Wahlprüfstein Europawahl 2019

Landesapothekerverband Niedersachsen e.V.

Landesapothekerverband Niedersachsen e.V. - Apotheker als freie Heilberufler leisten einen wichtigen Beitrag zur Stabilität der europäischen Wirtschaft. Sie erbringen ihre Dienstleistungen vor Ort, bieten flächendeckend verlässliche Ausbildungs- und Arbeitsplätze und leisten so einen erheblichen Beitrag zur Beschäftigung in Europa. Nur die persönliche, eigenverantwortliche und fachlich unabhängige Betreuung durch den Heilberufler, seine persönliche Haftung und die Qualitätssicherung der beruflichen Selbstverantwortung garantiert eine Arzneimittelversorgung auf hohem Niveau.

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Wie stehen Sie bzw. Ihre Partei zu dem in Artikel 168 AEUV zuerkannten Wertungsspielraum der Mitgliedsstaaten hinsichtlich ihrer Gesundheitspolitik?
DIE LINKE will an der Gestaltungshoheit der Mitgliedsstaaten bei der Gesundheitspolitik festhalten. So haben wir besonders scharf das Vorhaben der EU-Kommission kritisiert, die Nutzenbewertung von Arzneimitteln EU-weit zu zentralisieren, was wahrscheinlich auch das Bewertungsniveau für Deutschland abgesenkt hätte. DIE LINKE einen Neustart der Europäischen Union, damit sie demokratischer, sozialer und friedlicher wird. Erst nach einem solchen Neustart wäre für uns die Übertragung weiterer Gesetzgebungskompetenzen nach Brüssel denkbar.
Themen: Gesundheit, Pflege

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Inwieweit werden Sie und Ihre Partei sich auf EU-Ebene einsetzen, um die frei-beruflich organisierte und unabhängig durchgeführte pharmazeutische Versorgung zu unterstützen?
DIE LINKE hat sich immer für die Präsenz-Apotheke und für die Stärkung des Apothekerberufs als Heilberuf stark gemacht. Wir wollen der Ökonomisierung, die mit dem drohenden Preiskampf, aber auch mit dem Fremd- und Mehrbesitz einhergeht, eine patientenorientierte und auf Qualität setzende Versorgung entgegen stellen. Rosinenpickerei darf es nicht geben, wenn es um die Erfüllung des gesetzlichen Versorgungsauftrags geht. Nach wie vor halten wir das Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln für die einzig richtige Reaktion auf das EuGH-Urteil von 2016. Dabei geht es nicht nur um den Schutz der Vor-Ort-Versorgung in Deutschland, sondern vor allem auch um Versorgungsqualität und Arzneimittelsicherheit.
Themen: Gesundheit, Pflege

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Wie positionieren Sie bzw. Ihre Partei sich auf EU-Ebene sich zu den Themen Patientenschutz, Arzneimitteltherapiesicherheit und Apothekenpflicht?
Patientenschutz, Arzneimitteltherapiesicherheit und Versorgungssicherheit sind für DIE LINKE zentrale Anliegen. Wir stimmen zu, dass diese Sichtweise in den meisten Initiativen der EU-Kommission leider keine dominante Rolle spielt. Vielmehr stellt der freie Warenverkehr die Maxime ihrer Politik dar, der alle anderen Aspekte untergeordnet werden. Der falsche Einsatz von Arzneimitteln ist ein massiv unterschätztes Problem. Er verursacht nicht nur viel vermeidbares Leid, sondern auch horrende Kosten in den Sozialsystemen. Eine gute Arzneimittelversorgung muss sich daran messen lassen, ob Versorgungsqualität und Patientenadhärenz gefördert und zum Beispiel unnötige Folgebehandlungen und Krankenhausbehandlungen aufgrund von Fehlmedikation vermieden werden. Die Kompetenz der Apothekerschaft und damit auch die Apothekenpflicht für OTC-Arzneimittel spielen dabei eine wichtige Rolle.
Themen: Gesundheit, Pflege

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Wie stehen Sie, bzw. Ihre Partei zum Erhalt der Gleichpreisigkeit von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen?
Preiskampf hat noch nie zu einer guten Versorgungsqualität beigetragen. Er führt zwangsläufig zu einem Wettbewerbsdruck, der Druck auf Zahl und Qualifikation des Personals ausübt und damit die Beratungs- und Herstellungsqualität beeinträchtigt. Es droht eine Situation, in der wichtige Beratungsleistungen nur in „teuren“ Apotheken angeboten werden, was letztlich eine Zwei-Klassen-Versorgung bewirkt. DIE LINKE will mit dem RX-Versandverbot und der Preisbindung für Arzneimittel Wettbewerbsdruck abbauen und im Gegenzug die nachprüfbare Versorgungsqualität in den Apotheken stärken.
Themen: Gesundheit, Pflege

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Was werden Sie bzw. Ihre Partei sich auf EU-Ebene dafür tun, um solchen Liefer- und damit Versorgungsengpässen vorzubeugen und die Wirkstoffproduktion wieder verstärkt in den europäischen Wirtschaftsraum mit überprüfbaren Qualitätsstandards zu verlagern?
Lieferengpässe können verschiedene Ursachen haben, sodass nur ein Bündel von Maßnahmen wirksam Abhilfe schaffen kann. DIE LINKE fordert unter anderem deshalb die Abschaffung von Rabattverträgen und stattdessen eine Schärfung des Festbetragssystems. Wir fordern zudem ein verpflichtendes, öffentliches Register, an das alle bestehenden und abzusehenden Lieferengpässe gemeldet werden müssen. Die Lieferfähigkeit wichtiger Arzneimittel darf nicht von einer einzelnen Produktionsstätten abhängen. Die Zentralisierung von Produktionsstätten gerade in der Wirkstoffherstellung ist ökonomisch begründet und provoziert Lieferschwierigkeiten. Der gesetzliche Sicherstellungsauftrag der pharmazeutischen Industrie sollte so erweitert werden, dass Engpässe, die durch Rationalisierungsmaßnahmen der Industrie provoziert worden sind, mit hohen Bußgeldern geahndet werden. Regelmäßige Vor-Ort-Kontrollen auch außereuropäischer Produktionsstätten sind zur Qualitäts- und Umweltkontrolle ebenfalls unabdingbar.
Themen: Gesundheit, Pflege

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Was tun Sie und Ihre Partei dafür, Patientendaten sowie die Eigenverantwortung der Patienten zu schützen?
Digitale Anwendungen haben ein großes Potential, die Gesundheitsversorgung der Patientinnen und Patienten besser und einfacher zu machen. Selbstverständlich ist Interoperabilität zwischen verschiedenen Anbietern/Krankenkassen und auch international wichtig, um die Potenziale zu heben. Doch auch in der digitalen Welt ist nicht alles Gold was glänzt. DIE LINKE fordert für therapeutische eHealth-Anwendungen, z.B. Gesundheits-Apps, einen validen Nachweis des patientenrelevanten Nutzens und klare Datenschutz-Regelungen. Das gilt erst Recht, wenn die Anwendungen von den Krankenkassen bezahlt werden. Essentiell ist für uns, dass die Anwendungen für die Versicherten freiwillig sind und diese jederzeit die Hoheit über ihre Daten haben. Dass sinnvolle eHealth-Anwendungen verknüpft werden mit Forderungen nach einer Aufweichung des Datenschutzes und der Datensouveränität, macht uns sehr wachsam und wir werden diese Grundpfeiler für das notwendige Vertrauen in die neuen technischen Möglichkeiten immer wieder einfordern.
Themen: Gesundheit, Pflege