Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V.
Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V. - Der Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union, der in Lissabon ratifiziert wurde und am 1. Dezember 2009 in Kraft getreten ist, verpflichtet die Mitgliedsstaaten den Tierschutz ausreichend zu berücksichtigen. So heißt es in Art. 13: "Bei der Festlegung und Durchführung der Politik der Union in den Bereichen Landwirtschaft, Fischerei, Verkehr, Binnenmarkt, Forschung, technologische Entwicklung und Raumfahrt tragen die Union und die Mitgliedstaaten den Erfordernissen des Wohlergehens der Tiere als fühlende Wesen in vollem Umfang Rechnung; sie berücksichtigen hierbei die Rechts- und Verwaltungsvorschriften und die Gepflogenheiten der Mitgliedstaaten insbesondere in Bezug auf religiöse Riten, kulturelle Traditionen und das regionale Erbe."
Anlässlich der anstehenden Wahl des Europäischen Parlamentes im Mai 2019 bitten wir Sie, konkret Stellung zu beziehen, welche Handlungsschritte Ihre Partei auf EU-Ebene unternehmen wird, um der politischen Verpflichtung zum Tierschutz adäquat nachzukommen.
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Werden Sie sich für eine zeitliche Beschränkung der maximalen Transportdauer oder sogar ein Ende von Lebendtiertransporten einsetzen?
DIE LINKE fordert ein Verbot von Lebendtiertransporten, die über das Höchstmaß von vier Stunden hinausgehen. Der nächstgelegene Schlachthof soll stets bevorzugt werden. Dafür muss allerdings auch eine bessere strukturelle Versorgung von Schlachthöfen für konventionelle und Bio-Fleischproduktion gefördert werden. Tiere für wenige Cent Gewinn durch Länder zu transportieren darf sich nicht lohnen dürfen.
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Was werden Sie unternehmen, um den Transport von Tieren in Länder zu verhindern, die nicht die EU-Mindesttierschutzstandards einhalten?
In den Bundesländern, in denen DIE LINKE im Bereich Landwirtschaft Einfluss nehmen kann sowie mit den oppositionellen Mitteln im Bund, werden wir uns mithilfe der Tierschutzbeauftragten und Landestierärztekammern gemeinsam stark machen für eine Regelung, die in der Praxis auch so anwendbar ist, dass unverantwortliche Transporte nicht durchgeführt werden.
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Werden Sie sich für eine Evaluierung des Tiertransportrechts in den Mitgliedsländern einsetzen bzw. aktiv auf den Weg bringen um daraus strengere, EU-einheitliche Regelungen abzuleiten?
Zumindest das Vollzugsdefizit bei den Tiertransporten deutet auf eine verbesserungswürdige Grundlage hin. Eine unabhängige Bewertung und eine Übersicht der verschiedenen Gesetzesgrundlagen in den Mitgliedsstaaten sind daher wichtig und hilfreich. DIE LINKE ist der generellen Auffassung, dass die Tierschutzstandards in der EU besser vereinheitlicht werden müssen. Bei Transporten über die Grenzen der Mitgliedsstaaten hinweg ist eine einheitliche Rechtslage zwingend notwendig.
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Werden Sie sich dafür einsetzen, dass Deutschland zeitnah seine nationale Transportverordnung dahingehend anpasst, dass der rechtswidrige Transport transportunfähiger Tiere behördlich auch sanktioniert werden kann?
Rechtswidrige Tiertransporte müssen durch wirkungsvolle Sanktionen verhindert werden, die auch in entsprechender Höhe ausgestaltet werden und durch entsprechende Rechtsexpert*innen vor Gericht vertreten werden können. Dafür ist auch eine praxistaugliche Kontrolle notwendig, die diese Vorfälle effektiv aufdeckt.
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Welche Maßnahmen in den Bereichen Zucht und Haltungsbedingungen werden Sie ergreifen, um die hohen Tierverluste in der landwirtschaftlichen Tierhaltung spürbar zu senken?
Die wichtigsten Schritte aus Sicht der LINKEN sind eine Begrenzung der Viehdichte nach Region und Bestandsgröße nach Standort sowie ein verpflichtendes staatliches Tierwohllabel inklusiver konsequenter Kontrollen und Sanktionen. Außerdem ein Verbot von Qualzuchten und eine Förderung von Mehrnutzungsrassen, um eine längere Lebensdauer der Tiere zu befördern, um männliche Legehennen beispielsweise mitnutzen zu können. Dafür kämpfen wir weiterhin.
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Werden Sie sich dafür einsetzen, zeitnah strenge, verbindliche Haltungsvorgaben für Milchkühe, Schafe, Puten und Ziegen auf den Weg zu bringen?
Wir brauchen eine tiergerechte Haltung von Nutztieren und je mehr Länder in Europa die Standards anpassen, desto besser funktioniert europäischer Tierschutz. Besser ist jedoch der Weg als reiches Land in Europa für Deutschland als Positivbeispiel voranzugehen und dadurch die anderen Mitgliedsstaaten mitzuziehen. Die Debatte im Bereich Tierwohl ist in den verschiedenen Mitgliedsstaaten an ganz unterschiedlichen Stellen und wir müssen das auch mitbedenken, denn oft profitiert Deutschland von diesen unterschiedlichen Machtverhältnissen. Mittelfristig bedarf es aber einheitliche EU-Standards auch beim Tierschutz.
