Wahlprüfstein Bundestagswahl 2021
Filmverband Südwest e.V.
Filmverband Südwest
Filmverband Südwest e.V. - Vorbereitung auf medienpolitisches Interview
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Wie sähe Ihr Plan für die kommenden fünf Jahre aus?
- DIE LINKE. will die soziale Lage von Filmschaffenden verbessern, indem sie fair entlohnt werden. Daher sollten Filmprojekte nur aus Landesmitteln gefördert werden, wenn in ihren Finanzplänen geltende Tariflöhne kalkuliert sind und soziale Mindeststandards eingehalten werden.
- Eine Zielvorgabe zur gendergerechten Filmförderung einzuführen. Diese sieht vor, die Hälfte der Filmfördergelder an Projekte zu vergeben, bei denen Frauen in den Gewerken Drehbuch, Produktion und Regie verantwortlich tätig sind.
- Die Filmbranche muss gesellschaftliche Diversität widerspiegeln. Hierfür ist die Einführung von Diversitätsstandards nach internationalem Vorbild sinnvoll, wie beispielweise die vom British Film Institute entwickelten Diversity Standards.
- Wir sind überzeugt, mehr Diversität vor und hinter der Kamera tut der Qualität von Filmen gut, und daran profitiert auch die Filmwirtschaft.
- Außerdem müssen Akzentsetzungen im Bereich der Projektvorbereitungs- und Entwicklungsförderung intensiviert werden, indem Filmschaffenden größere Freiräume erhalten und von Produktionsdruck befreit werden und sich nicht gezwungen sehen, ein unreifes Projekt in die Produktion zu geben.
Themen:
Kultur und Medien
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In welcher Rolle sehen sie den ÖR-Rundfunk in Zukunft?
- Der ÖRR ist ein essenzieller Bestandteil der dualen Medienordnung. Allen voran in der Corona-Pandemie wird augenscheinlich, wie wichtig gut recherchiertes journalistisches Arbeiten ist, um im Informationswust und auch gegen Fake-News und Desinformationskampagnen Orientierung zu schaffen.
- Wenn es den ÖRR nicht gebe, müsste er für die Zukunft erfunden werden.
- DIE LINKE will, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zukunftsgerecht weiterentwickeln und mediale Teilhabe sicherstellen!
- Bei aller berechtigten Kritik an einzelnen Sendeformaten, der Gewichtung von Programmsparten insbesondere zur Primetime und bestimmten Gehaltsstrukturen bei ARD, ZDF und Deutschlandradio kann kein Zweifel daran bestehen, dass ein Stopp der geplanten Erhöhung (Sachsen-Anhalt) und die damit einhergehende faktische Budgetkürzung – gerade angesichts von rechten Desinformations-Kampagnen auf unregulierten Plattformen – für die (Medien-)Gesellschaft und demokratische Meinungsbildung fatale Folgen hätte.
- Die LINKE im Bundestag hat früh einen Vorschlag gemacht, der die Ansprüche auf qualitative Programm-Maßstäbe, gute Arbeitsbedingungen und stabile Beiträge verbindet: Sinnvoll wäre, die Kosten für die Befreiungen vom Rundfunkbeitrag durch Steuermittel auszugleichen. Dadurch könnte die Beitragshöhe stabil gehalten werden und soziale Entlastung stattfinden, die Sender hätten auf Jahre Planungssicherheit, die Staatsferne des ÖRR bliebe durch diese öffentliche Ko-Finanzierung unberührt.
- Positionspapier zum ÖRR:
https://www.doris-achelwilm.de/startseite/aktuelles/detail/news/positionspapier-der-linken-medienpolitiker-innen-in-bund-und-laendern/
- Positionspapier, um den Rundfunkbeitrag sozial gerechter zu gestalten:
https://www.linksfraktion.de/fileadmin/user_upload/Positionspapiere/2019/191009_Positionspapier_Rundfunkbeitrag.pdf
Themen:
Kultur und Medien
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Der SWR müsste stärker als bisher (ca. 40%) Filmschaffende und freie Produzent*Innen aus Baden-Württemberg beauftragen. Wie könnte man dieses Ziel erreichen?
Änderung der Vergabekriterien und Prüfung der Einführung einer Quote für in BaWü ansässige Filmschaffende
Themen:
Kultur und Medien
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In bestimmten Diskussionen wäre es angebracht, im Rundfunkrat auch stärker Expert*Innen der Branche zu hören - wie könnte das aussehen?
- z.B. durch regelmäßigen Austausch – in Form von runden Tischen etc.
