Landesverband der Kunstschulen Baden-Württemberg e.V.
Kunstschulen BW
Landesverband der Kunstschulen Baden-Württemberg e.V. -
Rund 58.000 Kinder und Jugendliche nehmen im Laufe eines Jahres die Angebote der Kunstschulen in Baden-Württemberg wahr. Entweder wird ihnen dies von ihren Eltern ermöglicht oder sie kommen über die Kooperationen mit Kindergärten und Schulen in Kontakt mit Kunstschularbeit. Die Jugendkunstschulen bieten Kindern und Jugendlichen professionelle, künstlerische Arbeitsmöglichkeiten und eine öffentliche Plattform für die Präsentation ihrer Arbeitsergebnisse u.a. in Kunstausstellungen, in Theater-,
Musiktheater, Musical- und Tanzinszenierungen. Dies geschieht auf
der Basis eines prozessorientierten Arbeitskonzeptes, bei dem eigentätige Erfahrungen im Mittelpunkt stehen.
Aktuell sind 39 Jugendkunstschulen Mitglied im Landesverband der
Kunstschulen Baden-Württembergs. In ihren Häusern, die ganz unterschiedliche Trägermodelle haben (u.a. kommunal, e.V., VHS, Musik- und Kunstschule, Stiftung), leisten sie – an mehr als 100 Standorten – wichtige Grundlagenarbeit für die künstlerische Bildung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen und fördern besondere Begabungen. Darüber hinaus ist die Zusammenarbeit mit Schulen ein wichtiger Arbeitsbereich für Kunstschulen.
Die Finanzierung der Kunstschulen setzt sich zu über 80% aus kommunaler Förderung und Unterrichtsentgelten zusammen. Die Landeszuschüsse machen in etwa 6% der Finanzierung aus. Die restlichen Mittel sind von Jugendkunstschulen extra akquirierte Mittel wie Spenden und Stiftungsförderungen.
In den vergangenen zwei Legislaturperioden konnte u.a. mit der Erhöhung der Landesförderung von 10% auf 12,5% der Ausgaben für das pädagogische Personal (2020) und der Einrichtung einer Geschäftsstelle (2014) viel für die Kunstschularbeit vor Ort sowie die Verbandsarbeit getan werden.
Damit diese wichtige Entwicklung fortgesetzt werden kann, braucht es
aber noch weitere Unterstützung durch die Politik des Landes. In den verschiedenen Bereichen haben wir deshalb die Themen benannt und dazu konkrete Fragen formuliert, um zu erfahren, wie die Parteien in Baden-Württemberg die Entwicklung der Kunstschularbeit in Zukunft begleiten und unterstützen werden.
1
Plant Ihre Partei die Landesförderung für Kunstschulen in der nächsten Legislaturperiode zu erhöhen? Würden Sie sich für eine klare Benennung des aktuellen Fördersatzes im Jugendbildungsgesetz einsetzen?
2
Befürwortet Ihre Partei zusätzliche Finanzmittel für ein Modellprogramm, das Anschubfinanzierungen für Kunstschulinitiativen in Gründung ermöglicht?
Die Bundestagsfraktion DIE LINKE. befürwortet Impulsförderung der Kunstschulinitiativen, um neue Kunstschulinitiativen zu ermöglichen und eine flächendeckende Versorgung zu gewähren. Eine Voraussetzung hierfür ist, dass das Ungleichgewicht in der Kulturförderung in Bezug auf die Anteile Bund, Ländern und Kommunen aufgehoben wird, indem verstärkt der Bund in die finanzielle Verantwortung genommen wird.
Kunstschulen fungieren als Räume der Selbstbildung und Selbstermächtigung. Künstlerische Bildung ermöglicht nicht nur dem Einzelnen sich auszudrücken, sondern auch sich mit seiner sozialen und gesellschaftlichen Umwelt kritisch auseinanderzusetzen. In ihrem Schlussbericht sieht die Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ in der Gewährleistung der kulturellen Infrastruktur eine wesentliche Aufgabe von Staat und Kommunen. Dass Kultur als ein „öffentliches Gut“ zu sehen ist, für das eine öffentliche Verantwortung besteht, gilt in besonderer Weise für die Infrastruktur der kulturellen Bildung. In Hinblick auf Initiativprogramme muss den Projekten Raum zum Experimentieren und – hinsichtlich Abrechnungsmodalitäten – zum „Scheitern-Dürfen“ zugestanden werden.
3
Haben Sie Vorschläge, wie das Land die Kommunen unterstützen kann, um nachhaltige Arbeitsverhältnisse im Bereich der Kunstschulen zu etablieren, die Planungssicherheit und berufliche Perspektiven schaffen?
