Wahlprüfstein Europawahl 2019
Deutscher Heilbäderverband e.V.
Deutscher Heilbäderverband e.V.
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In welcher Weise werden Sie sich dafür einsetzen, dass diese hohen Qualitätsnormen im Sinne der Wettbewerbsgleichheit in ganz Europa zum Maßstab werden, dass die Arbeitsplätze in den Heilbädern und Kurorten in Deutschland gesichert und ausgebaut werden und dass die Kostenübernahmen für Kuren und Heilbehandlungen in Deutschland auch durch ausländische Kostenträger gesichert ist?
DIE LINKE setzt sich für eine bedarfsgerechte, evidenzbasierte und unabhängig vom Geldbeutel und vom Wohnort zugängliche Rehabilitation ein. Beschäftigte, die die Freizügigkeit der EU nutzen, haben bereits jetzt Anschluss an das System der sozialen Sicherung für Leistungen bei Krankheit, bei Arbeitsunfällen und bei Invalidität. Davon sind Leistungen der Sozialversicherung zur medizinischen Rehabilitation erfasst. Wir wollen mehr innereuropäische Freizügigkeit auch für nicht erwerbstätige Menschen, wenn eine Rehabilitation in anderen EU-Staaten einen höheren Behandlungserfolg verspricht.
Allerdings dominieren in den meisten europäischen Staaten ambulante Rehabilitationsangebote, die eben wohnortnah und unter Einbeziehung des Arbeitsplatzes erbracht werden können. Die überwiegend stationäre Versorgungsform in Deutschland kann dazu eine sinnvolle Alternative sein. Allerdings muss der optimale Behandlungserfolg Maßstab bleiben. Weder darf die Nutzung hochpreisiger Angebote im Ausland einheimische Versorgungssysteme – insbesondere in ärmeren EU-Staaten – schwächen. Noch darf die Inanspruchnahme ein Privileg zahlungskräftiger Rehabilitanten zu Lasten der Versorgung der einheimischen Versicherten werden.
Themen:
Gesundheit,
Demokratie
2
Sind Sie bereit, an einer Richtlinie für Prävention, Rehabilitation und die Anwendung der natürlichen, ortsgebundenen Heilmittel und Heilverfahren nach deutschem Qualitätsstandard auf europäischer Ebene zu arbeiten und welche parlamentarischen Initiativen sind hierzu notwendig?
Ja. DIE LINKE unterstützt das Anliegen einer europaweiten Koordinierung der Systeme für Rehabilitation und Prävention. Dies kann auch in Form einer Richtlinie geschehen, wenn die bisher praktizierte offene Methode der Koordinierung sich erschöpft. Eine Richtlinie erfordert jedoch eine gemeinsame europäische Datensammlung und vergleichbare Standards. Die Studienlage zur Wirksamkeit der Rehabilitation ist jedoch sowohl gesamteuropäisch als auch für die durch viele Besonderheiten geprägte deutsche Versorgungssituation unzureichend. Eine Richtlinie bei Mangel an belastbarer Evidenz sieht DIE LINKE angesichts der hohen wirtschaftlichen Bedeutung dieses Sektors der Gesundheitsversorgung deshalb gegenwärtig als kaum umsetzbar.
Themen:
Gesundheit,
Demokratie
3
Durch welche Maßnahmen werden Sie sich für die Anerkennung der medizinischen Dienstleistungen von Heilbädern und Kurorten durch die Parlamente einsetzen?
Die europäische Mobilitätsrichtlinie schließt außerdem Menschen mit spezifischem Unterstützungsbedarf bei alltäglichen Verrichtungen – also Menschen mit Behinderungen und pflegebedürftige Menschen – aus dem Geltungsbereich der Richtlinie aus. So bleiben gute Rehabilitationsangebote für diese Menschen oft unerreichbar. Diese Richtlinie sollte umgehend geändert werden. Dafür wäre eine ausgleichende Finanzierung ein Möglichkeit.
Themen:
Gesundheit,
Demokratie
4
Die Europäische Komission unterstützt Initiativen, die helfen werden, die Nebensaison in Heilbädern und Kurorten zu verkürzen, um Arbeitsplätze über das ganze Jahr hinweg zu sichern. Wie unterstützen Sie diese Initiativen?
Die Chancen einer solchen Verkürzung befürwortet DIE LINKE. Schließlich ist die Ablehnungsrate vieler Kuranträge noch immer sehr hoch und der Rehabilitationsbedarf wächst. Ablehnungen von Anträgen wegen „nicht ausgeschöpfter ambulanter Maßnahmen“ sollen sinken. Nicht nur die verbesserten Rehabilitationsansprüche für pflegende Angehörige und der dringend nötige Ausbau von Präventionsangeboten erfordern erweiterte Angebote. Bedarfsgerechte Versorgung erfordert ein höheres Rehabudget. Der „Rehadeckel“ muss weg. Und das bedeutet auch, Gesundheitsversorgung und Pflege wirklich solidarisch zu finanzieren.
Themen:
Gesundheit,
Demokratie
5
In welcher Weise werden Sie sich dafür einsetzen, dass in der nächsten EU-Förderperiode Fördermittel für die gesundheitstouristische Infrastruktur in erheblichem Umfang in die entsprechenden Förderprogramme der EU eingestellt werden?
Gesundheitsförderung und Prävention sind für DIE LINKE politikfeldübergreifende Aufgaben. Gesundheitsfördernde Lebens-, Wohn- und Arbeitsbedingungen sind entscheidend für eine bessere Gesundheit für alle in allen Regionen und um die unterschiedlichen Gesundheitschancen zu verringern. Vor allem die Ausgestaltung dieser Bedingungen sollte auf gesamteuropäischer Ebene gefördert werden. Das schließt spezielle gesundheitstouristische Projekte nicht aus. Keinesfalls jedoch darf Gesundheitstourismus einkommensschwächere oder beeinträchtigte Menschen ausgrenzen. Prävention ist keine individuelle Alleinverantwortung und Rehabilitation ist mit der UN-Behindertenrechtskonvention menschenrechtlich klar bestimmt. Deshalb muss die Vergabe europäischer Fördermittel sich an diesen gesamtgesellschaftlichen Zielen orientieren.
Themen:
Gesundheit,
Demokratie