Wahlprüfstein Bundestagswahl 2021
Forum Nachhaltige Holzenergie
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Durch welche Maßnahmen plant Ihre Partei den Kohleausstieg und damit Wärmewende und Dekarbonisierung der Stromproduktion in Deutschland zu beschleunigen? Welche Rolle spielt feste Biomasse in Ihrem Konzept?
Für DIE LINKE ist der Kohleausstieg bis 2030 nicht nur eine klimapolitische Notwendigkeit, sondern auch die Chance, Energieversorgung und Netze stärker zu regionalisieren. Die Energiewende, für die sich DIE LINKE stark macht, basiert auf dezentralen Lösungen, die regionale Möglichkeiten optimal ausschöpft. Dafür wollen wir insbesondere kommunale Stadtwerke, Energiegenossenschaften und Bioenergiedörfer unterstützen. Feste Biomasse kann je nach Region eine wichtige Rolle einnehmen. Oberstes Ziel bei der Wärmewende ist eine möglichst hohe Gebäudeeffizienz. Deshalb fordern wir eine Verdreifachung der Sanierungsquote. Erreichen werden wir dies über einen bundesweiten Klimacheck aller Gebäude bis 2025, der verbindliche gebäudescharfe Stufenpläne zur Sanierung erhebt, sowie ein „Sofortprogramm klimagerechte und sozialverträgliche Erneuerung von Siedlungsbauten der Nachkriegszeit“. Nah- und Fernwärmenetze sollen, wo möglich, über Abwärme von Industrieanlagen oder Rechenzentren gespeist werden – aber auch die Nutzung von Erdwärme oder Biomasse kann hier sinnvoll sein.
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Wie soll die langfristige Versorgungssicherheit auf der Basis erneuerbarer, klimaneutraler, Quellen gewährleistet werden? Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht hierbei Biomasse insbesondere aus nachhaltig wirtschaftender Forstwirtschaft? Gibt es Übergangslösungen?
Wir halten ein Zusammenspiel von allen verfügbaren erneuerbaren Energien für sinnvoll. Die Hauptlast einer Vollversorgung mit erneuerbaren Energien werden Windkraft und Photovoltaik leisten, die durch Energiespeicher, Sektorkopplung und flexibilisierten Verbrauch, aber auch durch steuerbare Kraftwerke mit Biomassenutzung stabilisiert werden. Das begrenzte Potenzial nachhaltiger Holzenergie sollte vor allem dort zum Einsatz kommen, wo es keine besseren Alternativen gibt. Heimisches Holz aus zertifizierten Wäldern ist in erster Linie ein wichtiger Rohstoff für eine sozial-ökologische Bauwende.
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Vor dem Hintergrund eines prognostizierten maximalen "Gesamtload" von zusätzlich absolut 600 Gt - 800 Gt, um die Erderwärmung auf 1,5 °C begrenzt zu halten – welche konkreten Ansätze sieht Ihre Partei, die verbleibenden 15–20 Jahre effektiv für den Klimaschutz zu nutzen?
Wir schlagen ein milliardenschweres Investitionsprogramm vor, das den öffentlichen Personennahverkehr massiv ausbaut und attraktiver macht, die Sanierungsquote bei Gebäuden verdreifacht und sozial gerecht macht, den Ausbau der erneuerbaren Energien wieder voranbringt und die Industrie dabei unterstützt, auf klimaneutrale Produktion und Produkte umzustellen und zugleich Arbeitsplatz- und Einkommensgarantien für die Beschäftigten zu sichern. Die Nutzung fossiler Energieträger muss so schnell wie möglich zurückgefahren werden, dazu gehören aus unserer Sicht auch ein baldiges Verbot von Ölheizungen, ein Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor bis spätestens 2030 und der Kohleausstieg bis 2030.
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Wie sieht Ihre Partei vor diesem Hintergrund die Bestrebung der EU-Kommission und der Bundesrepublik Deutschland, die nachhaltige Holznutzung weiter zu beschränken, zumal für die nachhaltige Produktion von Holzpellets Reste der Kaskadennutzung verarbeitet werden?
Die nachhaltige Waldwirtschaft und die Verwendung von Holz in der Kaskade muss in zukünftigen Klimaschutzinitiativen auf nationaler und EU-Ebene mit berücksichtigt werden. Die Novelle des Klimaschutzgesetzes und das Fit for 55-Paket greifen hier noch zu kurz. Das hat DIE LINKE wiederholt kritisiert.
