Wahlprüfstein Bundestagswahl 2021
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Was planen Sie, um mehr Chancengerechtigkeit im Bildungssystem in Deutschland zu erreichen?
DIE LINKE setzt sich für einen Umbau des deutschen Bildungssystems hin zu einem inklusiven Bildungssystem ein, in dem der Zugang zu Bildung nicht von sozialer Herkunft oder Inklusionsmöglichkeiten abhängt. Wir wollen daher das dreigliedrige Schulsystem durch eine ganztägige Gemeinschaftsschule ersetzen, die Schüler:innen umfassend und individuell fördert. Für DIE LINKE gehört der Rechtsanspruch auf inklusive Bildung und das Recht auf das gemeinsa¬me Lernen in einer Regelschule in jedes Schulgesetz. Alle Schulen müssen über barrierefreie Zugänge für alle Kinder, adäquate Ausstattung und Qualifizierung bei Personal, Assistenzleis¬tungen, Lehr- und Lernmittel sowie sonstige Hilfsmittel für jedes Kind verfügen. Wir wollen ein Zwei-Lehrer:innen-System umsetzen.
Nach der Schule wollen wir zum einen die BAföG-Förderung ausweiten und ausreichend fördern, damit ein Studium oder eine Ausbildung nicht aus finanziellen Gründen scheitern oder gar nicht erst begonnen werden können, zum anderen will DIE LINKE den Zugang zur Hochschulbildung verbessern. Die Durchlässigkeit zwischen klassischer Berufsausbildung und Hochschulstudium wollen wir mit einem Hochschulzulassungsgesetz stärken. Damit sollen das lebenslange Lernen und der zweite Bildungsweg für mehr Menschen offenstehen.
Themen:
Bildung und Ausbildung
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Was hat Ihre Partei bislang für das Erreichen der Berlin Declaration on Education for Sustainable Development geleistet und was plant sie für deren Umsetzung zu tun?
DIE LINKE findet die Ziele der Bildung für eine nachhaltigen Entwicklung, wie sie auch in der Berlin Declaration on Education for Sustainable Development beschrieben werden, wichtig. Menschen sollen nach unserer Auffassung in die Lage versetzt werden, ihr eigenes Handeln in globalen Zusammenhängen zu betrachten und verantwortungsvolle Entscheidungen für eine nachhaltige Gegenwart und Zukunft zu treffen.
Allerdings offenbart dieser Ansatz auch ein Grundproblem globaler Krisen: Die Verantwortung zur Lösung wird auf das Individuum übertragen, obwohl systemische Fehlstellungen vorliegen. Die umweltzerstörende Produktionsweise wird somit nicht in Frage gestellt oder geändert. Es wird vorgegaukelt, dass Umweltzerstörung oder der Klimawandel in erster Linie durch ein nachhaltiges Verbraucherverhalten gestoppt werden können. Für DIE LINKE muss Bildung für eine nachhaltige Entwicklung daher neben Umweltschutz, Ressourcenschonung, Globalisierung und Wirtschaft auch Fragen zur Sicherung des Friedens, sozialer Gerechtigkeit, die kritische Analyse des Wachstumsgedankens und der entsprechenden Produktionsweisen, interkultureller Verständigung und Toleranz umfassen.
Themen:
Bildung und Ausbildung
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Auf welche Art und Weise arbeitet Ihre Partei auf eine umfassende Transformation des Bildungssystems hin?
DIE LINKE will, dass Bund, Länder und Kommunen in der Bildung zusammenarbeiten können. Durch das Kooperationsverbot ist das nur eingeschränkt möglich. Wir wollen das Verbot komplett aufheben und Bildung als Gemeinschaftsaufgabe im Grundgesetz verankern, damit für alle Kinder und Jugendlichen Bildungsgerechtigkeit hergestellt werden kann. Die Mittelvergabe nach dem Königsteiner Schlüssel als Verteilungsinstrument für Fördermittel des Bundes für Bildung wollen wir durch einen Sozialindex ersetzen. Der Sozialindex soll Mittel bedarfsgerecht auf die Länder und innerhalb der Länder auf Kommunen verteilen, damit genug Geld da ankommt, wo es auch wirk¬lich gebraucht wird.
Zu den wichtigsten direkten Transformationsschritten gehören für uns die Etablierung einer ganztägigen Gemeinschaftsschule, die ihren Fokus auf Lernen und nicht Leistungsnachweise legt, ein Recht auf inklusive Bildung, Reform der BAföG-Förderung, mehr Schulsozialarbeit, ein Recht auf eine gebührenfreie und vollqualifizierende Ausbildung und mehr Durchlässigkeit im Bildungssystem (siehe auch Frage 1).
Themen:
Bildung und Ausbildung
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Sehen Sie Jugendliche in der Ausgestaltung von Bildungsprozessen bislang ausreichend beteiligt und was planen Sie, um die Beteiligung zu verbessern?
DIE LINKE steht für eine umfassende Demokratisierung des Bildungssystem von Schule über Ausbildung bis zu den Hochschulen. Wir wollen die Selbstverwaltung der Schulen und insbesondere die Mitbestimmungsrechte der Schüler:innen an den Schulen stärken. Auch die Mitbestimmung von Auszubildenden in den Personalvertretungen muss garantiert werden.
