Wahlprüfstein Europawahl 2019
Verlag Eugen Ulmer / Redaktion "Schafzucht"
Verlag Eugen Ulmer / Redaktion "Schafzucht"
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Welchen Stellenwert misst Ihre Partei der Schaf- und Ziegenhaltung in Deutschland bei, und warum sollten Schaf- und Ziegenhalter Ihre Partei wählen?
DIE LINKE kämpft darum, dass die umfangreichen gesellschaftlichen Leistungen der Schaf- und Ziegenhaltungen so anerkannt werden, dass man davon leben kann. Die Halterinnen und -halter Kleiner Wiederkäuer tragen zu Natur-, Arten-, Hochwasser- und Klimaschutz sowie zum Schutz der biologischen Vielfalt bei und sie versorgen uns mit hochwertigen Lebensmitteln und Naturprodukten. Gleichzeitig ist die Weidehaltung die in der Gesellschaft anerkannteste Nutztierhaltung. Dass trotzdem die Zahl der schaf- und ziegenhaltenden Betriebe als auch der Schafe und Ziegen sinkt, ist absurd und Folge einer falschen Agrar- und Agrarförderpolitik, die Gemeinwohlleistungen nicht angemessen berücksichtigt. Ohne notwendige Flächenprämien, faire Erzeugerpreise oder angemessene Unterstützung beim Herdenschutz verschärft sich die prekäre Einkommenssituation weiter. Das kritisiert DIE LINKE seit Jahren, erst Recht, weil die Schaf- und Ziegenhaltung gebraucht wird. Die Forderungen stehen z. B. in zwei Anträgen: „Weidetierprämie für Schafe und Ziegen jetzt auf den Weg bringen“ (gemeinsam mit Bündnis90/Die Grünen, Drucksache 19/1691) und „Herdenschutz bundesweit wirkungsvoll durchsetzen“ (Drucksache 19/581).
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Sehen Sie eine Möglichkeit, dass die zukünftige Agrarreform ähnlich wie in den meisten anderen EU-Mitgliedsländern eine gekoppelte Prämie oder einen Zuschlag für einen Weidetierbesatz im Rahmen der Ersten Säule beschließt?
DIE LINKE hat bereits für die jetzig laufende EU-Förderperiode einer gekoppelten Weidetierprämie für die Schaf- und Ziegenhaltung gefordert. Alle anderen EU-Mitgliedsstaaten nutzen die Möglichkeit von Ausnahmen vom Grundprinzip der Entkopplung der Agrarförderung. Diese Ausnahme für die Weidetierhaltung ist absolut gerechtfertigt, weil Schaf- und Ziegenhalterinnen und -halter z. B. das Grünland erhalten, das auch für den Klimaschutz wichtig ist, weil es eine besonders tiergerechte Haltung ist und weil sie dringend Unterstützung brauchen angesichts nicht angemessener Bezahlung ihrer Arbeit für ihre Produkte. Deshalb nutzen ja auch 27 Mitgliedstaaten der EU eine Weidetierprämie. Aufgrund der schwierigen Situation in der Schaf- und Ziegenhaltung hat die Linksfraktion gemeinsam mit der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen eine Weidetierprämie beantragt. Leider wird diese durch Union und SPD weiter abgelehnt. Für die neue Förderperiode bleibt DIE LINKE bei der Forderung, die Direktzahlungen zielgenau an soziale und ökologische Leistungen zu binden, damit ginge öffentliches Geld auch für die öffentlichen Leistungen der Weidetierhaltung.
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Die Weidetierhaltung, insbesondere die Schaf- und Ziegenhaltung, leidet unter der Rückkehr des Wolfes. Das ist kein deutsches, sondern ein europäisches Problem. Welche Möglichkeiten sehen Sie auf europäischer Ebene für eine Populationsbegrenzung und die Übernahme des Wolfes in Anhang V statt bisher Anhang IV der FFH-Richtlinie?
DIE LINKE kämpft seit vielen Jahren für einen Rechtsanspruch auf angemessene Unterstützung beim Herdenschutz, und zwar schon bevor Wölfe in die Region zurückkehren. Das muss deshalb Schwerpunkt sein, weil die Hirt_innen und Hirten ihre Herden schützen wollen und müssen – unabhängig von der Zahl der Wölfe. Zumal die Weidetierhaltung in ihrer Existenz bedroht war, lange vor der Rückkehr der Wölfe, die aber natürlich eine weitere große Belastung sind, die eine Unterstützung durch die Gesellschaft klar begründet. Während die Koalition das Problem aussitzt, hat DIE LINKE wiederholt mehr Unterstützung eingefordert, z. B. ein Bundesprogramm Weidetierhaltung mit 50 Millionen Euro für den Bundeshaushalt 2019 und ein Herdenschutzkompetenzzentrum, das bundeseinheitliche Herdenschutzmaßnahmen entwickelt, berät und unterstützt. Trotzdem muss angesichts einer dynamischen Populationsentwicklung der Schutzstatus des Wolfes regelmäßig wissenschaftlich geprüft werden. Diese Diskussion ist aber keinesfalls ein Ersatz für eine konsequente Unterstützung für den Herdenschutz.
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Schafwolle ist nach wie vor nicht als Agrarprodukt in den Römischen Verträgen aufgenommen. Damit ist sie von der Agrarförderung ausgeschlossen. Welche Möglichkeiten sehen Sie, dies für Schafwolle als doch wertvollen Rohstoff endlich nachzubessern?
Da Schafwolle ein sehr wichtiger nachwachsender Rohstoff ist, dessen Bedeutung sehr vielfältig auch für den Ausstieg auf den fossilen Ressourcen wächst, muss alles für eine neue Inwertsetzung getan werden. Dazu gehört auch die Prüfung des Status als Agrarprodukt im Rahmen der Bioökonomiestrategie.
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Welche Auswirkungen erwarten Sie durch den Brexit auf die Import-/Exportsituation für die Schafhaltung und insbesondere die Lammfleischpreisentwicklung in Deutschland?
Aufgrund der unklaren Situation (weicher oder harter Brexit) ist eine Einschätzung sehr schwierig. Es muss jedoch davon ausgegangen werden, dass der Brexit egal ob hart oder weich negative Auswirkungen auf die Fleischproduktion in Deutschland hat, worunter auch die Lammfleischproduktion fällt. Das Thünen Institut hat dazu zwei eine umfassende Analysen herausgegeben in denen von einem negativen Agraraußenhandelsumsatz (Import + Export) ausgegangen wird (-1,2 Mio. € „harter Brexit“ und -700 Mrd. € „weicher Brexit“). Die Fleischproduktion ist hiervon am stärksten betroffen, vor allem die Schweine- und Geflügelhaltung. Die Schaf- und Ziegenhaltung wird in den Analysen nicht explizit erwähnt.