Wahlprüfstein Bundestagswahl 2021
Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung (GgG)
Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung
Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung (GgG)
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Dicke Menschen haben bei gleicher Qualifikation und Leistungsfähigkeit erheblich schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt und im Berufsleben als dünne. Mit welchen Maßnahmen werden sie Gewichtsdiskriminierung auf dem Arbeitsmarkt und im Berufsleben entgegenwirken?
DIE LINKE wendet sich gegen jedwede Diskriminierung, auch auf dem Arbeitsmarkt. Es wäre zu prüfen, ob das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz mit Bezug auf Ihre Frage konkretisiert bzw. erweitert werden müsste. Die Politik muss die Öffentlichkeit, insbesondere die ArbeitgerberInnen, noch viel stärker dafür sensibilisieren, dass entsprechende Diskriminierungen in Bewerbungsverfahren oder schon Beschäftigter nicht geduldet werden dürfen und die Chancengleichheit gestärkt werden muss. Dafür setzt sich DIE LINKE ein,
Themen:
Bürgerrechte und Demokratie
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Häufig wird dicken Menschen wegen ihres Gewichts die medizinische Behandlung verweigert oder es werden durch den ausschließlichen Fokus auf das Gewicht Fehldiagnosen gestellt. Was werden Sie tun, um eine qualitativ hochwertige Behandlung dicker Menschen sicherzustellen?
Die laufende Überarbeitung der Approbationsordnung der Ärzt*innen, also der Inhalte des Medizinstudiums, muss eine diskriminierungsfreie Versorgung verstärkt in den Blick nehmen. Während zurecht viel über Diskriminierung aufgrund von Hautfarbe, Sozialstatus oder geschlechtlicher Identität gesprochen wird, werden andere Formen der Ausgrenzung und Benachteiligung etwa von hochgewichtigen Menschen viel zu wenig betrachtet. Auch die Ärztekammern sind hier gefragt, diese Themen in den Fort- und Weiterbildungen zu berücksichtigen. Funktioniert das nicht, sollte über eine konkretisierende Gesetzesänderung nachgedacht werden.
Themen:
Bürgerrechte und Demokratie
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Die Ausstattung vieler Gesundheitseinrichtungen ist für die Versorgung hochgewichtiger Menschen ungeeignet. Was werden Sie tun, um die gesundheitliche Versorgung hochgewichtiger Menschen sicherzustellen?
Starkes Übergewicht ist für die meisten Betroffenen eine chronische Erkrankung/Einschränkung, die wie andere chronische Erkrankungen von den Verpflichtungen der UN-Behindertenrechtskonvention umfasst ist. DIE LINKE setzt sich seit langem für eine barrierefreie Gesundheitsversorgung ein. Das betrifft nicht nur Barrieren für Menschen mit Gehbehinderungen oder Sprachbarrieren, sondern auch etwa den Zugang für hochgewichtige Menschen. Wir fordern die Berücksichtigung von Barrierefreiheit bei der Zulassung von Kassenpraxen und in der Bedarfsplanung für die ambulante Versorgung.
Themen:
Bürgerrechte und Demokratie
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Oft werden dicken Menschen Magen-Operationen zur Gewichtsreduktion nahegelegt, Risiken und Nebenwirkungen aber kaum veranschaulicht. Wie werden Sie verhindern, dass diese Eingriffe aus finanziellen Interessen der Anbieter heraus ohne seriöse Abwägung von Nutzen und Schaden empfohlen werden?
Jeder medizinischen Behandlung müssen nach geltender Rechtslage eine informierte Einwilligung und damit eine ausführliche Risikoaufklärung vorausgehen. Leider ist das in der Praxis noch nicht überall Realität und gerade bei Stigma-behafteten Eingriffen oder Erkrankungen sehen wir erheblichen Verbesserungsbedarf. Da die Rechtslage aber klar ist, braucht es eine bessere Berücksichtigung bei der Aus- und Weiterbildung von Gesundheitspersonal sowie eine stringentere Überwachung, womit wiederum die Ärztekammern sowie die Länder beauftragt sind. Letztlich braucht es aber auch bessere Aufklärung und Beratung der Betroffenen, damit ihre Rechte gegenüber Behandelnden und Krankenkassen besser bekannt sind und auch durchgesetzt werden können. Dafür wollen wir die Selbsthilfe besser und dauerhafter finanzieren sowie die Unabhängige Patientenberatung (UPD) in gemeinnützige Trägerschaft überführen und das Angebot verbessern.