Im Hochschulbereich streiten wir bundesweit für verfasste Studierendenschaften mit allgemeinpolitischem Mandat. Hochschulgremien sollten öffentlich tagen, wo es möglich ist. Sie müssen paritätisch besetzt werden, sodass alle Statusgruppen, auch die Studierenden, gleich stimmberechtigt vertreten sind. Statt einseitiger Stärkung der Hochschulleitung brauchen wir eine Stärkung der demokratisch durch alle Hochschulangehörigen gewählten Hochschulgremien.
Themen:
Bildung und Ausbildung
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Welche neuen Maßnahmen wird Ihre Partei ergreifen, um junge Menschen in Ihrem Engagement zu fördern?
Um junge Menschen für eine Ehrenamt zu gewinnen und zu fördern, muss die Anerkennungskultur verbessert werden. Dies zeigen viele Umfragen und Studien der letzten Jahren. Daher sprechen wir uns für die Einführung eines bundesweiten Freiwilligendienstausweis aus, mit dem junge Menschen überall Vergünstigungen erhalten können, wenn sie sich eine bestimmte Anzahl von Stunden im Monat freiwillig engagieren. Auch Initiativen wie "Freie Fahrt für Freiwillige" unterstützen wird, damit engagierte Menschen in einem Freiwilligendienst, die Möglichkeit erhalten mit der öffentlichen Nahverkehr kostenlos zu fahren. Junge Menschen wünschen sich aber auch, dass erworbene Fähigkeiten aus dem Ehrenamt für ihre Ausbildung und ihr Studium anerkannt werden. Daher finden wir es unterstützenswert, das ehrenamtliche Engagement junger Menschen als Praxissemester oder Praktikumsleistung anzurechnen. Beim BAföG wollen wir die Verlängerung der Förderhöchstdauer auf das Ehrenamt in anerkannten Jugendverbänden, betrieblichen Interessensvertretungen, Studienstiftungen und Kommunen erweitern.
Themen:
Bildung und Ausbildung
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Mit welchen innovativen Konzepten möchte Ihre Partei Jugendbeteiligung in Deutschland stärken?
Für uns als LINKE ist Beteiligung von Kindern und Jugendlichen mehr als anhören oder informieren. Beteiligung muss immer auch Elemente der Mitbestimmung beinhalten. Das gilt für die Schule wie auch für die alltäglichen Lebenswelten. Als LINKE setzen wir uns bspw. für ein Mitbestimmungsrecht von Kindern und Jugendlichen in allen Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe ein, wozu u.a. auch die Jugendclubs oder die Angebote der Offenen Arbeit zählen. Diese Chance wurde bei der Reform des Kinder- und Jugendhilfegesetz leider vertan. Ebenso müssen Beteiligungsformate in den Kommunen etabliert werden, mit denen Kinder und Jugendliche bei Umgestaltungen in der Kommune eingebunden werden. Hier besteht insgesamt großer Handlungsbedarf. Zwar existieren vielerorts entsprechende Formate, wir wollen aber hierfür die rechtliche Grundlage verbessern und konkretisieren. Der Kinder- und Jugendhilfe kommt in der konkreten Ausgestaltung eine zentrale Rolle zu. Darum wollen wir die Kinder- und Jugendhilfe finanziell stärken.
Themen:
Bildung und Ausbildung
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Inwieweit setzt sich Ihre Partei für nachhaltige Forschung und Ergebnisoffenheit in den Wirtschaftswissenschaften ein?
Um dem neoliberalen Mainstream in den Wirtschaftswissenschaften kritisches Denken zur Seite zu stellen, will DIE LINKE plurale Ansätze in Forschung und Lehre an Hochschulen, Universitäten und in der Politikberatung fördern. Dazu gehören (post-)keynesianische, marxistische, ökologische und feministische Wirtschaftstheorien. Wir fordern im Rahmen der Forschungs- und Innovationsförderung des Bundes die Einrichtung eines Forschungsclusters zu sozialökologischer Transformation mit heterodoxer Ausrichtung der Forschung. Auch müssen plurale Ansätze bei der Förderung von Promovierenden stärker berücksichtigt werden. Die Theorie- und Forschungsansät-ze sollen auch bei der Ausschreibung und Vergabe von wissenschaftlichen Beratungsleistungen durch die öffentliche Hand beachtet werden. Darüber hinaus will DIE LINKE die Grundfinanzierung der Hochschulen erhöhen, um den Hochschulen so die finanziellen Mittel zu stellen, damit die interessengeleitete und nicht projektgebundene Forschung nachhaltig gefördert werden kann.
Themen:
Bildung und Ausbildung
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Arbeiten Sie persönlich oder Ihre Partei bereits mit dem youpaN zusammen? Wollen Sie das zukünftig tun?
Bisher gibt es unseres Wissens keine Kontakte, aber wir freuen uns sehr, künftig mit Ihnen in den Austausch zu kommen.
Themen:
Bildung und Ausbildung