Wahlprüfstein Bundestagswahl 2021

Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB)

Deutscher Olympischer Sportbund

Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB)

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SPORTDEUTSCHLAND braucht moderne und funktionsfähige Sportstätten. Doch die Infrastruktur ist veraltet, der Sanierungsbedarf beträgt knapp 31 Mrd. Euro. Wie wollen Sie diesen Sanierungsstau bis 2025 auflösen, mit welchem Mitteleinsatz pro Jahr und wollen Sie auch vereinseigene Sportstätten fördern?
Für DIE LINKE sind Sportstätten und Schwimmbäder Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge und somit ein zentrales Thema, wenn es um die Förderung des Breiten-, Schul-, Gesundheits- und Spitzensports geht. Die Förderprogramme des Bundes sind aus unserer Sicht für den Abbau des Sanierungsstaus unzureichend. Der Sanierungsbedarf beträgt mittlerweile rund 31 Milliarden Euro. Zu lange wurden die Probleme von der Bundesregierung ignoriert und auf die Zuständigkeit der Länder verwiesen. Das wollen wir ändern. Wir werden jährlich über 120 Milliarden Euro in die öffentliche Daseinsvorsorge und Infrastruktur investieren. Den Kommunen stellen wir ausreichend Investitionsmittel zur Verfügung, um marode Sportstätten zu sanieren und Neue zu bauen. Beides muss barrierefrei und ökologisch sinnvoll erfolgen. Die Eintrittspreise für Schwimmbäder müssen für alle erschwinglich sein. Angesichts des bestehenden Sanierungsstaus bei Sportstätten hat unsere Bundestagsfraktion bereits im Juni 2020 einen Antrag eingebracht, der 10 Mrd. Euro für ihre energetische Sanierung und Barrierefreiheit vorsah. Das Programm sollte auch vereinseigene Sportstätten einschließen. Es wurde jedoch von den Koalitionsfraktionen abgelehnt.

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Wie wollen Sie die gemeinnützigen Sportvereine in Deutschland unterstützen und fördern, damit diese mit zeitgemäßen Sporträumen auch einen wichtigen Beitrag zur angestrebten Klimaneutralität bis 2045 leisten können?
Der mögliche Beitrag der Sportvereine für den Klimaschutz wird seitens der Bundesregierung noch immer unterschätzt, der Sport spielt in den Programmen des Bundes zur energetischen Sanierung von Gebäuden kaum eine Rolle. Das muss sich ändern. DIE LINKE möchte die Wirtschaft und Infrastruktur bis 2035 klimaneutral machen und schlägt dazu ein Zukunftsinvestitionsprogramm vor. Dazu gehört ein bundesweiter Klimacheck aller Gebäude – Sportstätten eingeschlossen - bis 2025. Mit verbindlichen gebäudescharfen Stufenplänen, die bis zu einem bestimmten Zeitpunkt flexibel zu erreichende Energieeffizienzniveaus zum Inhalt haben, wollen wir bis 2035 einen klimaneutralen Gebäudebestand garantieren und viele neue Arbeitsplätze schaffen. Entsprechende Förderprogramme von Bund und Ländern müssen dabei so ausgerichtet werden, dass sie auch von gemeinnützigen Sportvereinen genutzt werden können.

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Die Corona-Pandemie hat den ohnehin zunehmenden Bewegungsmangel bei Kindern und Jugendlichen noch einmal befördert. Wie wollen Sie Deutschland zu einem bewegungs- und sportfreundlichen Land für Kinder, Jugendliche, Erwachsene & Ältere machen und welche Rolle sollen dabei die Sportvereine einnehmen?
Die Probleme hinsichtlich des Bewegungsmangels bei Kindern und Jugendlichen sowie die Unzulänglichkeiten im organisierten Sport und der Sportpolitik traten mit der Corona-Pandemie noch deutlicher hervor. DIE LINKE hat immer wieder den Umgang mit bzw. die Einschränkungen für den Sport in der Corona-Pandemie kritisiert und eigene Vorschläge auf den Tisch gelegt. Neben den aktuellen Hilfen von Bund und Ländern brauchen wir eine breite Debatte über die Rolle des Sports in der Gesellschaft, einen umfassenden Neustart und langfristige Programme zur Förderung eines inklusiven Breiten-, Schul- und Spitzensports. Moderne barrierefreie Sportstätten und Schwimmbäder sowie qualifizierte Trainer*innen und Übungsleiter*innen in ausreichender Zahl sind dafür eine Grundbedingung. Auch deshalb wollen wir ein Zukunftsinvestitionsprogramm von 120 Mrd. Euro auflegen. Reden müssen wir auch über nötige Veränderungen im organisierten Sport unter dem Dach des DOSB. DIE LINKE steht dafür gern zur Verfügung.

