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ADEXA - Die Apothekengewerkschaft
Apothekengewerkschaft
ADEXA - Die Apothekengewerkschaft
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Die SARS-CoV-2-Pandemie hat gezeigt, dass öffentliche Apotheken deutlich mehr leisten können als die Beratung zu Arzneimitteln und deren Abgabe. Sollen Präsenzapotheken künftig weitere Aufgaben übernehmen, etwa im Bereich von Impfungen oder Diagnostik?
Die Förderung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) ist eine zentrale Aufgabe von Apotheker*innen und zugleich ein prioritäres Ziel linker Arzneimittelpolitik. Hier können pharmazeutische Kompetenzen deutlich stärker genutzt werden, unter anderem mit weitreichenden neuen pharmazeutischen Dienstleistungen. Erfahrungen aus dem Ausland zeigen, dass Apotheker*innen nicht nur auf Krankenhausstationen, sondern auch in enger Kooperation mit Arztpraxen die Versorgungsqualität erhöhen können. Aufsuchende Pharmazeutische Betreuung von multimorbiden Patient*innen und älteren Menschen oder ein digitales Medikationsmanagement können erste neue Aufgaben sein.
Grundsätzlich befürworten wir auch Impfungen in Apotheken bei entsprechender Schulung des Personals, etwa zur Behandlung bei Unverträglichkeiten. Angesichts zahlreicher Probleme in der Adhärenzförderung, bei Multimedikation oder in der Heimversorgung priorisieren wir die Impfung als Kompetenzerweiterung jedoch nicht.
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In Deutschland entwickelt sich die Zahl an öffentlichen Apotheken rückläufig. Die Gründe sind vielfältig. So wurden die Honorare für Apothekenleistungen in den letzten Jahren nicht erhöht. Planen Sie, die Honorierung öffentlicher Apotheken zu verbessern? Und falls ja, wie?
DIE LINKE will, dass die fachlich anspruchsvolle Arbeit der Apotheker*innen auch gut entlohnt wird. Wir unterstützen die Gewerkschaft, den Beruf durch höhere Abschlüsse attraktiver zu machen und die Bezahlung nicht in individuellen Vereinbarungen, die Frauen systematisch benachteiligen, festzulegen. Darüber hinaus müssen neue Vergütungsmodelle umgesetzt werden, um den gefährlichen Rückgang der Apothekenzahlen zu stoppen. Inwieweit die im VOASG beschlossenen zusätzlichen pharmazeutischen Dienstleistungen und deren Honorierung hier für eine Trendumkehr sorgen, ist offen. Wir fordern die beiden Vertragspartner Apothekerverband und GKV auf, mutig neue Wege zu gehen und die Aufgaben der Apotheken zum Beispiel im Rahmen von Arzneimitteltherapiesicherheit, Adhärenz oder auch Prävention im Interesse der Patientinnen und Patienten wirklich auszuweiten. Zudem fordert DIE LINKE staatliche Unterstützung für die Apotheken, die von dem Konkurs des Abrechnungszentrum AvP betroffen sind.
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Der Versandhandel mit Arzneimitteln ist umstritten, vor allem der Rx-Versand. Wie bewerten Sie dies? Sind Änderungen geplant?
DIE LINKE lehnt als einzige Partei die Legalisierung des RX-Versandhandels seit seinem Bestehen ab, weil Versorgungssicherheit und -qualität beschädigt und die wohnortnahe Versorgung ausgehöhlt wird. Vor allem fehlt die individuell angepasste face-to-face-Beratung. Arzneimittelversender beteiligen sich auch nicht oder wenig an aufwändigen, aber notwendigen Aufgaben wie Nacht- und Notdienst, Rezepturherstellung oder BtM-Abgabe. Zudem dürfen ausländische Apotheken nach wie vor bei Privatrezepten Rabatte anbieten, die Präsenzapotheken verboten sind. Auch Menschen mit intensivem Beratungsbedarf wenden sich eher an eine Präsenzapotheke, was diese Ungleichbehandlung verstärkt. Solange politische Mehrheiten für ein Versandhandelsverbots mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln fehlen, müssen zumindest Qualitätsvorgaben patientengerecht und analog zu den Präsenzapotheken ausgestaltet werden: für Beratungspflicht, Temperaturkontrollen im Transport, Lagerungsvorschriften und für vieles mehr.
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In öffentlichen Apotheken herrscht seit Jahren ein Mangel an Fachkräften, der sich nach aktuellen Prognosen dramatisch zuspitzen wird. Der Bedarf an pharmazeutischen Leistungen wird jedoch steigen. Welche Maßnahmen halten Sie für nötig, um in einer alternden Gesellschaft die Apothekenberufe (Apotheker:innen, PTA, PKA) attraktiver zu machen?
Apotheker*innen werden, verglichen mit anderen Akademiker*innen im Gesundheitsbereich laut Tarifvertrag in öffentlichen Apotheken unterdurchschnittlich bezahlt. Auch die schlechte Vergütung der PKA, die mit einer dreijährigen, anspruchsvollen Ausbildung zu den Geringverdienenden zählt, muss angehoben werden. Für die belastenden Nachtdienste muss die Bezahlung steigen. Wir unterstützen hier die Gewerkschaft, den Beruf durch höhere Abschlüsse attraktiver zu machen. Die Niederlassung hat für viele junge Pharmazeut:innen an Attraktivität verloren. Wir wollen Anreize für Tätigkeiten im ländlichen Raum schaffen und mehr Unterstützungsangebote für Gründungsinteressenten entwickeln. Wir unterstützen neue Formen der angestellten Tätigkeit, die weniger örtliche Bindung, weniger wirtschaftliches Risiko besonders im ländlichen Raum und familien-freundliche Arbeitszeiten (work-life-balance) bedeuten.