Um nachhaltige Arbeitsverhältnisse in den Kunstschulen zu schaffen, die den Beschäftigten Planungssicherheit und berufliche Perspektiven ermöglichen, muss der Anteil von dauerhaft Beschäftigten gegenüber Honorarkräften erheblich erhöht werden. Sowohl im Bereich der Kulturarbeit wie auch in der Kulturellen Bildung will DIE LINKE. atypische Beschäftigungsformen zurückdrängen und durch unbefristete und existenzsichernde Stellen ersetzen. Festangestellte müssen angemessen vergütet werden, während sich Honorarverträge an den Tarifvereinbarungen für vergleichbare Tätigkeiten orientieren sollen. Bei dem entstehenden finanziellen Mehrbedarf müssen Land und Bund den Kommunen beikommen. Weitergehend sollen auf Bundesebene die Sozialversicherungssysteme so reformiert werden, dass Freiberufler*innen und Selbständige zu akzeptablen Bedingungen innerhalb der gesetzlichen Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung sozial abgesichert werden.
4
Was planen Sie, um das Berufsbild der Kunstpädagog*innen zu stärken und kunstpädagogische Studiengänge attraktiver aufzustellen?
DIE LINKE setzt sich für bessere Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen von Kunstpädagogiker:innen ein. Um das Berufsbild der Kunstpädagog:innen zu stärken, ist es wichtig ästhetische Bildung und das Fach Kunst entsprechend ihrer enormen Bedeutung für die Bildung eines Menschen in allen Schularten und Jahrgangsstufen sowie in außerschulischen Bildungseinrichtungen aufzuwerten und zu befördern.
Um die Ausbildungsbedingungen von Kunstpädagogiker:innen zu verbessern, muss dringend der Investitionsstau an deutschen Hochschulen aufgehoben werden. Insbesondere Kunsthochschulen leiden unter unzureichenden Grundfinanzierungen, die in baufälligen Gebäuden und nicht vorhandener digitaler Infrastruktur mündet. DIE LINKE lehnt zudem eine Ökonomisierung von Kunsthochschulen durch quantifizierte Zielvorgaben wie in Sachsen ab. Im Rahmen des Zukunftsvertrages „Studium und Lehre stärken“ muss der Bund darauf achten, dass die Länder die Ziele zur Förderung des Mittelbaus und des Betreuungsverhältnisses einhalten. Die Tendenz Kunstpädagogik- und Kunstdidaktikprofessuren zu befristeten Juniorprofessuren herabzustufen, muss umgekehrt werden. Für DIE LINKE ist das Ziel eine qualitativ hochwertige Ausbildung von Kunstpädagogiker:innen gleich der gewählten Hochschulform.
DIE LINKE will zudem die Arbeitsbedingungen von Kunstpädagogiker:innen verbessern, die außerhalb von Kulturämtern und Schule oft nur projektbezogen und befristet angestellt sind. Freiberufler*innen und Selbständige sollen in die gesetzliche Rentenversicherung aufgenommen werden. Dabei sollen sich die Beiträge an den tatsächlichen Einkünften orientieren. Darüber hinaus will DIE LINKE. allen den Zugang zur Arbeitslosenversicherung ermöglichen. DIE LINKE fordert daher weitergehend die Koppelung bei Vergabe öffentlicher Fördermittel an eine gute, existenzsichernde Vergütung, gute Arbeitsbedingungen und Gendergerechtigkeit. Um öffentliche Fördermittel in der Breite nutzen zu können, wollen wir den kooperativen Kulturföderalismus stärken. Der Bund sollte Kunst und Kultur als Gemeinschaftsaufgabe zwischen Bund, Ländern und Kommunen begreifen und zum Erhalt der kulturellen Infrastruktur beitragen. Ohne ein Zusammenwirken von Bund und Ländern wird sich die finanzielle Krise der Länder und Kommunen nicht meistern lassen.
5
Unterstützt Ihre Partei eine Öffnung der Mittel des Digitalpaktes des Bundes für Anträge von außerschulischen Bildungseinrichtungen?
Wenn ja, was würden Sie unternehmen, um dieses Ziel zu erreichen?
Wenn nein, würden Sie zusätzliche Mittel des Landes für den digitalen Ausbau zur Verfügung stellen?