DIE LINKE strebt zudem eine langfristige Holzbau-Strategie an. Holz ist ein wertvoller nachwachsender Rohstoff und muss sorgsam genutzt werden, da er lange Wachstumszyklen hat. Wichtig ist eine Nutzungsstrategie für Holz in der Kaskade von stofflicher zu energetischer Nutzung. Die stoffliche Nutzung von Holz muss durch eine prioritär regional verankerte Verarbeitung, Vermarktung und Nutzung gestärkt und auf die einheimische Versorgung zu fairen Preisen gesichert werden.
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Werden Sie sich für eine Klima- und Energiepolitik einsetzten, die im Sinne der Technologieoffenheit nachhaltig erwirtschaftete Holzenergie als pragmatische Lösung zur Einsparung von fossilen CO2-Emissionen umsetzten wird?
DIE LINKE strebt eine Holz-Nutzungsstrategie in der Kaskade von stofflicher zu energetischer Nutzung an. Damit mehr Holz zunächst als Baumaterial genutzt werden kann, müssen unnötige rechtliche Hürden beseitigt werden. Gleichzeitig muss die Nutzung so erfolgen, dass eine nachfolgende stoffliche oder energetische Nutzung möglich bleibt. Auch eine verbesserte Altholznutzung muss ambitionierter angepackt werden. Außerhalb aktueller Notsituation wie in den Jahren 2019 und 2020 mit großer Schadenslage, ist die sofortige Verbrennung eine Vergeudung dieser wertvollen Ressource, deren Weg eigentlich vom Baum zum Balken zur Holzspanplatte und dann zu Hackschnitzeln führen muss. Das ermöglicht auch die langfristige Bindung von CO2 in Holzprodukten und leistet somit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz über die Nutzung als erneuerbare Energie hinaus. Dabei müssen auch die Substitutionseffekte der Holznutzung berücksichtigt werden.
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Will Ihre Partei die Nutzung von nachhaltiger Holzenergie im Kraftwerkseinsatz und energie-intensiven Industrien zur Substitution von Kohle stärken und wenn ja, wie?
Das begrenzte Potenzial nachhaltiger Holzenergie sollte vor allem dort zum Einsatz kommen, wo es keine besseren Alternativen gibt, etwa bei bestimmten Industrieprozessen der Grundstoffchemie. Hier setzen wir uns für eine gezielte Förderung ein, die Industriebetriebe bei der Umstellung auf klimaneutrale Produktion unterstützt und mit Arbeitsplatz- und Einkommensgarantien für die Beschäftigten verbunden ist.
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Welche gesetzlichen Maßnahmen werden Sie auf Bundesebene ergreifen, um die Anerkennung von nachhaltiger Holzbiomasse als CO2-neutral zu gewährleisten?
Heimisches Holz aus zertifizierten Wäldern ist in erster Linie ein wichtiger Rohstoff für eine sozial-ökologische Bauwende, um wegzukommen von der verheerenden Klimabilanz herkömmlicher Baustoffe wie etwa Beton. Die energetische Nutzung von hochwertigem Holz ist auch aufgrund der Flächenverfügbarkeit und aufgrund von Nutzungskonflikten zu schade und muss am Ende der Nutzungskaskade stehen. DIE LINKE lehnt die Förderung von Holz als erneuerbarer Energie in Biomasse-Anlagen ab. Eine Förderung von Brennholz für Kamine feuert den Markt etwa in Osteuropa an. Die Herkunft von Brennholz ist oft nicht nachzuweisen. Der weltweite illegale Handel mit dem Rohstoff Holz, Raubbau und Waldvernichtung gefährden Ökosysteme und das Klima. Unter Berücksichtigung des langen Lebenszyklus von Bäumen kann Holz als klimaneutral gelten, wenn es aus zertifizierter nachhaltiger und regionaler Waldwirtschaft stammt und die Kaskadennutzung von Holz berücksichtigt wird. Allerdings sind Wälder (auch Nutzwälder) große CO2-Speicher und spielen daher eine wichtige Rolle als Kohlestoffsenke.
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Planen Sie die in Deutschland verwendete Holzbiomasse regional einzuschränken oder Handelsbeschränkungen für nach EU-Richtlinien als nachhaltig zertifizierte Biomasse?
Die Verwendung von Holzbiomasse muss prioritär regional verankert werden, um lange Transportwege zu vermeiden und gleichzeitig den heimischen Holzmarkt deutlich stärker vor Spekulationsblasen des Weltmarkts zu schützen. Beides muss Teil einer langfristigen Holznutzungsstrategie sein. Beim Bau öffentlicher Einrichtungen sollte vorzugsweise regional- und europäisches Holz verwendet werden, dies sollte Teil einer Holzbaustrategie sein. Handelsbeschränkungen sieht DIE LINKE nicht vor.