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Sportvereine sollen sichere Orte sein und stark machen gegen jegliche Form von Gewalt und Diskriminierung. Wie wollen Sie Intervention und Prävention im Sport stärken und den Sport bei der Übernahme der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung zum Schutz vor Gewalt im Sport unterstützen?
Für DIE LINKE ist der Kampf gegen jegliche Form von Gewalt ein wichtiges Thema, auch im Sport. Hier darf es keine Toleranz geben. Neben einer Kultur der Aufmerksamkeit und konsequenter strafrechtlicher Verfolgung brauchen wir eine flächendeckende Aufklärung, weitere wissenschaftliche Studien, ein ausreichendes sowie dauerhaft ausfinanziertes Netz von Beratungsstellen, engagierte Faninitiativen sowie bessere Aus- und Weiterbildungskonzepte, u.a. für Trainer*innen. Dabei müssen Bund und Länder die Akteure mit einer langfristigen Finanzierung von Projekten unterstützen. Statt Strafverschärfung brauchen wir einen wirksamen Opferschutz und kompetente Ansprechpartner*innen in allen Sportverbänden und -vereinen. Nötig ist eine bessere Aufarbeitung von zurückliegenden und gegenwärtigen Fällen sexualisierter Gewalt. Die Vorschläge von Athleten Deutschland e.V., zum Beispiel die Schaffung eines unabhängigen Zentrums für Safe Sport, wollen wir ernsthaft prüfen.

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Ehrenamtlich Engagierte sind das Rückgrat unserer Gesellschaft. Allein im Sport engagieren sich rund 8 Millionen Menschen ehrenamtlich. Wie wollen Sie eine bessere Kultur der Anerkennung und bessere Rahmenbedingungen für das ehrenamtliche Engagement schaffen?
Zu guten Rahmenbedingungen für ehrenamtliches Engagement im Sport gehören für DIE LINKE eine solide materielle und finanzielle Ausstattung der Sportvereine (also zeitgemäße Sportstätten und Schwimmbäder mit entsprechenden Sportgeräten sowie Vereinsräumen), eine angemessene und verlässliche Finanzierung des hauptamtlichen Personals (Trainer*innen, Personal für die Sportstätten usw.) auch zur Entlastung der ehrenamtlich Tätigen, und weniger Bürokratie. Nötig sind neben Aufwandsentschädigungen und steuerlichen Förderungen die ideelle Anerkennung ehrenamtlicher Arbeit durch Politik, Medien und Gesellschaft, aber auch bedarfsgerechte Angebote für Aus- und Weiterbildungen sowie umfassende Beteiligungsrechte der Ehrenamtler*innen innerhalb der Sportvereine und -verbände. Zur besseren Anerkennung von freiwilligem Engagement wollen wir zusammen mit den Ländern und Kommunen einen bundesweit einheitlichen Freiwilligenpass schaffen, der Vergünstigungen und kostenlose Nutzung von Freizeit-, Kultur-, und Bildungseinrichtungen ermöglicht. Zudem wollen wir die Jugendfreiwilligendienste ausbauen und ihre Qualität insbesondere in der pädagogischen Begleitung verbessern. Die neu gegründete Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt möchten wir stärker auf die Förderung bestehender Engagementsstrukturen ausrichten und die Rolle der Zivilgesellschaft weiter stärken. Freiwilliges Engagement muss auch in der politischen Debatte einen höheren Stellenwert erhalten. Daher setzen wir uns für einen Hauptausschuss zum bürgerschaftlichen Engagement im Deutschen Bundestag ein.