Bildung in digitaler Gesellschaft muss als Querschnittsaufgabe begriffen und gefördert werden. Deshalb sollte aus unserer Sicht die Förderung durch den Digitalpakt Schule auch auf außerschulische Bereiche wie z.B. Kunstschulen ausgeweitet werden. Selbstverständlich müsste der Digitalpakt dann eine deutliche finanzielle Aufstockung erfahren. Schon jetzt reichen die Mittel aus dem Digitalpakt für eine gute Ausstattung der Schulen nicht aus. Bund und Länder müssen hier mehr Geld in die Hand nehmen. Gleichzeitig darf Bildung in digitaler Gesellschaft, der Ausbau und die Förderung dessen dürfen nicht zum Einfallstor lobbyistischer Partikularinteressen werden. Bildung braucht Unabhängigkeit und Selbstbestimmung. Die Standards offener Bildung gewährleisten Barrierefreiheit, Transparenz und Mitbestimmung. Sie erfordern freie digitale Bildungsmaterialien und eine Kultur des gemeinschaftlichen Lernens. Deshalb wäre es wichtig, dass der Bund gemeinsam mit den Ländern und Kommunen ein Konzept erarbeitet, um eine nachhaltige und anbieterunabhängige Beschaffungspraxis zu etablieren und den Standards offener Bildung gerecht zu werden, z. B. durch die Nutzung von Open-Source-Angeboten.
6
Welchen Stellenwert misst Ihre Partei kulturellen Schulentwicklungsprozessen zu und mit welchen Maßnahmen werden Sie die künstlerische Bildung an Schulen unterstützen?
Ästhetische Bildungsangebote sind immer mehr zugunsten der PISA-bezogenen Angebote naturwissenschaftlicher und mathematischer Bildung von Budgetkürzungen bedroht. Dabei haben internationale Studien die Transferwirkungen von ästhetischer Bildung auf die kognitive und emotional-soziale Entwicklung Heranwachsender ausreichend belegt. Ästhetische Erfahrungen sind im pädagogischen Kontext wirksam und ermöglichen Lernenden produktive Lernprozesse. Es muss endlich eine Gleichwertigkeit der Förderung von ästhetischer Bildung und MINT-Bildung hergestellt werden – an Schulen und außerschulischen Lernorten. Der Bund könnte beispielsweise einen dem MINT-Aktionsplan gleichwertigen „Aktionsplan für musisch-künstlerisch-kreative (ästhetische) Bildung“ auflegen, der die gleiche Fördersumme umfasst wie der MINT-Aktionsplan. Dabei ist es wichtig, frühzeitig Länder, Kommunen und Programmpartner einzubinden, um eine Verbesserung der Rahmenbedingungen kultureller Bildung und eine nachhaltige Sicherung der kulturellen Infrastruktur erreichen zu können. Zudem wäre es sinnvoll, das Programm „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ zeitlich zu entfristen und finanziell aufzustocken. Es ist Zeit, einen ressortübergreifend Diskurs mit den Verantwortlichen verschiedener Förderprogramme für den Bereich der kulturellen Kinder- und Jugendbildung, mit Ländern und Kommunen sowie mit den Programmpartnern über Chancen kultureller Bildung zu führen, um Gelingensfaktoren für mehr gesellschaftliche Teilhabe zu identifizieren und aus den konkreten Erfahrungen der Programme Schlussfolgerungen für eine Überarbeitung der bisherigen Förderrichtlinien zu ziehen.
7
Was schlagen Sie vor, um eine stärkere Einbindung von Kunstschulen in die Bildungsinfrastruktur zu erreichen und sie – gerade im ländlichen Raum – zu regionalen Kompetenzzentren für Kulturelle Bildung und Teilhabe zu entwickeln?
Um Kunstschulen zu Kompetenzzentren für Kulturelle Bildung und Teilhabe zu entwickeln, braucht es regionale Entwicklungspläne, die von Akteur*innen aus Kultur, Bildung und Politik entwickelt werden. Kompetenzzentren für Kulturelle Bildung und Teilhabe müssen wohnortnah sein und Arbeit sowie Wissen anderer Bildungseinrichtungen in ihren Räumen und Strukturen bündeln. In Hinblick auf die Infrastruktur der Kultureller Bildung lässt sich eine proportionale Schwerpunktsetzung auf urbane Räume beobachten. In ländlichen und in ländlich geprägten Kreisen sind die Strukturen häufig defizitär oder die bestehenden Bibliotheken, Musik- und Kunstschulen, Theater, Volkshochschulen, Museen, Soziokulturelle Zentren, Kinos oder Vereine stehen aufgrund prekärer Finanz- und Personallagen unter großen Belastungsdruck. Gerade außerhalb von urbanen Zentren muss gewährleistet sein, dass kulturelle Teilhabe gesichert und ausgebaut werden kann. Dazu gehört neben der infrastrukturellen Unterstützung bereits vorhandener Einrichtungen und Initiativen sowie kultureller Dach- und Spartenverbände eine nachhaltige Schaffung guter Rahmenbedingungen für künstlerische Prozesse. Kunst und Kultur, sowie breiten- und soziokulturelle Teilhabe sind Ankerpunkte für die Attraktivität des ländlichen Raumes. Diesen gilt es durch das Ermöglichen von gleichwertigen Lebensverhältnissen zu stärken. Dabei spielen Kunst und Kultur eine essenzielle Rolle.