- Frau* muss festhalten, dass es eigentlich selbstverständlich sein sollte, dass sich der Rundfunkrat zu bestimmten Themen Sachverständige und Interessenvertretungen einlädt, um unterschiedliche Meinungen einzuholen und sich ein umfassendes Bild von einer Sachlage zu schaffen. Tut er das nicht, müssen Initiativen und Verbände ihre Forderungen öffentlich laut machen.
Themen:
Kultur und Medien
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“ProQuote Medien” fordert mehr Frauen in Führungspositionen und eine gleichwertige Entlohnung - wie bewerten Sie die Situation im Land?
Die Situation in BAWÜ hat sich verschlechtert: „Gemäß einer vom Wissenschaftsministerium in Auftrag gegebenen Studie des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH Mannheim (ZEW) zur Filmwirtschaft in Baden-Württemberg vom Februar 2019 hat sich der Frauenanteil unter den sozialversicherungspflichtig und geringfügig Beschäftigten in der Filmwirtschaft in Baden-Württemberg zwischen 2009 und 2017 in Baden-Württemberg von 52 auf 49 Prozent leicht verringert. Bei gesonderter Betrachtung der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist der Frauenanteil deutlich geringer, er lag 2017 bei 41 Prozent. Eigene Erhebungen der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg (MFG) ergaben, dass weniger Filme mit Beteiligung von Regisseurinnen, Autorinnen und Produzentinnen zur Förderung eingereicht werden als Filme mit männlichen Regisseuren, Autoren und Produzenten (siehe auch Ziffer 2 bis 4). Dies deutet darauf hin, dass Frauen in der Filmwirtschaft in Baden-Württemberg insgesamt unterrepräsentiert sind.“
Bei der MFG 2017eingegangene Anträge nach Beteiligung von Regisseurinnen und Regisseuren:
Anträge insgesamt: 85, bei 25 waren Regisseurinnen beteiligt, bei 63 Anträge Regisseure
Themen:
Kultur und Medien
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Welche Stellschrauben sehen Sie, um Maßnahmen der Inklusion und eine Verbesserung der Chancengerechtigkeit zu bewirken?
Um Chancengerechtigkeit, aber auch faire Entlohnung und soziale Absicherung Filmschaffenden müssen auf der einen Seite sowohl die Kriterien der Filmförderung – auf Landes- und Bundesebenen – an soziale und gendergerechte Kriterien gekoppelt werden, und auf der anderen Seite sind arbeits- und sozialversicherungsrechtlichen Reformen nötig. Sozialversicherungssysteme müssen so reformiert werden, dass Freiberufler*innen und Selbständige in Kunst und Kultur zu akzeptablen Bedingungen innerhalb der gesetzlichen Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung sozial abgesichert werden!
Themen:
Kultur und Medien
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Was bedeutet Filmförderung für Sie? Inwiefern spielen wirtschaftliche Aspekte und gesunde Unternehmen dabei eine Rolle oder geht es um Renommee und Preise?
Das derzeitige Filmfördersystem ist ein festgewachsenes, überholtes, komplexes und in Teilen undurchsichtiges Geflecht aus Bund- und Länderzuständigkeiten, aus regionalen Fördereinrichtungen wie auch privaten und öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern. Darin hat der Film einen Doppelcharakter: Er wird als Kultur- wie auch als Wirtschaftsgut betrachtet, dementsprechend dient Filmförderung als Kultur- wie auch als Wirtschaftsförderung. Problematisch ist hierbei, dass der Aspekt der Kulturförderung ironischerweise der Legitimation durch wirtschaftliche Kriterien bedarf. So droht im Komplex der Filmförderung der Wille zur Wirtschaftlichkeit den kulturellen Anspruch zu marginalisieren, indem Wirtschaftsinteressen die Strukturen der Filmförderung, zugunsten von Kulturförderung dominieren. Eine verheerende Folge ist die Reduktion von Filmen auf ihre ökonomische Verwertbarkeit. Die so entstehenden Film nannte Edgar Reitz trefflich den „konsensorientierten deutschen Gremienfilm”.