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Der organisierte Sport kann mit seinen flächendeckenden Strukturen für viele drängende Zukunftsfragen wie Energiewende, Digitalisierung oder Nachhaltigkeit Lösungen entwickeln, sie umsetzen und in die Breite tragen. Wie wollen Sie die Potentiale des Sports für gesamtgesellschaftliche Aufgaben heben?
DIE LINKE sieht und schätzt die Potentiale des organisierten Sports, auch durch ihre Querschnittsfunktionen und ihre öffentliche Aufmerksamkeit und hofft, dass sich Sportvereine und –verbände mehr als bisher in die Diskussion von Zukunftsfragen aktiv einmischen. Politik und Verwaltungen sind gut beraten, den organisierten Sport mit seinem Wissen und seinen Möglichkeiten, viele Teile der Gesellschaft zu erreichen, aktiv in politischen und gesellschaftlichen Debatten einzubeziehen. Dazu gehört auch, den organisierten Sport öfter und breiter als bisher als Sachverständige an Gesetzgebungsverfahren in Bund, Ländern und Kommunen zu beteiligen. Unser Zukunftsprogramm sieht ausreichende Investitionen vor, um die Einrichtungen des organisierten Sports barrierefrei, energetisch und ökologisch zu sanieren und zu digitalisieren. Damit können die Sporteinrichtungen Pilot- und Vorbildfunktion übernehmen.

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Unsere Spitzenathlet*innen sind Vorbilder. Sie leben gesellschaftlich wichtige Werte des Sports vor: Fairness, Respekt, Miteinander, Leistung. Wie wollen Sie die Rahmen- und Förderbedingungen für die Spitzenathlet*innen, die Sportverbände und Sportgroßveranstaltungen weiterentwickeln und verbessern?
DIE LINKE sieht Breitensport und Spitzensport als wechselseitiges Verhältnis. Sie will sowohl den Breitensport mit seiner positiven sozialen und gesundheitlichen Wirkung fördern als auch mögliche Sportkarrieren unterstützen. Die Spitzensportreform des Bundes wie auch das Konzept zur Förderung von Sportgroßveranstaltungen gehören auf den Prüfstand, die Kommerzialisierung des Sports zum Zwecke der Profitmaximierung wollen wir zurückdrängen. Nötig ist auch mehr Transparenz über Förderstrukturen und die Verwendung öffentlicher Mittel. Bei der Förderung der Spitzensportler*innen sind für uns der Schutz der Gesundheit, die Ermöglichung dualer Karrieren, verlässliche Finanzierungen unabhängig von Sponsoren, die Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern, Sportler*innen mit und ohne Behinderungen sowie unterschiedlicher Herkunft wichtig. Wir setzen uns für mehr Rechte für die Athlet*innen sowie bessere Arbeits- und Lebensbedingungen für deren Trainer*innen ein.

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Sport ist Querschnittsaufgabe und mehr als nur Spitzensportförderung. Wie wollen Sie gewährleisten, dass der Sport eine seiner gesamtgesellschaftlichen Bedeutung (Gesundheit, Integration/Inklusion, Städtebau, Bildung u.v.m.) entsprechende Unterstützung erhält und wo wollen Sie den Sport verorten?
Sport ist für DIE LINKE kein Luxus. Sport treiben zu können, soll nicht vom Einkommen und sozialen Status abhängen. Wir wollen inklusiven, integrativen, natur- und umweltverträglichen Sport fördern. Sportangebote und die Sportförderung müssen geschlechtergerecht sein und alle Altersgruppen angemessen berücksichtigen. Wir wollen Sport und Kultur im Grundgesetz verankern, Sport muss kommunale Pflichtaufgabe werden. Schulsport und Schwimmunterricht müssen deutlich aufgewertet werden. Das für den Sport zuständige Bundesinnenministerium war nicht bereit oder in der Lage, eine ganzheitliche Sportpolitik unter Einbeziehung der anderen Bundesressorts und Länder zu organisieren, es gab kein abgestimmtes Handeln. Auch der Sportausschuss des Bundestages wurde durch die Koalition regelmäßig ausgebremst. Das muss sich ändern. Für DIE LINKE ist künftig ein Bundesministerium für Kultur, Sport und Tourismus denkbar oder auch eine Zuordnung des Sports zum Gesundheitsministerium.