Themen:
Bürgerrechte und Demokratie
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Fragen nicht nur nach den positiven, sondern auch nach den negativen Auswirkungen einer Gewichtsreduktion oder der Möglichkeit, mit hohem Gewicht gesund zu leben, werden kaum beforscht. Inwieweit werden Sie vorurteilsfreie und interessenunabhängige Forschung zu Gewicht unterstützen?
DIE LINKE steht für eine gemeinwohlorientierte Forschungsförderung und ausfinanzierte Hochschulen, die interessengeleitete und unabhängige Forschung ermöglichen. Dementsprechend wird DIE LINKE auch die offene und kritische Forschung zu Gewicht, Gewichtsreduktion, Stigmatisierung und Schönheitsidealen unterstützten bzw. ihr durch besser öffentlich finanzierte Wissenschaftseinrichtungen den notwendigen Raum geben.
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Bürgerrechte und Demokratie
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Über die sechs im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz genannten Diskriminierungskategorien hinaus geben von Diskriminierung Betroffene primär an, dass sie anhand äußerlicher Merkmale diskriminiert wurden. Gewicht wird dabei am häufigsten genannt. Werden Sie das Merkmal “Gewicht“ ins AGG aufnehmen?
DIE LINKE will eine umfassende Reform des AGG, verbunden mit einem Verbandklagerecht, damit Antidiskriminierungsverbände klagen können. Der Diskussion um eine Ausweitung der Diskriminierungskategorien stehen wir offen gegenüber.
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Bürgerrechte und Demokratie
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In Maßnahmen zur Ernährungs- und Bewegungserziehung an Schulen und Kitas wird der dicke Körper häufig als Bedrohung und Eigenverschulden dargestellt. So wird schon früh ein Stigma erzeugt, das die gesunde Entwicklung dicker Kinder nachhaltig beeinträchtig. Wie werden Sie dem entgegenwirken?
DIE LINKE streitet für eine inklusive Ausgestaltung von Schulen und Kitas. Damit wollen wir auch Stigmata auf allen Ebenen entgegenwirken. Das erfordert wiederum eine gute Ausstattung von Kitas und Schulen. Im Bereich der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Förderung fordern wir z.B. ein Kitaqualitätsgesetz, mit dem wir die Qualität in den Kitas ausbauen wollen. Mit kleineren Gruppen entlasten wir die Fachkräfte und schaffen bessere Betreuungsschlüssel. Damit wird auch neuer Raum geschaffen, um auf die individuellen Bedürfnisse von Kindern einzugehen und Exklusionsrisiken in Kitas zu reduzieren.
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Bürgerrechte und Demokratie
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Obwohl Gewichtsdiskriminierung häufig vorkommt und zur sozialen Abwärtsspirale beiträgt, in der sich dicke Menschen oft wiederfinden, gibt es hierfür nur ein geringes gesellschaftliches Bewusstsein. Werden Sie sich für eine Sensibilisierung der Bevölkerung für Gewichtsdiskriminierung einsetzen?
Eine diskriminierende Haltung gegenüber Menschen mit einem hohen Körpergewicht resultiert aus einer Wahrnehmung, die ein hohes Körpergewicht den Betroffenen als selbst verschuldeten Makel zurechnet, auf den keine Rücksicht genommen werden sollte. Befördert wird dies durch entsprechende Fernsehformate. Dem sollte durch die Erweiterung der Arbeit der Antidiskriminierungsstellen von Bund und Ländern um das Thema Gewichtsdiskriminierung entgegengewirkt werden. Auch in der Politik selbst muss eine Sensibilisierung für das Problem der Gewichtsdiskriminierung geschaffen werden.
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Bürgerrechte und Demokratie