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Was werden Sie in Deutschland und auf EU-Ebene tun, um die Schlacht- und Betäubungsmethoden der verschiedenen relevanten Tierarten zu verbessern?
DIE LINKE spricht sich gegen den Heiß- und Kaltbrand zur Kennzeichnung von Tieren, chirurgische Eingriffe ohne Betäubung und generell Schlacht- und Betäubungsmethoden aus, die dem Tierschutzrecht entgegenstehen. In der Nutztierhaltung ist insbesondere § 2 des Tierschutzgesetzes zu beachten. Dazu muss eine umfassende Strategie der Nutztierhaltung neben geänderten Haltungsvorschriften zur Verbesserung des Tierwohls auch die Finanzierungsfrage beantworten, so dass die Mehrkosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette fair verteilt werden. Zudem müssen klare gesetzliche Regelungen den Vollzugsbehörden einen geeigneten, rechtsicheren Handlungsrahmen geben.
In den Schlachthöfen muss sichergestellt werden, dass die Arbeitskräfte unter vernünftigen Bedingungen arbeiten und dann auch eine tierschutzgemäße Tötung erfolgt und dies auch entsprechend kontrolliert wird.
Ein weiterer Kniefall vor dem politischen Handlungswillen im Bereich des Staatsziels Tierschutz wie bei der Ferkelkastration darf nicht stattfinden und der Druck auf die Profiteure Verantwortung zu übernehmen muss durchgesetzt werden.
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Werden Sie sich für einheitliche, regelmäßige Schulungen der Polizei- und Zollbeamten sowie der Amtsveterinäre, die mit der Kontrolle von Tiertransporten befasst sind, einsetzen?
Unterstützen Sie die Forderung hinsichtlich EU-weit vernetzter Datenbanksysteme der Vollzugsbehörden, um eine schnelle Erkennung und effektivere Verfolgung von Tätern zu ermöglichen?
Zu beiden Fragen: Ja.
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Welche Maßnahmen werden Sie ergreifen, um eine EU-einheitliche und effektive Sanktionierung von Verstößen zu gewährleisten, bspw. über den Rahmenbeschluss 2005/214/JI des Rates vom 24. Februar 2005 über die Anwendung des Grundsatzes der gegenseitigen Anerkennung von Geldstrafen und Geldbußen?
Eine europaweite Regelung bedarf der Anerkennung, dass es ein europaweites "Problem" ist. Der Beschluss des Rates muss auch in der Praxis auch im Bereich des Tierschutzes Anwendung finden.
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Welche Maßnahmen werden Sie ergreifen, um dem illegalen Tierhandel über das Internet zu begegnen?
Der illegale Handel im Internet lebt von der Nachfrage. Hier muss man ansetzen und enorme Aufklärung betreiben. Gleichzeitig bedarf es z.B. bei ebay Kleinanzeigen der Einführung von Verkäufer Identitätsprüfungen in der Kategorie Tiere.
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Wird sich Ihre Partei dafür einsetzen, die Tötung sog. Straßentiere zu unterbinden und sich für ein aus öffentlichen Geldern finanziertes Kastrationsprogramm sowie eine tierärztliche Versorgung der Tiere aussprechen?
Werden Sie sich für die Kennzeichnung und Registrierung von Heimtieren, insbesondere von Hunden und Katzen, einsetzen, so wie es das Europäische Parlament in einem Entschließungsantrag zuletzt im Februar 2016 gefordert hat?
Zu beiden Fragen: Ja.
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Was wird Ihre Partei darüber hinaus unternehmen, um die "Straßentierproblematik" in den Griff zu bekommen?
Einfangen, kastrieren und dann wieder freilassen ist die effektivste Methode um der "Problematik" Herr zu werden. Langfristig führt das zu einer stetig rückläufigen Population. Hierzu bedarf es auch der Aufklärung und Einbeziehung der Menschen vor Ort.
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Was werden Sie unternehmen, um das Mitführen zumindest besonders sensibler Wildtierarten im Zirkus EU-weit zu unterbinden?
Es braucht hier eine EU weite und für alle gültige Regelung. Hierzu muss allerdings auch Druck auf die deutsche Bundesregierung ausgeübt zu werden.
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Werden Sie sich für eine Überarbeitung der EU-Tierversuchsrichtlinie dahingehend einsetzen, dass Versuche, die schweres Leid verursachen, ausnahmslos verboten werden? Ja. Werden Sie sich darüber hinaus für die EU-weite Abschaffung von Tierversuchen einsetzen? Wenn ja, welche konkreten Vorhaben hat Ihre Partei geplant?
Zu beiden Fragen: Ja.
DIE LINKE im Bundestag hat bereits einen Antrag „Tierversuche beenden“ gestellt (Bundestagsdrucksache 18/11724). Dieser fordert die komplette Abschaffung von Tierversuchen, die zuerst mit dem Verbot von Tierversuchen an Menschenaffen und Tierversuchen für Haushaltsprodukte einhergehen soll. Wir sprechen uns zudem für das Verbandsklagerecht aus und fordern die Umwidmung von Steuergeldern. Die Niederlande fungieren mit ihrem Ausstiegsplan aus dem Tierversuch als ein Vorbild.