Wahlprüfstein Bundestagswahl 2021

Marie-Sophie Deuter

Marie-Sophie Deuter

Marie-Sophie Deuter

1

Aufenthaltsrechtliche Beschäftigungsverbote beschleunigen weder Identitätsklärung, Passbeschaffung oder Abschiebungen. Vielmehr verwehren sie vielen Menschen die gesellschaftliche Teilhabe. Inwieweit sind Sie bereit, sich für eine Aufhebung dieser Beschäftigungsverbote einzusetzen?
DIE LINKE. hat sich schon immer gegen solche Arbeitsverbote ausgesprochen. Geflüchtete sollen wie alle anderen auch durch eigene Erwerbstätigkeit ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten können. Durch die gesetzlich verordnete Untätigkeit wird zudem in der Öffentlichkeit ein rassistisches Bild befördert, wonach viele Geflüchtete angeblich nur gekommen seien, um hier Sozialleistungen zu beziehen („Einwanderung in die Sozialsysteme“). Die jahrelang erzwungene Untätigkeit erschwert nicht zuletzt die Integration der Betroffenen massiv.
Themen: Flucht und Asyl

2

Viele, die einem Beschäftigungsverbot wegen verletzter Mitwirkungspflichten unterliegen, haben Angst, nach erfolgreicher Identitätsklärung abgeschoben zu werden, obwohl Deutschland faktisch zu ihrem Lebensmittelpunkt geworden ist. Welchen Ausweg sehen Sie aus dieser individuellen Zwickmühle?
DIE LINKE. spricht sich grundsätzlich gegen Abschiebungen aus. Insbesondere fordern wir eine effektive humanitäre Bleiberechtsregelung, die vor allem an der Aufenthaltsdauer der Betroffenen anknüpft. Eine fehlende Mitwirkung wird Betroffenen von den Ausländerbehörden häufig zu Unrecht vorgeworfen, dies sollte einem humanitären Bleiberecht nicht entgegenstehen.
Themen: Flucht und Asyl

3

Eine Verletzung der Mitwirkungspflichten sollte nur dann angenommen werden, wenn die Ausländerbehörden konkrete, herkunftslandbezogene, mögliche und zumutbare Handlungen benannt haben, diese aber nicht vorgenommen wurden. Sind Sie bereit, dies gesetzlich zu verankern?
Eine solche Anwendung des Gesetzes wäre unseres Erachtens aus rechtsstaatlichen Gründen jetzt schon erforderlich. Die so genannte „Duldung light“ lehnen wir allerdings grundsätzlich ab.
Themen: Flucht und Asyl

4

Angesichts der dauerhaft hohen Zahl von Menschen, die seit mehreren Jahren mit einer Duldung in Deutschland leben, sind Erleichterungen beim Zugang zu Bleiberechtsregelungen dringend notwendig. Wie wollen Sie den Zugang zu bestehenden Bleiberechtsregelungen erleichtern und ausweiten?
DIE LINKE. hat in der Vergangenheit mehrfach Vorschläge für eine erleichterte Bleiberechtsregelung und für eine Beendigung der Kettenduldungspraxis vorgelegt (vgl. z.B. den Gesetzentwurf auf Bundestagsdrucksache 17/1557). Ab einer bestimmten Aufenthaltsdauer sollte unkompliziert ein Bleiberecht gewährt werden, wenn Kinder betroffen sind, entsprechend schneller. Zudem sollte eine Aufenthaltserlaubnis statt einer bloßen Duldung erteilt werden, wenn eine Abschiebung rechtlich oder tatsächlich unmöglich ist.
Themen: Flucht und Asyl

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Seit der letzten Altfallregelung 2008 ist die Zahl der Geduldeten gestiegen. Bestehende Bleiberechtsregelungen haben bislang nicht die erwünschten Effekte erzielt. Sind Sie bereit, erneut eine vergleichbare Altfallregelung zu beschließen u. dabei die Voraufenthaltszeiten auf 2 Jahre zu verkürzen?
Es stimmt: Infolge der letzten Bleiberechtsregelung von 2015 (§25b AufenthG) sind nur rund 7.000 Aufenthaltserlaubnisse erteilt worden – versprochen hatte man etwa 30.000. Wir setzen uns deshalb für eine humanitäre Bleiberechtsregelung mit niedrigeren Anforderungen ein. Im Rahmen einer so genannten „Altfallregelung“ könnten für bestimmte Gruppen noch kürzere Aufenthaltszeiten vorgesehen werden, um eine möglichst große Wirkung zu erzielen.
Themen: Flucht und Asyl

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Die Ausbildungs- und Beschäftigungsduldung beinhalten hohen Zugangshürden und bieten nur eine Aussetzung der Abschiebung. Dies führt zu erheblichen Unsicherheiten. Sind Sie bereit, sich dafür einzusetzen, Menschen in Arbeit oder Ausbildung eine Aufenthaltserlaubnis zu erteilen?
Bereits im Gesetzgebungsverfahren hatten wir gefordert, dass Geflüchteten in Ausbildung und Beschäftigung eine Aufenthaltserlaubnis statt einer bloßen Duldung erteilt werden soll. Es ist auch in sich widersprüchlich, trotz der sehr hohen Anforderungen für eine Ausbildungs- oder Beschäftigungsduldung nur eine Duldung zu erteilen.
Themen: Flucht und Asyl

7

Ohne qualifizierte Angebote, systematisch Deutsch zu lernen, ist gesellschaftliche und berufliche Teilhabe kaum möglich. Viele Asylsuchende und Geduldete dürfen nicht an Integrationskursen sowie an Maßnahmen der berufsbezogenen Deutschsprachförderung teilnehmen. Sind Sie bereit, dies zu ändern?
Wir fordern schon immer, dass alle Asylsuchenden und Geduldeten einen Zugang zu Sprach- und Integrationskursen erhalten sollen. Das diskriminierende Konzept der (vermeintlichen) „Bleibeperspektive“ lehnen wir ab. Es berücksichtigt insbesondere nicht, dass auch viele formell abgelehnte Asylsuchende gute Gründe zum Bleiben haben und aus unterschiedlichsten Gründen nicht abgeschoben werden können. Je früher Integrationsmaßnahmen einsetzen, desto besser.
Themen: Flucht und Asyl

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Schutzsuchende Menschen sind überproportional von unterbrochenen oder zu kurzen Bildungsbiografien betroffen. Sind Sie bereit, allen nicht mehr Schulpflichtigen den Zugang zu Vorbereitungsangeboten zur Nachholung eines Schulabschlusses zu ermöglichen?
In der Tat sind geflüchtete Kinder und junge Erwachsene infolge der unfreiwillig (etwa wegen eines Krieges) unterbrochenen Schulbiografien deutlich benachteiligt. Dies muss berücksichtigt und nach Kräften ausgeglichen werden. Dazu gehören etwa entsprechend spezialisierte Förderangebote, auch zur Nachholung verpasster Schulabschlüsse.
Themen: Flucht und Asyl