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Welche Maßnahmen sollen dafür sorgen, dass die Arbeitsplätze in Deutschland familienfreundlicher werden und die Chancen von Frauen, insbesondere auch berufstätigen Müttern und Alleinerziehenden, sich verbessern?
Wir wollen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf deutlich verbessern. Ein stärkerer Einsatz von Arbeitgeber*innen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf muss verbindlich gesetzlich festgeschrieben werden. Arbeitsbedingungen müssen sich an den Bedürfnissen von Familien orientieren, nicht an den Profitinteressen der Unternehmen. Daher fordern wir Arbeitszeitmodelle, die es Müttern und Vätern ermöglichen, ihren Beruf mit Familie und Privatleben unter einen Hut zu bringen. Statt einer Flexibilisierung der Arbeitszeit, die sich lediglich an betrieblichen Erfordernissen orientiert, brauchen die Beschäftigten Zeitautonomie und eine Erwerbsarbeit, die zum Leben passt und sich an die Anforderungen der unterschiedlichen Lebensphasen anpassen kann. Eltern brauchen besonderen Kündigungsschutz bis zur Vollendung des sechsten Lebensjahres des Kindes. Eltern brauchen Betreuungseinrichtungen, die flexible Öffnungszeiten haben, damit eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewährleistet ist. Wir fordern darüber hinaus, dass die Förderung zum (Wieder-)Einstieg ins Berufsleben zu verbessern ist, vor allem für Alleinerziehende. Dazu bedarf es flächendeckend konkreter Unterstützungsangebote, Angebote zur Weiterbildung aber auch zur sozialen Vernetzung.
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Mit welchen Konzepten will Ihre Partei Renten zukunftssicher machen und Altersarmut bekämpfen?
DIE LINKE will die Gesetzliche Rentenversicherung (GRV) wieder zur tragenden Säule der Altersvorsorge machen. Darum wollen wir das Rentenniveau wieder auf 53 Prozent anheben, Zeiten der Ausbildung, des Studiums und die Pflege von Angehörigen bei der Rentenberechnung höher bewerten als bislang. Damit kann die Rente aus der GRV wieder allein den Lebensstandard im Alter sichern. Und wer trotzdem im Alter ein zu geringes Einkommen und kein sehr großes Vermögen hat, dessen Alterseinkommen wird auf 1200 Euro netto im Monat angehoben. Zudem wollen wir die GRV zu einer echten Erwerbstätigenversicherung umbauen, in der alle mit ihrem Arbeitseinkommen pflichtversichert sind, also auch Abgeordnete, Beamte, Richterinnen und Selbstständige.
Diese Reformen sind durchaus finanzierbar: Die Anhebung des Rentenniveaus auf 53 Prozent wäre schon mit einer leichten Anhebung des Beitragssatzes von jetzt 18,6 Prozent auf 20,6 Prozent gegenfinanziert. Für einen Durchschnittsverdiener wären das lediglich 34 Euro im Monat. Der Beitrag in die unsinnige Riester-Rente kann dafür komplett entfallen.
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Welche Bedeutung messen Sie den Gewerkschaften und Tarifverträgen bei? Sind hier unterstützende Maßnahmen geplant? Planen Sie Änderungen in den Bereichen Mitbestimmung und Arbeitnehmerrechte?
DIE LINKE misst der Erhöhung der Tarifbindung eine zentrale Bedeutung bei und möchte die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften stärken, etwa indem prekäre Beschäftigungsformen zurückgedrängt werden.
Auch ist die Allgemeinverbindlicherklärung von Tarifverträgen zu erleichtern. Und wir wollen ein Tariftreuegesetz auf Bundesebene, das sicherstellt, dass öffentliche Aufträge nur noch an Unternehmen vergeben werden, die Tariflöhne zahlen. Außerdem ist Tarifflucht zu erschweren, u.a. indem OT-Mitgliedschaften im Arbeitgeberverband verboten werden.
Des Weiteren wollen wir die Gründung von Betriebsräten insbesondere in kleinen, mittelständischen Unternehmen und Filialbetrieben gesetzlich erleichtern und Initiatoren und Betriebsräte besser vor mitbestimmungsfeindlichen Arbeitgebern schützen. Gleichzeitig sollen die Mitbestimmungsrechte an die heutige Arbeitswelt angepasst und entsprechend ausgeweitet werden.
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Welche Bedeutung hat der gesetzliche Mindestlohn für Sie? Welche Höhe sollte dieser in der kommenden Legislaturperiode erreichen?
DIE LINKE möchte den gesetzlichen Mindestlohn auf 13 Euro erhöhen. Die Bedeutung des gesetzlichen Mindestlohns liegt darin begründet, dass in Deutschland sehr viele Menschen zum Niedriglohn arbeiten, u.a. weil die Arbeitsmarktgesetzgebung viele Menschen dazu zwingt, jede Arbeit unabhängig vom Lohn und der beruflichen Qualifikation anzunehmen, die Tarifbindung zurückgegangen ist, geringfügige Beschäftigungsverhältnisse und Leiharbeit eine angemessene Lohnentwicklung über viele Jahre verhindert haben. Die Arbeitslosigkeit ist zudem – anders als vielfach berichtet – keineswegs niedrig, sondern weit von Vollbeschäftigung entfernt; die Zahl der offenen Stellen ist viel niedriger, als die Zahl der Arbeitslosen. Diese Situation am Arbeitsmarkt erschwert es vielen, angemessen hohe Löhne zu verdienen. Der gesetzliche Mindestlohn zieht hier eine Untergrenze, liegt derzeit aber zu niedrig, um den Niedriglohnsektor zu überwinden und Altersarmut zu vermeiden.