Wahlprüfstein Europawahl 2019

Deutsche Gesellschaft für wissenschaftliche Weiterbildung und Fernstudium e.V.

Deutsche Gesellschaft für wissenschaftliche Weiterbildung und Fernstudium e.V. - Die "Deutsche Gesellschaft für wissenschaftliche Weiterbildung und Fernstudium" (DGWF) ist die Interessenvertretung von mehr als 320 institutionellen und persönlichen Mitgliedern an Hochschulen in Deutschland. Sie versteht sich als das Netzwerk für das lebensbegleitende Lernen. Als Interessenverband sind wir sehr an den bildungspolitischen Vorstellungen der Parteien interessiert, die für das kommende europäische Parlament kandidieren. Schließlich sind es die politischen Rahmenbedingungen die auch über den Weg und Erfolg unserer Arbeit an den Hochschulen entscheiden. Um eine Einschätzung der parteipolitischen Positionen zu bekommen, haben wir Wahlprüfsteine formuliert, die Sie im Anhang zu diesem Schreiben finden.

1

Inwieweit tritt Ihre Partei für eine Stärkung der wissenschaftlichen Weiterbildung an Hochschulen ein (University Lifelong Learning (ULLL))? Welche Bedeutung räumen Sie der wissenschaftlichen Weiterbildung an den Hochschulen in Europa ein?
DIE LINKE sieht die wissenschaftliche Weiterbildung als wichtigen Bestandteil des Bildungssystems an. Weiterbildung ermöglicht Menschen, sich im Verlauf ihres Lebens weiter zu entwickeln. Sie können sich beispielsweise ausgehend von einem bereits erlernten Beruf weiter spezialisieren oder eine ganz neue Richtung einschlagen, ganz nach ihren persönlichen Wünschen. Ebenso kann die Weiterbildung genutzt werden, um ihre oder seine Persönlichkeit zu entfalten und ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

2

Durch welche Initiativen oder Maßnahmen wollen Sie die wissenschaftliche Weiterbildung an den europäischen Hochschulen stärken? Zielen Sie darauf ab, die wissenschaftliche Weiterbildung an Hochschulen in Europa weiter auszubauen?
Die wissenschaftliche Weiterbildung an den Hochschulen wollen wir vor allem durch eine ausreichende Ausfinanzierung dieser erreichen. Die derzeitigen Finanzmittel der Hochschulen reichen nicht zur Erfüllung ihrer Aufgaben aus. Damit werden die Hochschulen in die Lage versetzt, ihre Angebote für die wissenschaftliche Weiterbildung Auszubauen, Weiterzuentwickeln und erfolgreiche Konzepte zu verstetigen.

3

Die Verstetigung der wissenschaftlichen Weiterbildung ist sinnvoll nur mit einer soliden Finanzierung zu leisten. Welche erfolgreichen Finanzierungsmodelle des ULLL sehen Sie für Europa?
Um die wissenschaftliche Weiterbildung an den Hochschulen zu verankern, sind vor allem unbefristete Stellen in diesem Bereich einzurichten. Dies muss sowohl Lehrpersonal als auch Verwaltungspersonal umfassen, um die speziellen Bedürfnissen der Bildungsteilnehmer*innen gerecht zu werden.

4

Die Entwicklung von Angeboten der wissenschaftlichen Weiterbildung ist zum Teil kostenintensiv. Inwieweit sehen Sie die Förderung von Modellvorhaben und deren Nachhaltigkeit in den entsprechenden EU-Programmen abgebildet (Erasmus+, Key Action 2, 3)?
Wir teilen die Auffassung, dass die Entwicklung von Angeboten für die wissenschaftliche Weiterbildung sehr kostenintensiv ist. Dies gilt ebenso wie die Einrichtung neuer Studiengänge oder die Bereitstellung hochwertiger digitaler Angebote. Weil derartige Vorhaben an allen Hochschulen allerdings dauerhaft erfolgen sollen, muss eine Förderung daher in die Grundfinanzierung eingebettet sein.

5

Die an deutschen Hochschulen geläufige Unterscheidung zwischen grundständiger Bildung (i.d.R. gebührenfrei) und Weiterbildung (i.d.R. gebührenpflichtig) ist nach Bologna ohnehin nur noch bedingt trennscharf, wenn man die biografischen Bedürfnisse der Menschen in Betracht zieht. Bezogen auf Europa steht Deutschland mit dieser Bildungspolitik alleine da. Wie beurteilen Sie in diesem Rahmen die Finanzierungspolitik in anderen Ländern in Bezug auf die wissenschaftliche Weiterbildung?
Bildung ist für DIE LINKE ein Menschenrecht. Dies umfasst ebenso die Weiterbildung. Daher setzen wir uns gegen jegliche Art von Gebühren und Beiträgen an öffentlichen Bildungseinrichtungen ein. Hier sind insbesondere die skandinavischen Länder deutlich weiter als Deutschland, wo es neben kostenlosen Weiterbildungsangeboten ebenso Freistellungszeiten und andere Mechanismen zur Förderung der Weiterbildungsteilnehmer*innen gibt.

6

Die politisch gewollte Öffnung der Hochschulen für weitere Personengruppen setzt entsprechende Bildungsformate und -angebote voraus. In welcher Form gedenken Sie z.B. das berufsbegleitende und das berufsorientierte Studium (VET) zu unterstützen bzw. zu fördern?
Das berufsbegleitende Studium wollen wir vor allem dadurch unterstützen, dass wir Teilzeitstudierenden einen Zugang zum BAföG ermöglichen. Bisher wird eine Förderung des Lebensunterhalts durch das BAföG nur bei Vollzeitstudium gewährt. Zugleich wollen wir die Altersgrenze für das BAföG abschaffen, so dass es Beschäftigten auch in einem späteren Lebensabschnitt frei steht, ein berufsbegleitendes Studium aufzunehmen.

7

Neue Anforderungen in der Weiterbildung setzen neue Organisationsformen voraus. Wie positionieren Sie sich gegenüber der Einführung und Praktizierung von Franchise Modellen oder Hochschulausgründungen wie etwa „GmbH"-Lösungen in Deutschland? Sind diese konkurrenzfähig mit der europäischen Praxis?
Wir sehen derartige Ausgründungen aus der Hochschule skeptisch. Mit der Ausgründung in eine private Gesellschaft gelten bestimmte rechtliche Regelungen, denen die Hochschule unterworfen ist, nicht. Franchise-Modelle können in einzelnen Fällen hilfreich sein, da bestimmte Weiterbildungsbedarfe bundesweit bestehen. Wir würden allerdings Kooperationen von Hochschulen bevorzugen, die ähnliche oder gleiche Weiterbildungsangebote anbieten.