Wahlprüfstein Bundestagswahl 2021
Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V.
Allergie- und Asthmabund
Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V.
1
Wie wird Ihre Partei sich einsetzen, um die Diagnostik bei allergischen Erkrankungen zu verbessern und eine frühzeitige Allergie-Diagnostik und ärztliche Behandlung in Deutschland zu fördern?
Allergien können jede und jeden treffen und auch plötzlich auftauchen. Noch immer werden sie teilweise als Allerwelts-Erkrankung bagatellisiert und damit schwere Langzeitschäden wie Asthma provoziert. Entsprechend ist es wichtig, dass alle ärztlichen Fachrichtungen, insbesondere Hausärzt*innen die Anzeichen einer Allergie erkennen und falls notwendig die Patient*innen einer spezialisierten Behandlung zuführen. Allergologie sollte daher im Medizinstudium und vor allem auch in der allgemeinmedizinischen Weiterbildung und in Fortbildungen aufgewertet werden.
Unterbelichtet ist nach wie vor der Bereich Prävention. Viele Zusammenhänge bei der Entstehung von Allergien oder möglichen Schutzmechanismen sind bis heute nicht bekannt. Hier fordern wir mehr staatliche Forschung, über krankmachende und gesundheitsfördernde Einflussfaktoren und sinnvolle Präventionsmaßnahmen im Elternhaus, in der Kita, am Arbeitsplatz etc.
Themen:
Verbraucherschutz,
Gesundheit und Pflege
2
Wird Ihre Partei sich dafür einsetzen, dass die Versorgung der Neurodermitiker*innen verbessert und beispielsweise die Basistherapie zur Hautpflege bei Neurodermitis erstattet wird?
DIE LINKE setzt sich seit Langem für eine Ausweitung des Leistungskatalogs in der GKV ein. Das betrifft etwa medizinisch notwendige nichtrezeptpflichtige Arzneimittel und würde auch verordnete antiallergische Arzneimittel wie Cetirizin und Loratadin betreffen. Die Altersgrenzen von 12 Jahren (18 bei Entwicklungsstörungen) für die Erstattung durch die Krankenkassen würden damit entfallen. Wichtig ist zudem die Erstattung nichtärztlicher Behandlungen wie die Ernährungstherapie bei Lebensmittelallergien. Auch die Versorgung mit notwendigen Hilfs- und Verbandmitteln wollen wir vereinfachen (z.B. Abschaffung des Antragsverfahrens) und das Hilfsmittelverzeichnis aktualisieren.
Auch für die angezeigte Basistherapie bei Neurodermitis mit sinnvollen Pflegeprodukten fordern wir seit Langem die Aufnahme in den Leistungskatalog der Krankenkassen. Schließlich darf für die Versorgung nicht der rechtliche Status des Produkts entscheidend sein, sondern der Nutzen für die Patient*innen.
Themen:
Verbraucherschutz,
Gesundheit und Pflege
3
Welche Maßnahmen will Ihre Partei umsetzen, um die Aufnahme des Themas „Notfallmanagement bei Anaphylaxie“ in Erste Hilfe-Trainingskurse/ Schulungen von Erzieher*innen und Lehrer*innen zu gewährleisten?
Maßnahmen zur Schockbekämpfung werden bereits zurecht in den unterschiedlichen Erste-Hilfe-Ausbildungen gelehrt, auch bei Kursen für Menschen, die Kinder betreuen. Hierzu gehört auch der anaphylaktische Schock. Sie haben aber Recht, dass insbesondere bei dieser Gruppe die Anaphylaxie eine besondere Rolle spielt. Wichtig wäre in diesem Zusammenhang auch die Etablierung von Schoolnurses. Konzepte hierzu sind in einigen Bundesländern bereits erfolgreich erprobt worden. Daher sollten unseres Erachtens Schoolnurses flächendeckend eingesetzt werden. Dies wäre auch eine Entlastung für die Lehrkräfte, nicht zuletzt auch haftungsrechtlich.
Themen:
Verbraucherschutz,
Gesundheit und Pflege
4
Welche Maßnahmen plant Ihre Partei, um eine einheitliche Kennzeichnung für das unbeabsichtigte Allergieauslöser in verarbeiteten Lebensmitteln („Spuren“-Kennzeichnung) sowie Grenzwerte zu deren Beurteilung zu etablieren und wie wird eine verbesserte Allergeninformation bei loser Ware erreicht?
DIE LINKE wird sich für einheitliche und rechtlich verbindliche Vorschriften für die Kennzeichnung von Spuren bekannter Allergene, die unbeabsichtigt in verarbeitete Lebensmittel gelangt sind, einsetzen. Da bei manchen Menschen bereits leichte Spuren allergener Stoffe schwere gesundheitliche Reaktionen hervorzurufen können, halten wir eine Auslösedosis, die nur 99 % der von der jeweiligen Allergie betroffenen Personen schützen würde, für nicht ausreichend. Wir wollen alle Menschen schützen. Daher sprechen wir uns für „Nulltolleranz“ aus. Außerdem wollen wir, dass auch bei loser Ware schriftlich und vor Abgabe des Lebensmittels an die Kund:in über allergene Inhaltsstoffe informiert wird. Eine mündliche Information erst nach Aufforderung halten wir für nicht ausreichend.