Der vielzitierte „Gremienfilm“ kommt durch die Einflussnahme einer Vielzahl von Entscheidungsinstanzen beim Beginn eines Filmprojekts zustande, die schließlich in Kompromissen bezüglich der ästhetischen Form eines Films und inhaltlicher Konsensorientierung resultiert. Extreme und provokative Themen sowie ästhetische Wagnisse werden vermieden, sodass sich die Filme in ihrer Dramaturgie und Ästhetik ähneln und für das Publikum uninteressant werden. Eine derart geführte Förderpraxis produziert standardisierte Mittelware und verkennt die gesellschaftliche Bedeutung des »Massenmediums« Films sowie seine ästhetische Dimension und sein künstlerisches Potenzial. Zusätzlich setzte sich in den letzten Jahren das Prinzip Quantität statt Qualität durch, das in vielerlei Hinsicht der falsche Weg ist und zeigt: mehr Filme führen keinesfalls zu mehr Zuschauer*innen und deutsche Filme sind auf internationalen Filmfestivals nur schwach vertreten. Viele Produzent*innen können kaum Kapital bilden, von den Erlösen ihrer Filme profitieren sie meist wenig und erhaltene Referenzmittel müssen binnen drei Jahren nach der Zuerkennung abgefordert werden. Folglich sind Produzent*innen gezwungen, so schnell und so viel wie möglich zu produzieren, um die Existenz ihrer Firmen zu sichern. Ästhetisch und dramaturgisch hochwertige Filme bedürfen jedoch eine sorgsame und gründliche Entwicklung. Auf diese Wiese hat sich der deutsche Film in eine Sackkasse manövriert, die sich in „festgefahrene Strukturen, in mangelndem künstlerischen Wagemut und geringer Diversität ausdrücken“, wie es Vertreter:innen der Initiative Zukunft Deutscher Film in ihrem Positionspapier schildern.
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Kultur und Medien
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80% der Filmakademie Absolventen wandern nach ihrem Studium ab. Wie kann man Nachwuchstalente an den Standort binden? Wie schafft man Bedingungen und eine Auftragslage, die auch ein Anwachsen von Firmen zulässt?
Die Filmwirtschaft ist integraler Bestandteil der Kreativwirtschaft und mit den anderen „Kreativsektoren“ im synergetischen Austausch. Folglich muss auch gefragt werden, welche Faktoren wirken sich positiv auf die Kreativwirtschaft aus – das sind gute Lebens- und Arbeitsbedingungen.
Aus der Studie „Wirtschaftliche Bedeutung der Filmindustrie“, 2017 BMWI, S. 41:
„Filmschaffende stehen in der Wertschöpfungskette am Anfang. Sie sorgen sowohl für den kreativen Input als auch die technische Umsetzung der Filmprojekte. Die Kreativität und das technische Know-how deutscher Filmschaffender ist international konkurrenzfähig. Dennoch sehen sie sich in der Filmindustrie am Ende der
Nahrungskette angesiedelt: Darauf lassen die schlechte Bewertung der Höhe des Gehalts und der sozialen Absicherung schließen. Hier zeigt sich auch das Dilemma der auf Projektdauer befristeten Beschäftigungen: Trotz mehrerer Projekte im Jahr können viele nicht genügend Rücklagen generieren. Außerdem berichten die Befragten zum Teil von schlechten Arbeitsbedingungen am Set, zu niedrigen Budgets und steigender Konkurrenz, auch mit Filmschaffenden im europäischen Ausland.[…] Abschließend bleibt festzustellen, dass die Kreativität und die Qualifikation der Filmschaffenden wichtige Faktoren für den Produktionsstandort Deutschland sind, welche zukünftig, in einem zunehmend internationalen Markt, als Abgrenzungsmerkmal an Bedeutung gewinnen werden.“
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Kultur und Medien
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Wie ist ihre Sicht auf das Dilemma, dass Stuttgart bald ohne Festival- und Premierenkino da steht - aber eine schicke Boulderhalle im ältesten Kinosaal der Stadt haben wird?
Ohne den Hintergrund der Debatte zu kennen, allg. zu Kinos:
Kinos dienen nicht nur zur Verwertung von Filmen und deren Veredelung. Deshalb will DIE LINKE das Kino als Ort kultureller Praxen fördern. Kollektive Filmrezeption als kulturelle Praxis begriffen, bedarf einer weitergehenden Förderung als nur der technischen Infrastruktur. Im Kinosaal werden Menschen zusammengeführt, die sich mit geschichtlichen, gesellschaftsrelevanten und politischen Themen auseinandersetzen und durch künstlerisch-ästhetisch Wahrnehmungen neue Selbsterfahrungen erfahren. Die medien- und kulturpolitische Relevanz von kommunalen Kinos – insbesondere im ländlichen Raum – darf nicht unterschätzt werden. Der flächendeckende Bestand von Kinos muss evaluiert und ein Konzept zur institutionalisierten Unterstützung von kommunalen Kinos erarbeitet werden.
Themen:
Kultur und Medien