit einer minimalen Lautstärke festzulegen.
5
- Warum hat das aktuelle Barrierefreiheitsstärkungsgesetz im Bundestag bisher so wenig Aufmerksamkeit erhalten und wie soll das in Zukunft angegangen werden?
- Sind Ihnen aktuell weitere konkrete Gesetzesvorhaben bekannt, die angedacht oder bereits in der Umsetzung, um die Situation rund um Menschen mit Behinderungen zu verbessern und ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft, bei der Arbeit oder im sozialen Bereich zu stärken.
- Welche Entwicklungen wünschen sie sich für die Zukunft, um die Inklusion von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in Deutschland voranzubringen.
- Wie kann es sein, dass bezüglich Barrierefreiheit und Inklusion immer noch selten die Betroffenen selbst gefragt werden und einfach andere über unsere Köpfe hinweg entscheiden? Welche Ideen/Möglichkeiten/Vorschläge gibt es hier zur Verbesserung?
Das neue Gesetz ist ungenügend, da es z.B. die bauliche Umwelt ausspart. DIE LINKE fordert Barrieren in allen Lebensbereichen abzubauen. Auch die Privatwirtschaft muss umfassende Barrierefreiheit ermöglichen. Wir wollen dazu verbindliche Regelungen in das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz und in das Behindertengleichstellungsgesetz aufnehmen, mit denen private Anbieter*innen von öffentlich zugänglichen Gütern und Dienstleistungen zur Herstellung von Barrierefreiheit verpflichtet werden. Öffentliche Investitionen und Fördergelder müssen an Barrierefreiheit gebunden werden.
Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen müssen zu einem selbstbestimmten Handeln befähigt werden. DIE LINKE fordert die Erarbeitung von transparenten Kriterien für barrierefreie und wirksame Beteiligungsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen und ihre Selbstvertretungsorganisationen/Verbände zusammen mit diesen selbst. Diese Kriterien müssen danach gesetzlich verbindlich festgeschrieben werden.