8
Wie stehen Sie dazu, eine abgesicherte Finanzierung für Kooperationen von Kitas und Schulen mit Kunstschulen in Form von eigenen Förderprogrammen aufzusetzen?
DIE LINKE. begrüßt finanziell verstetigte Kooperationsprogramme zwischen Kitas und Schulen mit Kunstschulen. Vor dem Hintergrund des Ganztagesschulausbaus sollten Kunstschulen als wichtiger außerschulischer Lernort stärker mit Schulen kooperieren. Viele Kunstschulen verfügen zudem bereits über das nötige Kooperations-Know-How, da sie seit vielen Jahren mit Kitas und unterschiedlichen Schulformen kooperieren.
Kulturelle Bildung birgt in ihren ästhetisch-künstlerischen Erfahrungs- und Ausdrucksmöglichkeiten eine große Chance zum Multilog und zum kritischen Lernen. Transkulturelle Bildung kann daher individuelle und kollektive Emanzipationsmomente ermöglichen. DIE LINKE. macht sich dafür stark, dass Bund, Länder und Kommunen gemeinsam nach Lösungen suchen, um auch außerunterrichtliche Angebote der kulturellen Bildung etwa in Form von Ganztagsschul-AGs oder in Projektwochen zu realisieren.
9
Unterstützt Ihre Partei eine Umwandlung der bisherigen (Fraktions-)-Kooperationsmittel in der nächsten Legislaturperiode in reguläre Programmmittel, um damit auch zukünftig Kooperationen mit Kitas und Schulen zu ermöglichen?
10
Befürworten Sie eine Aufhebung der Ressortgebundenheit bei Ausschreibungen für Projektförderung im Kunst-, Bildungsund Jugendbereich?
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Unterstützt Ihre Partei die Forderung, Kunstschulen generationenübergreifend zu denken und deren Potenziale besser zu nutzen?
Ob jung oder alt, ob alteingesessen oder neu zugezogen – kulturelle und künstlerische Bildung muss allen Menschen zugänglich sein, um sich künstlerisch mit seiner Umgebung auseinanderzusetzen und sich seine Umwelt anzueignen. In diesem Sinne unterstützt DIE LINKE. selbstverständlich das Anliegen, Kunstschulen generationenübergreifend zu denken und deren Potenziale besser zu nutzen. Denn für DIE LINKE. ist das bislang nicht erreichte Ziel gesellschaftlicher Teilhabegerechtigkeit ein zentrales Leitmotiv und Motor für (kultur-)politisches Handeln. Uns geht es um eine inklusive Gesellschaft, die Menschen in ihren vielfältigen Lebensbedingungen im Mittelpunkt sieht und als Voraussetzung von Bildung versteht. Bildung bedeutet, die Welt zu entdecken und sich selbst darin immer wieder neu zu platzieren. Es geht um die Regie über das eigene Leben. Es geht um selbstbestimmte kritische Geister, um lebenslanges Lernen. Es geht um Toleranz und Wertschätzung gegenüber anderen Menschen, die Fähigkeit, Probleme zu erkennen und zu lösen. Es geht darum, Konflikte zu managen und Entscheidungen zu treffen, mit Widersprüchlichkeiten umzugehen, misstrauisch zu bleiben gegenüber einfachen Antworten, abzuwägen und sich immer wieder neu zu orientieren.
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Wie stehen Sie dazu, Angebote für Erwachsene an Kunstschulen durch das Land zu fördern?
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Befürwortet Ihre Partei einen Aufwuchs der Mittel für die Geschäftsstelle inklusive der Anbindung der Gehälter an die Tarifabschlüsse im öffentlichen Dienst?
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Wird Ihre Partei sich für eine Aufstockung der Landesmittel einsetzen und welche weiteren Förderinstrumente schlagen Sie vor, um die Qualifizierung im Feld der kulturellen Bildung voranzutreiben?