Themen:
Verbraucherschutz,
Gesundheit und Pflege
5
Welche Maßnahmen plant Ihre Partei, um die Einstufung nicht gekennzeichneter unbeabsichtigter Allergeneinträge als Gesundheitsrisiko bei Überschreitung der ALS-/ALTS Aktionswerte durchzusetzen und wie sollen die Ergebnisse der Lebensmittelüberwachung an Verbraucher*innen kommuniziert werden?
Zur Durchsetzung von Verbraucherrechten bedarf es rechtsverbindlicher Vorgaben, analytische Kontrollmöglichkeiten der staatlichen Kontrollbehörden und Labore sowie eine personell, strukturell gut ausgestattete Lebensmittelkontrolle in Deutschland. Dafür setzt sich DIE LINKE ein. Gleichwohl ist es nach unserer Auffassung vorrangig Aufgabe der Unternehmen, Lebensmittelallergien durch von ihnen verwandte Inhaltsstoffe auszuschließen. Diese haben die Verantwortung dafür zu tragen, dass Verbraucher:innen nicht zu Schaden kommen. DIE LINKE will, dass alle positiven und negativen Ergebnisse der Lebensmittelüberwachung auf einer barrierefreien Internetplattform verständlich veröffentlicht werden.
Themen:
Verbraucherschutz,
Gesundheit und Pflege
6
Welche konkreten Maßnahmen plant Ihre Partei, um die medizinische Versorgung der Duftstoff-sensiblen Patient*innen zu verbessern (auch als Kassenleistung) und wird sich Ihre Partei für den Ausbau der Umweltmedizin bei der ärztlichen Ausbildung einsetzen?
Nach unserer Kenntnis ist bei duftstoffsensiblen Menschen die Prävention, also etwa weniger/keine Duftstoffe in öffentlichen Räumen deutlich wichtiger als die medizinische Versorgung. Die Ausbildungsmöglichkeiten sind im Bereich der Gesundheitswissenschaften nach wie vor nicht auf dem Niveau vieler anderer Staaten. Auch die Umweltmedizin erfährt noch immer nicht die Aufmerksamkeit. DIE LINKE fordert, mehr entsprechende Lehrinhalte in die Ausbildungscurricula aufzunehmen und unterstützt Bemühungen der Länder bzw. Ärztekammern, die diese Inhalte in der Fort- und Weiterbildung stärker verankern möchten.
Themen:
Verbraucherschutz,
Gesundheit und Pflege
7
Welche konkreten Maßnahmen plant Ihre Partei, um die Raumbeduftung in Krankenhäusern, öffentlichen Verkehrsmitteln, Behörden, Schulen, Pflegeeinrichtungen zu verbieten bzw. zu regulieren und allergieauslösende Stoffe in Kinderkosmetika, Spielzeug, Bastel- und Schulmaterialien zu verbieten?
Wenn die Raumbeduftung zu allergischen Reaktionen führt, darf sie nicht verwendet werden. In dem Falle würden wir sie verbieten, dies gilt sowohl für private als auch öffentliche Einrichtungen. Der Gesundheitsschutz der Menschen ist uns ein hohes Gut. Für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen, wo sich besonders vulnerable Menschen zusammenfinden, sollte jede Beduftung tabu sein und allergenarme Reinigungsmittel selbstverständlich sein. Wenn das durch die Selbstverwaltung nicht eigeninitiativ gewährleistet wird, befürwortet DIE LINKE eine gesetzliche Klarstellung.
DIE LINKE setzt sich darüber hinaus seit längerem dafür ein, dass Inhaltsstoffe in Kinderprodukten (Produkte mit denen Kinder typischerweise oft in Berührung kommen und die sie in den Mund nehmen), die Allergien auslösen, die Hormone schädigen oder krebsauslösend sind, verboten werden. Hierfür sind nationale Vorschriften jedoch nicht ausreichend, sondern sind auch europäische Regelungen zu ändern.
Themen:
Verbraucherschutz,
Gesundheit und Pflege
8
Welche konkreten Maßnahmen und Anpassungsstrategien möchte Ihre Partei umsetzen, um die gesundheitlichen Risiken für allergische Erkrankungen und deren Verlauf als Folge des Klimawandels zu senken?
Der Klimawandel hat vielfältige negative Auswirkungen auf die Gesundheit. Das Gesundheitssystem muss sich darauf einstellen, dass allergische Erkrankungen zunehmen werden. Dafür fordern die oben beschriebene Sensibilisierung aller Behandelnden sowie von Lehrkräften, Erzieher*innen etc. sowie die Ausweitung des Leistungskatalogs in der gesetzlichen Krankenversicherung. DIE LINKE will Pariser Klimaziele durchsetzen und hat ein Programm vorgelegt, wie Wirtschaft und Gesellschaft bis 2030 klimaneutral werden.
Themen:
Verbraucherschutz,
Gesundheit und Pflege